Auf "And then tere were none" von Agatha Christie bin ich aufmerksam geworden, weil es in einer Fernsehsendung vorgestellt wurde, als eines - zur Zeit der Erscheinung - hoch angepriesenes Werk. Auch gesagt wurde, dass die vielen guten Kritiken als überbewertet gelten. Das hat mich neugierig gemacht!Während meines Kulturwissenschaftsstudium habe ich bisher den einen oder anderen harten Brocken gelesen, da muss manchmal auch etwas "entspannendes" her, wie zum Beispiel ein Krimi. Entspannt ist diese Geschichte allerdings nicht, sie behandelt eine viel durch Literatur und Fernsehen verbreitete Geschichte: Eine Gruppe Menschen ist von der Gesellschaft abgeschlossen auf einer Insel, von der kein Entkommen ist gefangen. Einer nach dem anderen findet seinen Tod und es ist klar: Jemand von ihnen muss der Mörder sein. Jeder aus der Gruppe hat seine "Leichen im Keller" und das schlechte Karma holt sie ein.Die Charaktere sind gekonnt unterschiedlich beschrieben und man ahnt schnell, wer welche Rolle spielen wird, und obwohl man denkt, man wüsste, wie diese Geschichte ausgeht, kommt man nicht umhin mitzuraten: Wer stirbt als nächstes? Wer ist der Mörder? Typisch Kriminalroman: Einer der Charaktere verhält sich auffällig und der Leser soll denken, er sei der Mörder. Ist es vielleicht wirklich so einfach? Vielleicht soll man ja auch denken, gerade der auffälligste kann es nicht sein, eben weil es zu einfach wäre. Die typischen Gedanken eines Krimilesers. Ich muss allerdings gestehen, dass meine detektivische Spürnase mich oft ausgetrickst hat.Besonders interessant an dem Roman ist der Hintergrund des Kinderliedes, in dem von 10 Soldaten einer nach dem anderen stirbt... man weiß also immerhin WIE die Opfer sterben. Christie versucht sich auch als Psychologin, indem sie aufzeigt, wie Menschen in solchen Situationen wahrscheinlich reagieren und es macht Spaß, sich selbst ein Bild von den Menschen zu machen und sie zu psychologisieren, zu interpretieren.Ich kann verstehen, dass dieses Buch bei seiner Erscheinung so beliebt war. Ich habe es innerhalb weniger Stunden durchgelesen und kam auch mit der englischen Sprache sehr gut klar. In der heutigen Zeit wirkt der Krimi fast langweilig, gerade wenn man sonst aus Buch und Fernsehen nur noch die absurdesten und brutalsten Morde mit wahnsinnig verstrickten Hintergründen gewohnt ist.Für Krimifans, die nicht unbedingt eine wilde Verfolgungsjagt, abgetrennte Körperteile und politische Verschwörungen lesen wollen, kann ich diese Lektüre empfehlen. Für Leser mit eben genannten Interessen ist die Story wohl eher ein Witz: harmlos, vielleicht sogar langweilig.