Ein Asiate in den USA oder in Kanada zu sein ist etwas, worüber der durchschnittliche Amerikaner - oder Mitteleuropäer selten nachdenkt. Simu Liu, dessen Eltern kurz nach seiner Geburt erst nach Tempe/Arizona (Vater) und dann nach Kanada (Vater & Mutter) verschwanden, um in ihren Fachbereichen zu promovieren, ist in gewisser Weise ein Erst-UND ein Zweitgenerationsmugrant, weil er die ersten Jahre seines Lebens bei seinen Großeltern in Harbin in China aufwuchs, um dann mit fünf Jahren nach Kanada zu kommen, wo seine ihm fremd gewordenen Eltern Stellen in einem Luftfahrtunternehmen bekommen hatten.Wie viele asiatische Eltern - insbesondere solche, die durch die sozialen Umwälzungen des Bürgerkriegs, der Reformen und der Kulturrevolution gegangen sind - versuchten Simus Eltern ihn so gut wie möglich auf alle Eventualitäten vorzubereiten und begannen ihn praktisch mit der Landung in Kanada zu unterrichten und behielten den akademischen Druck beständig aufrecht, damit ihr Kind einen sicheren Job in der Wissenschaft oder im Finanzbereich bekommen kann. Frühe Hinweise, dass seine Talente eher woanders liegen könnten, wurden entschlossen ignoriert, bis Simu eine Anstellung bei Deloittle erhielt - die er aber nur neun Monate halten konnte. Dann - von seinen Eltern isoliert und hoch verschuldet - beginnt Simu seinen eigenen Weg zu gehen und wird schließlich Old Spice-Modell, taucht im Hintergrund einiger Musikvideos auf und hat mehr oder weniger großen Anteil an drei Fernsehserien - bis er schließlich einen Anruf von Kevin Fiege bekommt.Das Buch erzählt zunächst die Lebensgeschichte von Simus Eltern - eine Geschichte voller Arbeit, Gewissenhaftigkeit und Widerständen -, die wichtigen Kobtext für das gibt, was dann später zwischen Eltern und Sohn in Kanada geschieht - und die Familie beinahe zerbrechen lässt.Es ist auch eine Geschichte der Selbstfindung in Abgrenzung zu elterlichen Vorstellungen - aber auch als Asiate in zwei Ländern, die im Bezug auf die Akzeptanz asiatischer Menschen seit dem 19. Jahrhundert eine wenig ruhmreiche Geschichte geschrieben haben, die dann im Zweiten Weltkrieg (Internierung der japanischen Amerikaner), im Korea- und Vietnam-Krieg weitergetragen wurde, in der Angst vor den Asian Tigers in den diversen Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte und aktuell in einer Ablehnung alles Chinesischen wegen der Streitigkeiten im Südchinesischen Meer und die Behandlung asiatischer Menschen während der Corona-Krise, für die gerade in Amerikaner die Chinesen verantwortlich gemacht wurden. Die Anerkennung Menschen asiatischer Herkunft ist etwas, für das sich Simu Liu sehr engagiert.Hier und da - besonders bei der Darstwllung von Simus hoch- und spätpubertären Irrungen und Wirrungen - hat das Buch hier und da seine Längen, aber die Darstellung der zuvor genannte Aspekte, sowie die der Kanadischen und US-amerikanischen Filmindustrie, machen das mehr als wett.Dringende Lesempfehlung.