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Bewertungen & Erfahrungen
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2 Bewertungen
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Redaktion23.05.2026
testmonster.de · Redaktion
Das Buch hat ein beachtliches Gewicht in der Hand, was man beim Anschauen bemerkt. Die Papierqualität wirkt solide und der Druck ist gut lesbar. Die Bindung scheint stabil zu sein, was für ein älteres Exemplar wichtig ist.
Zu "Against the Day" von Thomas Pynchon habe ich eine etwas zwiespältiges Verhältnis. Der Roman ist eigentlich relativ zugänglich. Sprachlich definitiv leichter zu erschließen als Gravitys Rainbow, Mason & Dixon oder gar Lot 49. Und er ist vielleicht der lustigste Pynchon. Die Stelle, als Kit Traverse in Deutschland in die Psychiatrie eingewiesen wird und ein Mitinsasse überzeugt ist, ein „Jellydoughnut“ zu sein und deshalb immer wieder den Satz "ich bin ein Berliner" sagt, weshalb er als Schocktherapie in einer Bäckerei ausgelegt wird und natürlich sofort gekauft wird - nur einer von vielen gelungenen Kalauern.Und die einzelnen Charaktere und Handlungsstränge zwischen der 1893er Weltausstellung und dem Ersten Weltkrieg, von der Anarchistenfimilie Traverse und ihrem Kampf gegen die Eisenbahnbarone sowie deren jüngstem Spross, der von einem Unternehmer „adoptiert“ wird, über die Mathematiker rund um die mysteriöse Yashmeen Halfcourt bis hin natürlich zu den „Chums of Chance“ in ihrem fröhlichen Luftschiff, sind alle mindestens unterhaltsam.Hinzu kommen typische Pynchon-Zutaten. Eine Verschwörung gegen Teslas Technik, Strom drahtlos zu übertragen, was mit dem berühmten Tunguska-Ereignis verknüpft wird, eine pseudorelativistische Geographie der Raumzeit, die besonders den Handlungsstrang der Chums sich seltsam beugen und vervielfältigen lässt, woraufhin schließlich unklar ist ob wir uns am Ende noch in der gleichen (parallel) Welt befinden wie am Anfang des Buches, politische Kämpfe von unten betrachtet, zahlreiche Lieder und Doppelgängermotive.Aber: Das ist so viel diesmal. Das ist oft auch: so übertrieben heiter. Auch wenn die Handlungsstränge souverän geführt werden, Pynchon also auch diesen Roman wieder musikalisch-synfonisch komponiert - dieses Gefühl von Dichte wie etwa bei V oder Gravitys Rainbow will sich nicht einstellen. Against the Day ist... naja... fluffig. Das mag an der schieren Masse des Stoffes liegen, auch daran, dass man dem Werk anmerkt, dass es als Kür zu einem doch längst vergleichslosen Lebenswerk geschaffen wurde, zumindest: Das Prinzip Figuren eher wie Melodien durch ein Stück zu führen, als als solide Charaktere zu entwickeln, trägt dann vielleicht doch keine 1400 Seiten mit gleicher Wucht. Auch dieser Roman macht Spaß, auch dieser Roman ist an vielen Stellen wieder von unglaublicher sprachlicher Schönheit (denn das übersieht man im Falle des „Spielers“ Pynchon gern, dass er die meisten seiner konservativen Mitautoren ja auch noch im Bereich des konservativen Schreibens und Stimmungen Erzeugens aussticht, es geht, gerade in Against the Day, in der Masse des Stoffes unter), doch es ist nicht der Roman, das Meisterwerk Gravitys Rainbow noch zu übertreffen.Ach ja: Die neue Edition mit ihrer Minischrift ist eine Frechheit.
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Letzte Aktualisierung: 22.09.2026 18:14 Uhr.