Nicht zuletzt dank der politischen Doktrin der Zeit des Kalten Krieges gilt Jackson Pollock als einer der größten, wenn nicht sogar der größte US-amerikanische Maler des 20. Jahrhunderts und vermutlich auch darüber hinaus. Hierzulande ist er dennoch der breiten Masse eher weniger geläufig und wer daran etwas ändern möchte kann, darüber soll die 3-Sterne-Bewertung bitte nicht hinwegtäuschen, mit dieser Graphic Novel ratzfatz etwas ändern. Was nicht bedeutet, dass sie ein unvergleichliches Werk für die Ewigkeit wie Pollocks Gemälde darstellt.Die Rahmenhandlung bildet der Besuch des US-Kulturattachés Dan Adkins in Rom, wo er im Auftrag eines von Pollocks Gemälden für eine Ausstellung in den USA ausleihen soll. Beim Betrachten des Bildes denkt er zurück an seine Zeit als CIA-Agent, als es sein Auftrag war, den Maler im Auge zu behalten. Überraschenderweise war Kunst zur Zeit des Kalten Krieges ein echtes Politikum, denn auch wenn die Sowjetunion und ihre "Satellitenstaaten" gemeinhin als der Feind galten, gab es nicht wenige intellektuelle Strömungen, die sich in regem Austausch befanden und Gefahr liefen, das kommunistische bzw. sozialistische Gedankengut als stilprägend in sich aufzunehmen. Auch auf dieser Ebene war also eine starke westliche Kulturpräsenz unumgänglich und Jackson Pollock geriet mit seinem Stil, der Einflüsse des Kubismus mit indianischer Sandmalerei und vielen anderen Dingen vermischte, in den Fokus der US-Bemühungen. Wir erfahren natürlich auch einiges über sein Leben, seine Beziehungen und auch ansatzweise von den Depressionen, die ihn zunehmend begleiteten und in Alkoholismus mündeten.Ich mag biografisch Graphic Novels und habe schon einige wirklich gelungene Exemplare, von Johnny Cash bis Fidel Castro, gelesen. Die meisten davon hatten eine immense inhaltliche Qualität, aber eher pragmatische Zeichnungen. Hier ist es im Grunde genau anders herum, denn während die Bilder in Farbe und mit einem angenehmen modernen Stil aufwarten, wird die Geschichte Pollocks etwas lieblos präsentiert. Die kulturelle Dimension seines (gewollten) Schaffens, aber auch die persönlichen Schwierigkeiten des offensichtlichen Künstlergenies werden in der Tiefe leider nicht so ausgelotet, wie man es sich als "Unwissender" wünschen würde - und wenn ich ehrlich bin, kannte ich zwar vorher den Namen Pollocks, aber seine Bedeutung tangierte mich eher periphär. Die Graphic Novel kann einen Anreiz setzen, um sich selbständig weiter zu informieren, aber ein richtig gutes Werk würde das auf einem befriedigenden Level selbst in die Hand nehmen.Daher finde ich leider keine echten Argumente, mehr als eine durchschnittliche Sternzahl zu vergeben, auch wenn ich mir sehnlichst gewünscht hätte, nach dem Lesen des Buches mehr Interesse an Pollock und seiner beeindruckenden Kunst gewonnen zu haben.