Einführungen und allgemeine Überblicke bieten den doppelten Vorteil, sowohl den fachlich noch unerfahreneren Studenten jüngerer Semester einen allgemeinen Einblick in den Fachbereich zu vermitteln, als auch Interessierten anderer Fachbereiche einen ungefähren Überblick über den Inhalt der Disziplin durch kurze Darstellung von Thematik und Methoden zu vermitteln. Karl-Heinz Kohls Einführung in die Ethnologie leistet das bravurös.Das Buch gliedert sich thematisch in sechs Abschnitte: (1) "Die Ethnologie und ihr Gegenstand" stellt eine kurze Einführung in das eigentliche Thema dar. Verschiedene Probleme, wie beispielsweise Begriffsfindungsprozesse ("Wilde", "Primitive" oder "Naturvölker"?), werden in ihrer wissenschaftshistorischen Entwicklung gezeigt, die letztendlich in die Bildung einer akademischen Disziplin mündete. Abschnitt (2) versucht eine nähere Klassifizierung der Gesellschaften, mit denen sich die Ethnologie befasst und arbeitet die spezifischen Merkmale heraus: geringe demographische Größe, kulturelle und sprachliche Homogenität, die grundlegende Bedeutung der Verwandtschaft, die Verschränkung der Institutionen, die Einbettung des Politischen, Schriftlosigkeit sowie gering entwickelte Technik und subsistenzorientierte Wirtschaftsweise. Dabei finden weitere schematische Einteilungen und Erklärung grundsätzlicher ethnologischer Termini statt.Abschnitt (3) vermittelt einen kurzen Einblick in die Geschichte des Faches selbst. Welche Forschungsparadigmen gab es im Laufe seiner Entwicklungen, welches Erkenntnisinteresse war über die Zeit mit einer Beschäftigung mit dem Fremden verknüpft? Abschnitt (4) vermittelt einen kurzen Einblick in die Schwerpunkte und Probleme der für die Ethnologie so wesentlichen Feldforschung mit einem besonderen Augenmerk auf Malinowskis Konzept der "teilnehmenden Beobachtung", das durchaus kritisch diskutiert wird.Abschnitt (5) weist auf die Probleme der ethnologischen Arbeiten hin, die z.B. dadurch entstehen, dass bestimmte Formen eine Verselbstständigung erfahren, Arbeiten dann nach einem bestimmten Modell verfasst werden, was die Sicht auf bestimmte Eigenheiten verstellen kann (und die Werke gelegentlich auch wesentlich langweiliger macht, als sie es sein müssten). Abschnitt (6) schließlich behandelt etwas ausführlicher verschiedene ethnologische Theorien, wie Strukturalismus, Funktionalismus, Diffusionismus, Kulturrelativismus, Evolutionismus oder auch Kulturökologie. Die Theorien werden dabei in ihrer Entwicklung und im Rahmen der disziplinären Kontroversen dargestellt und dadurch von verschiedenen Seiten beleuchtet.Kohls "Einführung in die Ethnologie" ist uneingeschränkt empfehlenswert. Das Buch stellte nicht nur das wunderbare Beispiel einer wissenschaftlichen Arbeit dar, die zugleich informativ und unterhaltsam geschrieben ist. Der Autor versteht es außerdem meisterlich, komplexere thematische Sachverhalte allgemeinverständlich auszudrücken.