Das Dritte Reich und die Juden Bd2 Die Jahre der Vernichtung 1939-1945 - Saul Friedländer Leinen
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Das Dritte Reich und die Juden Bd2 Die Jahre der Vernichtung 1939-1945 - Saul Friedländer Leinen

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Produktbeschreibung

Die Jahre der Vernichtung 1939-1945 | Saul Friedländer | Buch | 869 S. | Deutsch | 2006 | Beck

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Redaktion 17.08.2026 testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist eine unglaublich wichtige und tiefgehende Darstellung der Jahre der Vernichtung und verdient es, gelesen zu werden. Die Recherche ist hervorragend und die Darstellung ist fesselnd.
Redaktion 17.08.2026 testmonster.de · Redaktion
Sehr gut!
GHFecht 08.08.2023 amazon.de
Als Junge in einem französischen Internat versteckt, überlebte und erlebte Saul Friedländer die schreckliche und immer noch unfassbare Zeit des Judenmords in Europa mit. Im Vorwort des vorliegenden zweiten Bands bekundet Friedländer seinen Wunsch, über die Zeit des NS-Gewaltregimes eine gründliche historische Abhandlung zu verfassen: Während er im Band 1 Die Jahre der Verfolgung 1933-1939" chronologisch die Phasen der stetig zunehmenden Bedrohung und Diskriminierung beschreibt, befasst er sich im zweiten Band mit der anfangs konfus rganisierten Tötung bis zum Aufbau der systematischen, industriellen Vernichtung des jüdischen Volkes.Friedländer unterteilt den zweiten Band in drei große Kapitel: Terror (Herbst 1939 - Sommer 1941); Massenmord (Sommer 1941 - Sommer 1942) und Shoa (Sommer 1942 - Frühjahr 1945). In chronologischer Folge verknüpft er die sogenannte Oral History" mit den allseits bekannten historischen Daten.Gleich einer großen Matrix werden die Tagebuchaufzeichnungen Ermordeter, Überlebender, Soldaten, Zivilisten, bekannter Persönlichkeiten und von NSVerbrechern zusammengetragen und in den Lauf der Geschichte eingeordnet. Dabei versteht es Friedländer, den Blick von einem Ort des Verbrechens zum anderen wandern zu lassen, was für die Leserinnen und Leser nicht verwirrend ist, sondern das ganze Ausmaß und Gefl echt des mörderischen Systems erkennbar werden lässt. Friedländer tritt dabei häufig als Autor zurück und lässt mittels Zitaten, nicht nur der Opfer, sondern auch der Täter, deren Namen den meisten bekannt sein werden, wie Himmler, Heydrich, Goebbels, Frank, Hitler, Eichmann u. v. a., Geschichte greifbar werden. Besonders eindringlich wird so die oben bereits erwähnte Frage der Vernichtung nachgezeichnet: Während am Anfang die Massendeportation nach Madagaskar diskutiert und bald zugunsten von Ghettoisierung und Massenerschießungen geändert wird, kommt die systematische Vernichtung, die Entscheidung zur sogenannte Endlösung" - nach Friedländer - wahrscheinlich erst im Spätherbst 1941 auf die Tagesordnung.Das Klima wurde allerdings durch die organisierte Hetzpropaganda und die straflose mörderische Freizügigkeit"in Form von willkürlichen Erschießungen und Pogromen ganz entscheidend mit bereitet. Wenn man von Ländern wie den Niederlanden und Dänemark absieht, so gab es in allen europäischen Ländern zahllose willige Helfer, die gezielt von SS-Schergen aufgehetzt wurden und teilweise in vorauseilendem Gehorsam über ihre jüdischen Mitbürger herfielen, wie es besonders in Lettland, Litauen, Ukraine, Kroatien und Rumänien der Fall war. Aber auch wenn die massenhafte Vernichtung im Osten erfolgte, entlässt Friedländer die westlichen Staaten unter NS-Verwaltung nicht aus ihrer Verantwortung, wenn beispielsweise die Vichy-Regierung ein Gesetz zur Enteignung jüdischen Besitzes erlässt, bevor es überhaupt von den Nazis befohlen wurde. Viele Menschen, ungeachtet ihrer sozialen Herkunft und Bildung, sahen ihren persönlichen Vorteil darin, wenn ein Konkurrent aus dem Wege geräumtwerden konnte und dienten sich deshalb der herrschenden Diktatur auf joviale Weise an.In vielen Gebieten Osteuropas begannen einheimische Banden bereits mit dem Morden, bevor die berüchtigten Einsatzgruppen die Koordinierung des Mordens abgeschlossen hatten. Einsprüche und Protest gegen die Diskriminierung und Ermordung der Juden regte sich nicht, wenn man einmal vom Streik niederländischer Arbeiter in Amsterdam und Umgebung im Jahre 1941 absieht. Schonungslos dokumentiert Friedländer auch die Taten von einigen wenigen Juden in den Ghettos, die durch Schmuggel und Profitmacherei reich wurden und inmitten des Elends eine neue Klasse" bildeten und mit Polen und Deutschen verkehrten, bei denen es sich häufig um ihre Geschäftspartner handelte."Die Polen, selbst von den Deutschen diskriminiert und misshandelt, taten sich keineswegs mit den verfolgten polnischen Juden zusammen, sondern denunzierten diese bei den zuständigen Behörden.Angesichts des tief verwurzelten Antisemitismus, der im Osten Europas sicherlich noch ausgeprägter war als im Westen, nimmt Friedländer besonders die Kirchen genauer unter die Lupe. Zu Recht, wenn man berücksichtigt, dass weder die protestantische noch die katholische Kirche zu irgendeinem Zeitpunkt gegen die Behandlung der jüdischen Mitbürger Protest einlegte. Ganz im Gegenteil äußerten führende Repräsentanten beider Kirchen ein gewisses Verständnis für die antijüdische Politik. Bischof von Galen aus Münster fand 1941 mutige Worte gegen das Euthanasie-Programm der Nazis, erwähnte - so Friedländer - jedoch selbst in privater Korrespondenz mit keinem Wort etwas über das Schicksal der Juden. Papst Pius XII. hüllte sich - unbedrängt von den Nazis - in hartnäckiges Schweigen, was nicht nur aus heutiger Sicht unverzeihlich ist.Lässt sich aus all dem nun folgern, dass auch Friedländer die Mentalität der Menschen Europas als entscheidende Triebfeder dieses dunkelsten Kapitels der Geschichte sieht? Legen nicht die Veröffentlichungen Goldhagens über die "willigen Helfer", Christopher Brownings über die "Entfesselung der Endlösung" und die erst kürzlich erschienene, viel beachtete Arbeit Götz Alys über Hitlers "Gefälligkeitsdiktatur" diesen Gedanken nahe? Wenn Friedländer auch nicht abstreiten würde, dass an diesen und anderen Thesen etwas dran ist, so sieht er die entscheidende Triebkraft des Bösen im ideologischen Fanatismus Adolf Hitlers und seiner Mordgesellen Goebbels und Himmler, die mit Wort und Tat das grausame Werk in Szene setzten, welches Hitler mit zunehmender Dauer des Krieges immer vehementer und bis zuletzt offen propagierte: "Der Jude wird ausgerottet" (Niedersächsische Tageszeitung vom 15. Februar 1942).Zutreffend ist demzufolge auch, dass nicht nur jeder Zeitung lesende Deutsche über die Ermordung der Juden Bescheid wissen konnte.Saul Friedländer beendet mit diesem zweiten Band sein Lebenswerk, eine Chronik der Vernichtung - eingebettet in den Ablauf der historischen Ereignisse und unter Einbezug vieler Tagebücher und Briefe - zu verfassen, in der einzelne Menschen, die zu Opfern wurden, und solche, die Täter waren oder mitwissend schwiegen, in die nüchterne wissenschaftliche Betrachtung integriert werden und damit auf die Leserinnen und Leser, die diese Zeit häufig aktiv gar nicht miterlebt haben und zum Holocaust bereits alles zu wissen meinen, einen tiefen, mit neuen Erkenntnissen versehenden Eindruck der Erschütterung und Fassungslosigkeit hinterlässt.
Yvonne de Andrés 08.08.2023 amazon.de
Gesamtdarstellungen zur Geschichte des Nationalsozialismus gibt es in deutscher Sprache schon einige. Keine jedoch ermöglicht dem Leser solche Einblicke wie das 2-bändige Werk von Saul Friedländer. Diese Geschichte des Nationalsozialismus rückt konsequent die Perspektive seiner jüdischen Opfer in den Mittelpunkt.Neben der Analyse der Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten, der Mithilfe breiter Teile der deutschen Bevölkerung, rückt Saul Friedländer vor allem das Schicksal und die Erfahrungen der Opfer des Nationalsozialismus vor das geistige Auge der Leserinnen. Darüber hinaus wird die Shoah auch durch die Augen der „Zuschauer“ geschildert, jener Menschen und Nationen, die zwar sahen was geschah, aus unterschiedlichen Gründen jedoch nicht eingriffen.Die Kritiken sind sich nicht einig darüber, ob Saul Friedländer wirklich gut daran tat, die Geschichte der Shoah bis hinein in Tagebuchaufzeichnungen und ähnliche Quellen zu verfolgen. Über große Strecken hinweg ist das zweibändige Werk sehr bewegend verfasst. Geschichtsschreibung soll jedoch eigentlich distanziert und analytisch vorgehen. Saul Friedländer hat sich dem aber ganz bewusst entzogen. In einem Interview mit der tageszeitung sagte er: „Historisierung tendiert zur Abstraktion. Dagegen wollte ich die Sichtweise der Opfer setzen.“Das Werk von Saul Friedländer ist jedoch nicht nur eine sehr bewegend geschriebene Gesamtdarstellung der Geschichte des Nationalsozialismus, der in Tel Aviv und Los Angeles lehrende Wissenschaftler ergreift auch Partei in einem bereits lange anhaltenden Streit zwischen Historikern. War die Absicht der Vernichtung der Juden tatsächlich das zentrale Anliegen des deutschen Nationalsozialismus? Oder konnte sie nur geschehen, weil mit dem Beginn des Krieges eine Barbarisierung der Deutschen um sich griff? Oder war sie gar nur möglich, weil die Deutschen ihre Opfer lediglich ausplündern wollten?Saul Friedländer weist beide angedeuteten Interpretationen der Geschichte des Nationalsozialismus entschieden zurück. Die Stufen des Vernichtungsprozesses, die Kennzeichnung der Juden, ihr Ausschluss aus Gesellschaft und Wirtschaftsleben, ihre Entrechtung, Enteignung, Deportation und schließlich Vernichtung, waren kein zufällig ablaufender Prozess. Die Vernichtung der Juden gehörte zum Konzept Adolf Hitlers und seiner Partei. Hitler und der harte Kern der NSDAP teilten einen „Erlösungsantisemitismus“. Sie waren von der Wahnidee besessen, Deutschland und die Welt durch die Vernichtung der Juden zu retten. Die Mehrheit der Deutschen folgte ihnen dabei und hat sich der deutlich ausgesprochenen Absicht der Vernichtung nicht in den Weg gestellt. Im Gegenteil, man half folgsam mit und lehnte sich nicht auf und man wusste viel mehr, als man im Nachhinein zugeben mochte.Obwohl das Buch rundherum lesenswert ist, ist nicht anzunehmen, dass es in der Bundesrepublik eine große Fangemeinde erreichen wird. Zu verschieden sind die dargestellten Ansichten von den Grundüberzeugungen der Menschen hierzulande. In der familiären Erzählung erhalten Kinder und Jugendliche von ihren Großeltern ein ganz anderes Bild. Opa und Oma waren selbst vor allem Opfer des Krieges und des Nationalsozialismus. Sie halfen bedrängten Menschen wo sie nur konnten und hatten für ihre Aufrichtigkeit oft viel Leid hinzunehmen. Von diesem Geschichtsbild findet sich bei Saul Friedländer nichts. Es ist ja auch rundherum falsch. Es könnte keine größere Entgegensetzung zum selbstexkulpatorischen Geschichtsbild der bundesrepublikanischen Gesellschaft geben als dieses neue wunderbare Buch von Saul Friedländer.Saul Friedländer sah sich beim Schreiben in der Pflicht, die Stimmen der Menschen zur Geltung kommen zu lassen, die gewöhnlich überhört werden. Dem zweiten Band der Geschichte hat er ein Zitat aus einem erhalten gebliebenen Bericht aus dem Ghetto in Warschau von Stefan Ernest vorangestellt. Er schrieb 1943: „Der Versuch, mein Leben zu retten, ist ohne Hoffnung … Aber das ist nicht wichtig. Denn ich kann meinen Bericht zu Ende bringen. Ich vertraue darauf, dass er das Licht des Tages sehen wird, wenn die Zeit gekommen ist. … Und die Menschen werden wissen, was geschehen ist. … Und sie werden fragen, ist das die Wahrheit? Ich antworte ihnen schon jetzt: Nein das ist nicht die Wahrheit. Es ist nur ein kleiner Teil, ein winziger Splitter der Wahrheit. … Selbst die mächtigste Feder kann nicht die ganze, die wirkliche, die unfassbare Wahrheit in Worte fassen.“Ein neues Standardwerk zur Geschichte des Nationalsozialismus. Hier wird von all den Dingen berichtet und kommen die Stimmen zu Wort, die im durchschnittlichen deutschen Familiengedächtnis nicht vorkommen.
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