Die Leinwand - Benjamin Stein Gebunden
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Die Leinwand - Benjamin Stein Gebunden

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Produktfakten auf einen Blick

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Produktbeschreibung

Die Leinwand | Roman | Benjamin Stein | Buch | 416 S. | Deutsch | 2010 | Beck | EAN 9783406598418

Bewertungen & Erfahrungen

4,0 von 5,0
5 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 17.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Die Leinwand ist ein sehr interessantes und atmosphärisches Spiegelkabinett, das sofort in eine Geschichte hineinzieht. Allerdings finde ich, dass die Details an einigen Stellen etwas weniger ausgeprägt sind.
Redaktion 17.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Interessant!
T. Jannusch 27.03.2024 amazon.de
Gibt es ein "Perpetuum Mobile"?In der Physik und Mechanik muss diese Frage bislang verneint werden. Ein Ding, das sich unausgesetzt um die eigene Achse bewegt, kann nicht sein, da sich immerzu die Frage nach dem Anfang, dem ersten Energiestoß, stellt - und die Bewegung somit nicht ewig sein könnte. Doch bislang hat noch niemand gewagt, sich diese Frage in Bezug auf literarische Werke zu stellen. Eine ungewöhnliche Fragestellung, sicher. Aber für mich ist dieser Ansatz die bislang einzige Möglichkeit, das Buch "Die Leinwand" von Benjamin Stein auch nur annähernd zu beschreiben, zu fassen, und ihm einen Rahmen zur Reflexion zu geben.Denn es geht hier, zunächst einmal abgesehen von der eigentlichen Handlung, um zwei Bücher, zwei Geschichten gleichzeitig, die an den gegenüberliegenden Enden des Buches beginnen, und in der Mitte aufeinander treffen. Man kann sich das nur schwer vorstellen, wenn man das Buch noch nie in der Hand hatte. In der Tat ist schon allein der physische Eindruck kurios. Der Geschichte um "Jan Wechsler" ist die Farbe Rot zugeordnet, sowohl oberer Seitenschnitt wie Vorsatzblatt sind auf dieser Seite Rot. Wenn man das Buch nun genau einmal dreht, sozusagen von hinten nach vorne beginnt, trifft man nicht etwa auf das Ende, sondern auf die Geschichte um "Amnon Zichroni", der die Farbe Blau zugehört. Auch sie beginnt, auf ihrer Seite der physischen Einheit "Buch", wie eine eigene Erzählung. Genau in der Mitte treffen beide Geschichten aufeinander, stehen sich auf den Kopf gestellt gegenüber. Somit hat das Buch keinen eindeutigen Anfang, und, wenn man es gelesen hat, auch kein Ende. Beide Erzählstränge enden mit der gleichen Episode, doch es bleibt für den Leser absolut unentscheidbar, wer nun "Recht" hat, oder was die "Wahrheit" ist. Ich sagte ja: ein "Perpetuum Mobile" auf literarische Art, das den Leser noch weit über die Lektüre hinaus zum Nachdenken geradezu zwingt.Genau in diesem Umstand liegt auch für mich der Wert dieses Buches, und alle weiteren Fragen, wie Inhalt, Stilmittel, und Erzählperspektive, sind dem untergeordnet. Insofern möchte ich diese auch nur kurz anreißen. Für mich ist das Buch, wie gesagt, in erster Linie ein formales und erzählerisches Experiment, und erst in zweiter Linie eine Geschichte - eigentlich ja zwei Geschichten.Wagen wir einen kleinen Überblick. Jan Wechsler und Amnon Zichroni sind beide Juden - Jan Wechsler ist Journalist und Verleger und lebt in München, Amnon Zichroni ist Psychoanalytiker und hat seinen zuletzt bekannten Wohnsitz in Israel. Jeder erzählt seine Lebensgeschichte aus seiner Sicht, wobei dem Leser spätestens beim Beginn der zweiten Geschichte vom anderen Ende her klar wird, dass sich ihre Lebenswege einmal gekreuzt haben müssen. Man kann das Buch natürlich auch "abwechselnd" lesen, von Rot nach Blau wechselnd, und dann macht man diese Entdeckung entsprechend früher.Ich finde die Namen sehr gut und vieldeutig gewählt. Denn, wie man im Laufe der Geschichte merkt, Jan Wechsler hat deutliche Erinnerungslücken, er hat offensichtlich einen dunklen Fleck in seiner Vergangenheit, den er zu ergründen versucht. "Wechsler" ist somit ein beziehungsreicher Name für ihn! Und "Amnon zichroni" hat es ebenso in sich; die Initialen machen es deutlich: A - Z. Zwar kenne ich mich im Hebräischen nicht so weit aus, dass ich die eigentliche Bedeutung des Namens erläutern könnte, doch schon allein die Initialen sind mir bedeutungsschwanger genug. Es geht um die Frage, was ein Leben "von A bis Z" eigentlich ausmacht. Was sind Erinnerungen, was ist Verantwortung. Somit ist auch dieser name, in Verbindung mit Jan Wechsler, gut gewählt.Es sei kurz erwähnt, was den eigentlichen Anstoß für die Handlung gibt. Jan Wechsler erhält eines Tages einen Koffer zugestellt, der ihm angeblich gehören soll. Doch darin sind lauter Gegenstände, die er noch nie gesehen hat. Durch das Misstrauen seiner Frau weiter unter Zugzwang gesetzt, versucht er, das Geheimnis des Koffers zu enträtseln. Und stößt dabei ganz zuletzt auf Amnon Zichroni, der sich als Schlüssel zum Ganzen erweisen wird - genauso wie Jan Wechsler der Schlüssel für die Erzählung von Amnon Zichroni ist...Nein, mehr erzähle ich nicht. Denn dann würde man jedem Leser das Vergnügen nehmen, das dieses Buch bietet. Jeder muss für sich entscheiden, wie er diese beiden Erzählungen bewertet, und wie er sie zueinander in Beziehung setzt. Eine "Lösung" an sich gibt es nicht, und ich denke, dies ist vom Autor auch gar nicht beabsichtigt. Er will Fragen stellen und zum Nachdenken anregen, und genau dies gelingt ihm hervorragend.Ich möchte noch einige Besonderheiten erwähnen, die sich als Würze des Buches erwiesen haben. Erstens hat mich fasziniert, wie sehr der Autor dem Leser die jüdische Lebensweise nahebringt, und zwar in beiden Geschichten. Jan Wechsler hat es als Jude in München nicht leicht. Jüdische Regeln und Traditionen sind komplex, und das ist nicht immer mit einer modernen Lebensweise vereinbar. Aber auch Amnon Zichroni ging es so. Er wurde zwar in eine recht orthodoxe Familie geboren, jedoch hatte er sich als Kind heimlich Zugang zu des Vaters verbotenem Bücherschrank verschafft, flog auf, und musste ins Exil geschickt werden. Sein Lebensweg führt ihn über Amerika und die Schweiz, bevor er wieder in Israel landet.Ferner ist das ganze Buch durchsetzt mit biblischer Symbolik. Amnon Zichroni macht als Kind die Entdeckung, dass er die Gedanken und Erinnerungen anderer Menschen "sehen" kann - und zwar, als er in einen Apfel beißt! Jan Wechsler wird hingegen, meiner Meinung nach, mit der Geschichte von Hiob in Bezug gesetzt. Ihm widerfahren schwere Schicksalsschläge, dennoch wird er gerade dadurch zu seinem Glauben zurückgeführt.Beide Erzähler lieben die Literatur und die Bücher, und diese Passagen gehören mit zu den schönsten des Buches. In beiden Lebensläufen gibt es Episoden des "Untertauchens", sowohl im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Denn das Untertauchen in einer "Mikwe", einer religiös als heilsam anerkannten Quelle, ist im Judentum eine alte Tradition. Und beide Erzähler müssen mehrfach fliehen, "Untertauchen", sei es vor Anderen oder vor sich selbst.Wenn ich noch mehr erzähle, zerrede ich das Buch, und das wäre schade. Ich möchte abschließend bemerken, dass es eine durch und durch lohnende Lese-Erfahrung war, die ich aber nur solchen Lesern ans Herz legen möchte, die die entsprechende Geduld und Ausdauer sowie Forschergeist mitbringen.
Milchbart 27.03.2024 amazon.de
Erst las ich den Romanteil Jan Wechsler - im ganzen, danach den Teil von Amnon Zichroni - und danach hätte ich noch mal gern mit dem Wechsler begonnen, doch die Geduld war mir ein wenig abhanden gekommen.Es ist sehr viel jüdisches Brauchtum zwischen dem Erzählten, beim Erzählten, beim Beschriebenen. Das zeigt schon das Glossar als Anhang bei beiden Geschichten. Für mich ein wenig zu viel, weil mir alles sehr fremd ist und ich frage mich: Warum, wieso?Gut, die Mikwe-Erklärung ist nötig und zentral, aber warum sonst so viel Details? Um zu zeigen, wie gläubig und orthodox Zichroni lebt und Wechsler Nr. 2 nun auch? Wechsler und Zichroni verschmelzen zu einer Figur und dann doch wieder nicht.Die Erinnerung spielt beiden Protagonisten übel mit, dem einen, weil sie ihm abhanden gekommen ist, dem zweiten, weil er sich in die Erinnerung anderer "einklinken" kann. Das ist Steins Thema: wie funktioniert Erinnerung, was spiegelt sie wieder, lässt sie sich genau so andersrum lesen? Was sortiert sie aus, was fügt sie hinzu? Wie verhalten sich Wahrheit und Erinnerung?Ist Erinnerung eine Art Fluch, entzweit sie Menschen oder erst das Hinterfragen der Erinnerung?Wie verhält es sich mit Literatur und Erinnerung?Es gibt viele aufgeworfene Fragen und die Antworten bleiben aus.Das Buch regt zum Nachdenken an und führt den Leser manchmal im Kreis herum.Die Idee mit dem "drehbaren" Buch ist gelungen und passend fürs Thema. Wie immer auch die Geschichte gedreht und gewendet wird, es bleiben offene Fragen - wohl Absicht.
ger 27.03.2024 amazon.de
Nachdem dieses Buch offenbar nur gelobt wird, auch einmal ein paar andere Gedanken (das Buch selbst ist ja ein Plädoyer dafür, alles von verschiedenen Seiten zu betrachten!!).Eine Geschichte aus zwei oder mehreren Erzählperspektiven zu erzählen, ist nichts Neues. Diese Perspektiven auch äußerlich zu trennen, indem man das Buch von vorne oder von hinten lesen kann, mag vielleicht neu sein, ist aber letztlich nur ein formaler Gag.Die Geschichten der Protagonisten haben unterschiedliche Qualität: der Plot von Jan Wechsler ist bei weitem spannender und bunter als der seines Gegenübers, bei dem man schon manchmal eine Eselsgeduld braucht, um die oft seitenlangen Beschreibungen jüdischer Sitten und Gebräuche durchzustehen (sofern das nicht etwas ist, was einen interessiert). Unverständlich für mich, weil vieles davon für die Geschichte nicht zwingend notwendig ist. Warum das so viel Platz mehr einnimmt, als etwa Minskys traumatische Kindheitserlebnisse (ob erfunden oder nicht, die hätten mich interessiert!) ist mir ein Rätsel.Ein Rätsel bleibt auch das Ende, aber das ist bei modernen Romanen auch keine Seltenheit. Manchmal passt so ein offenes Ende, manchmal aber hat man das schale Gefühl, vom Autor im Stich gelassen worden zu sein. Das berühmte "offene Ende" wird eben auch als literarisches Deckmäntelchen benutzt, wenn es der Autor selber nicht mehr schafft, die vielen losen Enden zu einem vernünftigen Ganzen zusammenzufügen. Ob im vorliegenden Fall ein solcher "literarischer Notausgang" vorliegt, muss wohl jeder Leser für sich entscheiden.Fazit: Wenn man ein Faible für jüdische Bräuche und jüdisches Leben hat, kann man sich dieses Buch sicher zulegen. Alle anderen werden aber durchbeißen müssen, um am Ende mit einem Rucksack voller Fragen und ohne Antworten belohnt zu werden. Nicht jedermanns Sache, meine auch nicht.
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