CH Geschichte Europas   Grenzerfahrung und monarchische Ordnung - Bernd Schneidmüller Taschenbuch
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CH Geschichte Europas Grenzerfahrung und monarchische Ordnung - Bernd Schneidmüller Taschenbuch

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Grenzerfahrung und monarchische Ordnung | Europa 1200 - 1500 | Bernd Schneidmüller | Taschenbuch

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Estragon 23.05.2023 amazon.de
Bernd Schneidmüller (*1954) lehrt mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg. Zu seinen zentralen Forschungsgebieten zählen die Nationenbildung in Europa sowie die Entwicklung sozialer und politischer Identitäten. Diese Forschungsinteressen prägen auch in dem vorliegenden Band den Zugriff auf das Thema.Das Europa des ›Spätmittelalters‹ – die Problematik dieser Begriffsbildung wird in einem eigenständigen Kapitel ausführlich und sehr instruktiv diskutiert – wird vom Autor in drei Teilen dargestellt: Einer kurzen ›Zeitaufnahme‹ der Ausgangssituation um 1200, einer ausführlichen Darstellung der ›Geschichte in Europa 1200-1500‹ sowie einer abschließenden Standortbestimmung der Situation im Europa um 1500. Der zweite Teil macht mit fast zwei Dritteln des Textes den Löwenanteil aus. Er ist vom Autor wiederum anhand unterschiedlicher ›Blickachsen‹ und ›Knoten‹ organisiert.Schneidmüller bemüht sich um eine dezentrierende Perspektive, und das aus guten sachlichen Gründen. Europa ist keine immer schon existente Einheit. Vielmehr bilden sich unterschiedliche Verständnisse von Europa erst heraus. Es gibt zudem kein Europa, das sich ganz aus sich selbst heraus verstehen und festigen würde. Entscheidend sind Beziehungen, die über Europa hinausreichen. Für die Geschichte des Spätmittelalters sieht Schneidmüller »die beständige Verknüpfung Europas mit Asien« (S. 77) als entscheidend für die Herausbildung eines europäischen Selbstverständnisses an. Zentrale Ereignisse, die Europa vom 13. bis zum 15. Jahrhundert erschütterten, seien jeweils vom Osten ausgegangen: Die Mongoleninvasion im 13. Jhd., die Pestkatastrophe im 14. Jhd. und die osmanische Eroberung Konstantinopels im 15. Jhd.Parallel dazu und teilweise in Verbindung damit zeichnet Schneidmüller die Auseinandersetzungen um die ›politische Deutungsmacht‹ in Europa nach: das Ringen zwischen Papst und Kaiser, die Etablierung eigenständiger Monarchien in Westeuropa, die Herausbildung unterschiedlicher ›Grundmuster monarchischer Ordnung‹ sowie schließlich das Scheitern des Konziliarismus im 15. Jhd., was auch als Versäumnis einer umfassenden Kirchenreform zu deuten sei. Natürlich wendet sich der Autor auch einzelnen Herrschern (Kaiser, Könige, Päpste) zu, denn in ihren Hände konzentrierte sich zuweilen die politische Macht. Nichtsdestoweniger ist Schneidmüllers Darstellung meilenweit entfernt von der heroisierenden Geschichtsschreibung alten Stils.Anhand der Blickachsen organisiert Schneidmüller elegant sein Material, wobei er – wie es inzwischen üblich ist – struktur- und mentalitätsgeschichtliche Aspekte zwanglos miteinander verknüpft. Sehr instruktiv ist der relativ kurze, aber sehr gehaltvolle Abschnitt über die ›Inszenierungen von Gemeinschaft im 14. Jahrhundert‹. Hier schöpft Schneidmüller aus dem Vollen seines eigenen Forschungsschwerpunkts.Das Buch besticht durch seinen innovativen Zugriff, der mit einem dezentrierten Geschichtskonzept ernst macht. Vorausgesetzte quasi-metaphysische Einheiten wie Nationen, Europa oder das Abendland können vor dem Blick des Historikers nicht länger bestehen. Alles ist geworden und miteinander verwoben. Darüber hinaus überzeugt die Übersichtlichkeit der Darstellung, ohne dass diese mit fahrlässigen Reduktionen erkauft würde. Schneidmüller verwendet einen angenehmen Stil, der den interessierten Laien auch nicht mit übermäßiger Fachterminologie behelligt. Der Band wird abgerundet durch eine Zeitleiste sowie eine knapp gehaltene kommentierte Literaturliste (für weiter führende Literaturhinweise ist dankenswerterweise eine URL angegeben).Fazit: Sehr zu empfehlen!
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