Kurt Drawert - GEBRAUCHT Schreiben Vom Leben der Texte - Preis vom 02062023 050629 h
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Produktfakten auf einen Blick

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Produktbeschreibung

Schreiben. Vom Leben der Texte | Kurt Drawert | Buch | 288 S. | Deutsch | 2012 | Beck

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 2 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Waise 17.08.2023 amazon.de
Lange, verzweifelte Darlegungen des Autors über das Schreiben
Skriptor 17.08.2023 amazon.de
Vorweg gilt es zu sagen: ich mag und schätze die Gedichte von Kurt Drawert. Allerdings war ich schon vor Jahren in einem Sammelband seiner Gedichte auf metareflexive Texte von Drawert gestoßen, die ich so abturnend verquast, arrogant-elitär und gleichzeitig dünn in ihrer Substanz fand, dass ich das von mir damals zeitgleich gekaufte Buch „Schreiben. Vom Leben der Texte“ erst einmal jahrelang liegenließ. Nun habe ich es hervorgeholt und zu größeren Teilen gelesen und, um mein Fazit gleich zu formulieren: Ich finde, dieses Buch braucht man nicht. Die Mühen der Lektüre stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zu irgendeinem inhaltlichen Mehrwert. Natürlich ist Drawert ein Formulierungsmeister. Er verfügt über einen sehr großen Wortschatz und kann seine Gedanken scheinbar mühelos in abstrakten Zuspitzungsströmen Richtung Leser fließen lassen. Immer mal wieder kann man dabei auch interessante und in jedem Fall eigenwillige Erkenntnisse gewinnen. Allerdings denn doch nicht übermäßig viele, jedenfalls nicht im Verhältnis zur unschönen Kompliziertheit der Sprache, die Drawert unablässig genüsslich in Szene setzt. Drawert bedient sich all der Mittel, die geeignet sind, um Rede maximal unverständlich zu machen: beliebige Anhäufungen von Abstrakta; Verbindung von Worten, deren Zusammenhang weitgehend ungeklärt bleibt; unpersönliche Passivkosntruktionen, Fehlen von konkreten Beispielen, (ein im 21. Jahrhundert lächerlicher) pluralis majestatis statt eines klaren Ichs undundund. Da beginnt dann z.B. ein neues Unterkapitel (6.3.) so: „Die Durchmischung von Intentionen mit den Gesetzmäßigkeiten eines Systems, das ihnen vorgelagert ist, sorgt für Verfälschungen und lässt aus einer Absicht eine andere werden“ An diesem Satz ist bewundernswert wenig klar: Um was für Intentionen soll es gehen, welche Gesetzmäßigkeiten welcher „vorgelagerten“ Systeme sind gemeint; was sollen überhaupt „vorgelagerte“ Systeme sein; inwiefern kann all dies aus einer Absicht (welche doch gleich?) irgendeine andere machen (und was für eine?)? Der Wirkungsvorteil einer solchen Sprache ist: sie klingt philosophisch gelehrt bis einschüchternd. Der spezielle Vorteil für Drawert ist: solche Sätze sind in ihren Aussagemöglichkeiten so stark biegbar, dass man alles und nichts hineininterpretieren kann, was dem Autor auf nahezu jede Kritik hin die Möglichkeit böte zu sagen: „ich habe es anders gemeint.“ Und damit landet man bei einer anderen kardinalen Untugend von Drawerts Theoriegetöse: es kommt so apodiktisch daher, als verkündete ein Gott den niederen Menschen die ultimative Wahrheit. Dazu passt, dass Drawart seine ‚Argumente‘ systematisch gegen rationale Kritik immunisiert, sowohl mittels der logischen Vagheit seiner Ausführungen wie auch mittels des vorherrschenden Konkretheitsmangels. Drawert doziert aus seinem Elfenbeiturmsessel über die Welt und die Dinge; und wenn er mal näher an die Niederungen des Empirischen kommt, greift er nicht zu selten daneben, besonders, wenn er, was er gerne tut, seine Thesen zu Psychologie und Psychiatrie verkündet, die ungefähr auf dem Stand des frühen Freud und der Psychiatrie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kleben geblieben sind. Oder aber einfach aus der Luft gegriffen: „…und es ist auch erwiesen [so Drawert auf Seite 100], dass zu den konstitutionellen Basisfaktoren einer schizophrene Psychose erhöhte Empfindsamkeit und Intelligenz gehören“ – eine Aussage, für die Drawert zum einen noch nicht mal versuchsweise einen Beleg anführt und die zum anderen auch einfach empirisch grottefalsch ist. – Drawert liebt Freud (den frühen, dessen Thesen Freud selbst später deutlich verändert hat) und er liebt Lacan, einen anderen Meister spektakulärer Verunklarung. Man kann das tun: Schön wäre es allerdings, dann etwas Eigenes, was möglichst knackig ist und für irgendwen auch mehrwertstiftend sein könnte, daraus zu machen. Dies tut Drawert wenig. Dafür wimmelt es in seinem Buch von impliziten, und zum Teil auch ganz expliziten kruden Dichotomisierungen: Da wird nicht nur mit größter Beharrlichkeit das „ordnend“ Männliche dem ordnungsübersteigenden Weiblichen entgegengesetzt, da wird etwa auch das Internet, zumindest mal für alle denkbaren Zwecke des Künstlerischen, generell verteufelt, so als müsste Drawert auch noch mit solchen Thesen dokumentieren, dass er geistig irgendwo im Gestern steckengeblieben ist. Drawert ist literarisch (nicht psychologisch und philosophisch!) hoch gebildet und sensitiv. Daran ist kein Zweifel. Und er ist schlau und eloquent. Und genau dies möchte er seinen Lesern auch auf jeder der knapp 300 Seiten seines Buches ultimativ beweisen. Der Beweis ist irgendwie geglückt. Das Buch würde ich mir trotzdem nicht nochmal kaufen. Nicht, weil es ein wenig narzisstisch wäre, sondern einfach, weil es letztlich langweilig bleibt.
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