Eine inhaltlich wie drucktechnisch äußerst glückliche Ausgabe, welche wesentlich ausführlicher die Spicilegia abdruckt, als es in Hübschers Gesamtausgabe des "Handschriftlichen Nachlasses" der Fall war. Der potentielle Käufer bedenke dabei, daß es sich wirklich um Notizen handelt, selbige also nicht den gleichen Schliff aufweisen (können), wie die hundertfach polierten, veröffentlichten Schriften des Alten. Der vorliegende Band gewährt hingegen einen unschätzbar tiefen Blick in Schopenhauers Denk- und Schreibprozeß (!) als solchen. – Selten gelungen übrigens die Einleitung sowie das hier sehr treffend als solches betitelte Geleitwort, welche beiden sich auf Fakten beschränken und gottlob auf die leider in den Geisteswissenschaften so gewöhnlich gewordenen Spekulationen verzichten.Geradezu lachhaft ist die negative Bewertung und Beschwerde des vorhergehenden Rezensenten, daß man ja Fremdsprachen beherrschen müsse, um die fremdsprachigen Zitate zu verstehen. Was kommt als nächstes, daß man lesen können müsse, um sich ein Buch einzuverleiben? Fi donc! – Aber im Ernst und notwendigerweise trivial gesprochen: Fremdsprachige Zitate werden selbstverständlich dann verwendet, wenn sie den Sachverhalt treffender, kürzer und eleganter ausdrücken, als es das Deutsche vermag; denn jede Sprache hat ihrer Natur gemäß Grenzen. Hingegen versuchsweise die eigene Unfähigkeit zu verhehlen, indem man die Last der (meist weit schwächeren) Übersetzung auf Verfasser oder Herausgeber schiebt mit der soeben widerlegten Anschuldigung, nämliche wollten sich doch nur profilieren – ein solch gravierender Mangel an Selbstreflexion trägt wahrlich etwas Komödiantisches an sich, und wird endlich unverzeihlich, wenn, wie hier, die gewissenhafte Arbeit verständiger Menschen dadurch in Mißkredit gebracht wird. – Denen, deren Altgriechisch etwa (wie meines) bei weitem kein gutes ist, sei als Hinweis beigegeben, daß die Übersetzungs-App einer großen amerikanischen Suchmaschine mittlerweile auch Text von Bildern erkennen kann, was einem fallweise das mühsame Abtippen erspart. Im Übrigen fügt Schopenhauer selbst, zumindest in seinen zu Lebzeiten publizierten Werken, den wichtigen altgriechischen Zitaten fast immer wenigstens eine lateinische Übersetzung hinzu. Wer nicht einmal gewillt oder bemüht ist, diese zu entschlüsseln, dem bleibt zu recht das innre Heiligtum verschlossen.
Ich liebe Schopenhauer.....ABER......warum müssen Verleger immer wieder diese Werke für einen "Normalbürger" unverständlich gestalten?Kann jeder etwa griechisch oder latein,spanisch und französisch zugleich? Vieles bleibt hier verborgen. Den Auftrag den Menschen zur Erkenntnis zu führen, wird hier kläglich vertan.Wenn Sie also nicht hochgebildet sind, dann ist dieses Werk eher nicht zu empfehlen, weil sie das Gefühl haben werden außen vor gelassen zu sein. Was wollen sie damit erreichen?