Zu einer Zeit, da so mancher Tagesschreiber tumbe Bücher für das deutsche Volk kritzelt, um es, nach und nach, seiner eigenen wie er meint höhern Kultur teilhaftig zu machen, muß ein Schriftsteller wie Albrecht Schöne, dem man Genie und Talent nicht absprechen kann, allerdings Aufmerksamkeit erregen. Jeder Schriftsteller schildert sich einigermaßen in seinen Werken, auch wider Willen, selbst; der gegenwärtige bringt uns, vorsätzlich, inneres und äußeres, Denkweise, Gemütsbewegungen, mit freundlichem Wohlwollen dar, und verschmäht nicht, seine Leser durch beigefügte Noten über Zustände, Gesinnungen und Absichten des Briefschreibers, also meiner Person, vertraulich aufzuklären.Der Vf. hat neun meiner Briefe mit so viel Neigung, Fleiß, Geschmack und Zartheit zusammengebracht und behandelt, daß ich hoffen darf, meine Landsleute mögen dieser liebevollen Mühe mit gutem Willen, Teilnahme und Mitgenuß danken.Was man entschieden zu Lob und Ehren dieser Auswahl sagen kann, ist, daß die Teile derselben durchaus mannichfaltig charakteristisch sind. Jene neun Briefe aus fast siebenzig Jahren meines Lebens, von 1764 bis 1832, wenige Tage vor meinem Tode, sind sämtlich dem Sinne, der Erfindung, dem Ton, der Art und Weise nach dergestalt von einander unterschieden, daß man keinen dem andern vollkommen gleichstellen kann. Schon als 14-jähriger Geck wußte ich meine Worte gewandt zu setzen, Geschicklichkeit wuchs sich aus zu temperamentvoller Galanterie, zu der sich alsbald wissenschaftlicher Eifer und im mittleren Alter Mitgefühl und Seelentiefe gesellten. Im letzten Brief, an meinen gelehrten Freund Wilhelm von Humboldt, taste ich mich gar vor zu den Geheimnissen des Lebens.Die lebhafte Sensation und die vielen Lobesworte, welche dieses Werk Professor Schönes in Journalen und Zeitungen seit seinem Erscheinen im Maerz d. J. erregte, sind zwar noch nicht verklungen, doch möchte es nicht unangemessen sein, noch ein weiteres beizufügen.Es gibt nämlich zweierlei Arten über mich zu schreiben, eine für die Wissenden, die andere für die Nicht-Wissenden. Bei der ersten setzt man voraus, daß dem Leser das Einzelne meiner Taten und Werke bis zum Überdruß bekannt sei. Man denkt nur darauf, den Leser auf eine geistreiche Weise, durch Zusammenstellungen und Andeutungen, an das zu erinnern, was er schon weiß, und ihm für das zerstreut Bekannte eine große Einheit der Ansicht zu überliefern oder einzuprägen. Die andere Art ist die, wo der Vf. bei der Absicht eine Persönlichkeit wie mich vorzustellen, auch das Einzelne unnachläßlich zu überliefern verpflichtet ist.Denn unsere Zeit ist so reich an Ablenkungen, daß die Jugend und das mittlere Alter, für die man doch eigentlich Bücher schreibt, kaum einen Begriff hat von dem, was vor zweihundert Jahren eigentlich dagewesen ist. Alles was sich also in eines Menschen Leben dorther schreibt oder dorthin bezieht, muß aufs neue gegeben werden. Dazu rechnen wir auch die Wirkung großer Weltbegebenheiten auf ein so empfängliches Gemüt wie das meinige. Vieler äußerer Mittel bedarf es somit, um aus jenem Stoff einen würdigen Körper zu bilden.Gegenwärtig hat der Vf. eine glückliche Mitte gefunden, nicht zuviel und nicht zu wenig gesagt. Er hat uns dargestellt als den Freund eines seelisch Bedürftigen, als treuen Ehemann, der sein geliebtes Eheweib gegen Tratsch und Hähme verteidigt, uns als politischen Schachspieler gezeichnet, und in uns schließlich einen lebevollen Mann vorgefunden, der sich endlich nicht nur von seinem Freunde, sondern vom Leben verabschiedet.Zum Lobe gereichen dem Vf. ebenfalls seine Sprache und der Rhythmus seiner Composition. Auch in seinen gelehrten Excursen am Ende hat er seine Meisterschaft aufs höchste bewährt, womit er in summa seiner Nation eine große Wohltat erzeiget hat.Mich zugleich fernerem geneigten Andenken empfehlend.Goethe