Aus "The Euro and the Battle of Ideas" der Princeton University Press macht der Verlag C.H.Beck "EURO - Der Kampf der Wirtschaftskulturen". Im Buch geht es hauptsächlich um Deutschland und Frankreich und deren unterschiedliche währungspolitische Ansätze und im Zweifel gegensätzliche Präferenzen. Während Deutschland in der konsequenten Einhaltung vereinbarter Regeln das Fundament für nachhaltiges Wirtschaften sieht, hat für Frankreich die flexible Lösung des jeweils anstehenden Problems Priorität.Interessant und für mich überraschend war die Erkenntnis, dass es sich bis Mitte des 20. Jahrhunderts genau andersherum verhalten hatte. In Deutschland hatte sich der Staat übermäßig verschuldet und die Wirtschaft streng reguliert, um Kriege vorzubereiten und sie zu führen. Anschließend entledigte man sich der Staatsschulden durch Inflation und Währungsreform. Frankreich betrieb eine vergleichsweise liberale Wirtschafts- und solide Staatsausgabenpolitik, allerdings mit dem Ergebnis, dass die Rüstung zu kurz kam und das Land 1940 dem deutschen Angriff wenig entgegenzusetzen hatte. Nach dem Scheitern der beiden vorherigen Ansätze übernahmen beide Länder den dem bisherigen Konzept entgegengesetzten Ansatz: Deutschland wurde wirtschaftsliberal und regelfest, Frankreich staatswirtschaftlich und interventionistisch. Aus diesem Paradigmenwechsel zwischen Frankreich und Deutschland leiten die Autoren die Hoffnung ab, dass die heutigen, gegensätzlich erscheinenden Wirtschaftsphilosophien und daraus folgenden Problemlösungsansätze doch nicht unüberbrückbar sein und zu einer gemeinsamen Währungskonzeption des Euro konvergieren mögen.Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, wie sehr den Autoren, die sich bestens in der Dynamik der Finanzkrisen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auskennen, ein Begriff von Wirtschaftskultur im Sinne einer jahrhundertelangen Prägung fehlt. Den hätten sie von Werner Abelshauser beziehen können, der jedoch leider nicht das Privileg genießt, vom volkswirtschaftlichen Jetset rezipiert oder gar ernst genommen zu werden. Hätten sie einen solchen Begriff der über Jahrhunderte gewachsenen Wirtschaftskultur, der überraschend und unvermittelt in dem deutschen Buchtitel anklingt, in ihre Überlegungen einbezogen, dann hätten sie wohl feststellen müssen, dass es sich bei den vermeintlich dicken Brettern, die zu bohren sind, damit die Währungsunion richtig funktioniert, nicht um Bretter, sondern um Grundmauern handelt, die zu bohren ein vergebliches Unterfangen sein könnte. Dass sie einen solchen Begriff der Wirtschaftskultur ignoriert haben, könnte allerdings auch an dem Bestreben gelegen haben, die daraus resultierenden Schlussfolgerungen um des politisch gewünschten Ergebnisses willen, den Euro als zukunftsfähig darzustellen, bewusst zu vermeiden.