Insekten sind bereits ein Lebensmittel, das weltweit von 3 Mrd. Menschen verzehrt wird. Für die Zukunft wird ihnen noch eine größere Rolle zur Sicherung der weltweiten Ernährung des Menschen und auch von Nutztieren zugedacht. Der Ernährungswissenschaftler und Veterinärmediziner Florian J. Schweigert liefert in seinem Buch „Insekten essen – Gebrauchsanweisung für eine Nahrungsmittel der Zukunft“ einen Überblick.Fazit:Das Buch ist neben Vorwort, Einleitung und Schlusswort in 11 Unterkapitel gegliedert. Diese gehen von Themen wie „Insekten und ihr Wert für Natur und Mensch“ (S. 16ff), „Die Welt ernähren – eine der größten Herausforderungen der Zukunft“ (S. 32ff) über „Die drei großen Pluspunkte er Entomophagie“ (S. 93ff), „Insektenzucht – Der Markt von morgen?“ (S. 114ff) bis zu „Risiken des Verzehrs von Insekten“ (S. 130ff) und „Die eigene Mehlwurmzucht“ (S. 135ff) in überschaubarem Umfang auf die wichtigsten Aspekte zum Thema des Buches ein. Die Angaben sind sauber recherchiert und mit einem Quellenverzeichnis belegt. Viele der Quellen dürften dem interessierten Leser auch zur weiteren Recherche oder Information nützlich sein. Der Autor illustriert den Inhalt auch immer wieder mit persönlichen Anekdoten aus seiner Erfahrung in Ländern und Kulturen vor allem Südostasiens, wo der selbst die ein oder andere Geschmacksprobe machen konnte. Auch sonst fließen immer einmal wieder anekdotenhafte Beiträge ein und auch einmal ein persönliches Statement, zum Beispiel zum Thema des Irrsinns der Lebensmittelverschwendung (S. 106). Das Buch ist mit insgesamt 159 Seiten wirklich sehr gut geeignet, um schnell und in diesem Verhältnis relativ umfassend in das Thema Insekten als Nahrungs- und Futtermittel einzusteigen. Dem Buch ist in diesem Sinne eine hohe Verbreitung zu wünschen, damit diese alternative Form der Nahrungsquelle vor allem in der westlichen Welt mehr Aufmerksamkeit erhält.Diese Stellen im Buch sind mir aufgefallen:S. 24: Insekten können auch Arzneimittel liefern. So konnte in Laborversuchen ein Molekül isoliert werden, dass MRSA-Keime abtöten konnte oder auch E. coli.S. 34ff: In Deutschland verbrauchen Haustiere etwa 10% der für die Futtermittelproduktion genutzten Agrarfläche. Ein Hund mittlerer Größte isst im Jahr 164 kg Fleisch und 95 kg Getreide. Dazu sind 0,84 ha Landwirtschaftsfläche notwendig. In der Schweiz machen Haustiere ca. 1% der gesamten Emissionen des Konsums aus.S. 49: 2111 essbare Insektenarten sind dokumentiert. Davon 31% Käfer, 17% Raupen, 15% Ameisen, Bienen und Wespen. 13% Heuschrecken und 11% Wanzen. Der Rest sind Libellen, Termiten, Fliegen, Schaben, Spinnen und andere Arten.S. 51: Die meisten befinden sich in Zentralamerika (Mexiko), Zentral- und Vorderasien sowie Südostasien.S. 59: Die Menge Insekten, die alle insektenfressenden Vogelarten im Jahr essen im Jahr 400 Mio. Tonnen Insekten, was mehr ist als die 360 Mio. Tonnen Fleisch, die die Menschheit jährlich konsumiert.S. 64: Die Assoziationen mit Insekten sind je nach Kultur sehr unterschiedlich: In Thailand stehen Geschmack und Zubereitungsart an erster Stelle, in den Niederlanden Nachhaltigkeit. Die Art der Insekten ebenfalls: in Thailand sind Ameisenlarven, Heuschrecken und Wasserkäfer beliebt, während die sonst in Südostasien geschätzten Mopane-Raupen oder Wichetty-Maden weniger beliebt sind. Niederländern kommen Mehlwürmer als erstes in den Sinn, die in Asien kaum eine Rolle spielen.S. 77: Ohne Schädlingsbekämpfung könnten in Mexiko pro Jahr ca. 300 kg Heuschrecken pro ha „geerntet“ werden. Insgesamt bezogen auf die Anbaufläche 350.000 Tonnen.S. 96: Protein-, Fett- und Energiegehalt von Insekten: Die Wüstenheuschrecke hat mit 76%TM den höchsten Proteingehalt. Die Große Wachsmotte mit bis zu 58%TM den höchsten Fettgehalt und damit auch den höchsten Energiegehalt (650 kcal/100 g).S. 99: Insekten enthalten die Mineralstoffe Eisen, Zink, Magnesium, Natrium, Kalzium und Kalium in nennenswerter Menge in Bezug auf die tägliche Zufuhrempfehlung.S. 103: Insektenfressende Tiere besitzen das Enzym Chitinase, dass den aus dem für Menschen unverdaulichen Stoff Chitin, aus dem die Insektenhülle besteht, verdauen kann. Im Menschen sind Spuren der Gene für Chitinase-Varianten zu finden und auch eine funktionstüchtige. Generell gilt, das die Ausprägung des Enzyms bei allen Arten umso stärker auftritt, je mehr Insekten in der Nahrung vorkommen.S. 105: Die Umwandlungseffizienz von Futtermittel in essbare Fleischanteile liegt bei Grillen mit 80% sehr hoch im Vergleich zu 55% bei Geflügel und Schwein oder 40% bei Rindern.S. 106f: Durch Lebensmittelverluste entlang der Wertschöpfungskette gehen 1,3 Mrd. Tonnen Lebensmittel pro Jahr verloren. Das bedeutet die unnötige Landnutzung von 198 Mio. ha und 173 Mrd. Kubikmeter Wasser. Insekten könnte Abfälle verwerten uns erzeugen ein Kilogramm Protein mit 1 L Wasserverbrauch. Bei Rind sind es 22 L, bei Schwein 3,5 und bei Huhn 2,3 L.S. 111: Insekten weisen pro kg Protein eine deutlich bessere Bilanz für Landnutzung und Treibhausgase auf als Rindfleisch. Mit Bezug auf Milch, Geflügel und Schwein fällt der Vorteil kleiner aus. Der Energiebedarf für eine industrielle Produktion ist jedoch sehr hoch trägt zur Treibhausgasentwicklung bei, solange die Energie fossil bereitgestellt wird.S. 124: Die Produktion von Insekten als Futtermittel wurde 2018 durch den Alltech Global Feed Survey auf 1,1 Mrd. Tonnen geschätzt.S. 126: Die Soldatenfliege eignet sich aufgrund ihres Anteils von 44%TM Eiweiß und 40%TM Fett sehr gut als Futtermittel.S. 134: Durch so genanntes „Gut Loading“ kann Geschmack und Aroma des Insektenfleisches beeinflusst werden, wenn bspw. Kräuter oder Gemüse verfüttert werden. Ebenso kann der Nährstoffgehalt optimiert werden.
Die Asiaten tun es, die Afrikaner und die Lateinamerikaner - sie alle schätzen Insekten als billiges Nahrungsmittel, nur wir Europäer grausen uns davor. Das hat kulturelle und historische Gründe aber bei genauer Betrachtung ist eine Schweine- oder Rinderleiche viel grauslicher, von einem gerupften, kopflosen Huhn ganz zu schweigen. Dabei haben Insekten viele Vorteile: sie sind ein ökologisches Nahrungsmittel, das in Massen zur Verfügung steht. Sie werden sowieso nach kurzer Zeit gefressen und sind für eine kurze Lebenszeit geschaffen. Es macht also kein Unterschied, ob Vögel oder Menschen sie fressen. Wenn die Heuschreckenschwärme die Sahelzone heimsuchen, dann werden sie von den Afrikanern sofort gefangen und gebraten, das ist die beste Notwehr, bevor sie die ganze Ernte fressen. Sie sind in der Nährstoffzusammensetzung dem roten Fleisch überlegen, schmecken nussig und knackig und können so zubereitet werden, dass sie durchaus gustiös ausschauen. Wer Tintenfische und Shrimps ist, muss sich vielleicht am Anfang auch daran gewöhnen, und trotzdem schwören viele Gourmets auf Meeresfrüchte. Langusten und Heuschrecken sind Verwandte und ähnlich aufgebaut. In armen Ländern sind Insekten eines der billigsten Nahrungsmittel, denn man braucht keine komplizierte Aufzucht dafür. Ameisenbären und Gorillas lieben Termiten, also warum nicht auch wir? Schimpansen haben sogar eigene Werkzeuge, um Ameisen zu angeln, es scheint ihnen also wichtig zu sein.Florian Schweigert hat ein sehr informatives und sachliches Buch geschrieben, gefüllt mit allen Fakten, die man wissen muss, um die Scheu vor Insekten zu verlieren.Dr. Rüdiger Opelt, Autor von "2100. Die neue Welt. So retten wir die Zukunft"