Also habe ich doch Recht, wenn word mich immer anmeckert, weil ich mal wieder als Adjektiv „luxemburger“ schreibe und nicht „luxemburgischer“. Als linguistischer Laie ist man fasziniert von der gelebten Sprachenvielfalt in dem kleinen Großherzogtum. Die Saarländer bringen es zwar auch fertig, in der gesprochenen Sprache innerhalb eines Satzes von Deutsch auf Französisch und wieder zurück zu wechseln, aber in Luxemburg ist das alles noch um ein paar Sprachen reicher und doch auch kategorisierter.Hier gibt es gleich drei Amtssprachen: Letzeburgisch, Französisch und Deutsch. In der gesprochenen Realität kommen aber mindestens noch die Weltsprache hinzu, die von den Mitarbeitern der EU-Behörden, der internationalen Konzernen, aber vielfach auch der Universität benutzt wird, sowie Portugiesisch der vielen Arbeiter. Im Sprachengesetz von 1984 sind aber nur die drei Amtssprachen geregelt: Luxemburgisch ist als Nationalsprache unabdingbar, wenn man die Staatsbürgerschaft erwerben will. Französisch ist die verbindliche Gesetzessprache. Für Deutsch hingegen gibt es in Luxemburg keine gesetzlich definierten Schutzräume, außer dass es als dritte Amtssprache anerkannt ist und im Verkehr mit Behörden „nach Möglichkeit“ zu berücksichtigen ist. Tatsächlich sind die kommunalen "Agenten" dreisprachig.Deutsch ist also in Luxemburg tendenziell rückläufig. Das war nicht immer so; lange Zeit war Deutsch die dominierende Sprache, insbes. nach dem Beitritt Luxemburgs zum Deutschen Zollverein 1842. Durch den Ersten Weltkrieg, aber spätestens mit der Annexion durch die Nazis 1940 änderte sich die hiesige Sicht auf den großen Nachbarn und heute strömen neben vielen Deutschen täglich auch 150ts "Frontaliers" aus Belgien und Frankreich zur Arbeit nach Luxemburg, die (fast) alle Französisch sprechen. Auch Letzeburgisch erfährt eine Legitimierung, seitdem Linguisten der luxemburger Universität festgestellt haben, dass es sich dabei halt doch nicht nur um einen moselfränkischen Dialekt des Deutschen, sondern um eine eigene Sprachentität handelt. Natürlich gibt es dazu auch ein eigenes Wörterbuch. Trotzdem hat Deutsch in Luxemburg noch seine Reservate, wo es bevorzugt wird. Das sind die Bereiche Presse/Medien sowie das Schulwesen, zumindest in den unteren "Zyklen". In den MINT-Fächern weiterführender Schulen hat man aber wie in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens zunehmend das Problem, geeignete, deutschsprachige Lehrkräfte zu rekrutieren.Wenn der Duden sich nach der Schweiz und Österreich aufmacht, auch in Luxemburg das Standarddeutsch zu katalogisieren, dann ergibt sich zunächst die Frage, was man als Standard definiert. Der Autor Heinz Sieburg, ein deutscher Germanistik-Professor an der luxemburger Universität in Esch-s.-A., hat dazu luxemburger Tageszeitungen und Journale ausgewertet und nur solche Begriffe in den 1300 Stichworte umfassenden Katalog übernommen, die mehrfach auftauchten. Dadurch werden Sprachschöpfungen ausselektiert, die nur singulär bei einzelnen Autoren auftauchen. Es fallen aber auch Worte weg, die es als nur gesprochene Sprache nicht in die Pressesprache schaffen, wie zum Beispiel das Verb "fumieren" für rauchen im Angebot „Fum‘ste eng met?“ − „Rauchst Du eine mit?“.Es würde zu weit führen, hier eine schier endlose Beispielreihe von Worten aufzuführen, die es im deutschländischen Deutsch nicht gibt (z. Bsp. der erwähnte Frontalier, Homologe, Kirchenfabrik, Gemeindemutter oder Majorzsystem) oder hier eine gravierend andere Bedeutung haben (z. Bsp. der auch schon erwähnte Zyklus oder Autotest oder dezent). Es gibt solche regionalen Abweichungen freilich auch im benachbarten Deutschland, in der Eifel und im Rheinland, z. Bsp. holen anstelle bringen oder die Jeep statt der Jeep. Auf jeden Fall hat die Lektüre − im Gegensatz zum deutschen Rechtschreib-Duden − einen hohen Unterhaltungswert! Zu jedem Stichwort finden sich Angaben zur Bedeutung und Verwendung sowie Beispielzitate aus der Presse. Es fehlen auch nicht Verweise auf das ostbelgische, das schweizer oder österreichische Deutsch.