Wer etwas über die Welt lernen will, sollte Schmitt lesen. Geschichte, Theologie und Recht kommen da zusammen und er zeigt, wie die Moderne Welt so geworden ist, wie sie ist.
Es ist ein ungeheurer Anspruch, der in dieser 1922 erschienen Schrift des noch recht jungen Professors für Staatsrecht zum Ausdruck gebracht wird: "Alle prägnanten Begriffe der modernen Staatslehre sind säkularisierte theologische Begriffe" (43), behauptet er. Das Recht ist für Carl Schmitt mehr als nur Gesetze und Paragrafen, das Recht ist für ihn zentrale Grundlage alles menschlichen Zusammenlebens, Denkens und Handelns. Wohl die bekannteste Sentenz von Schmitt ist seiner "Politische[n] Theologie" leitmotivisch vorangestellt: "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet." (13) Hiervon ausgehend, lotet Schmitt das Verhältnis von Staat, Recht und Regierenden aus, Gedanken, die heute so aktuell sind wie lange nicht mehr.Wer schafft Recht, wer bestimmt Recht, wer oder was ist diese säkulare Gottesinstanz, welche Recht auf Erden setzen kann? Carl Schmitt sieht die Quelle des Rechts in der Person des Souveräns, der Ort der letzten Entscheidung: "Darin liegt das Wesen der staatlichen Souveränität, die also richtigerweise nicht als Zwangs- oder Herrschaftsmonopol, sondern als Entscheidungsmonopol juristisch zu definieren ist [...]. Hier sondert sich die Entscheidung von der Rechtsnorm, und (um es paradox zu formulieren) die Autorität beweist, daß sie, um Recht zu schaffen, nicht Recht zu haben braucht." (19) Klassischer kann der Grundgedanke des Dezisionismus nicht auf den Punkt bringen. Die Entscheidung steht im Zentrum des politischen Handelns, und wer die Entscheidung treffen kann, schafft Recht, da er die Macht hat. Macht zur Entscheidung als Wert an sich, als Rechtfertigung der Herrschaft – kühler, ungeschminkter, ehrlicher ist Herrschaft und Politik seit Thomas Hobbes nicht mehr ausformuliert werden. "Autoritas, non veritas facit legem" (39). Diesen Satz aus dem Leviathan borgt sich Carl Schmitt, um die historische Kontinuität seines Denkens zu untermauern.Fazit: Lange Zeit galt das gesamte Denken Carl Schmitts als kontaminiert. Er lieferte 1933 die juristische Begründung für das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten, welche das Prinzip der Gewaltenteilung abschaffte, und der Niederschlagung des angeblichen Röhm-Putsches 1934 sekundierte der mit dem berühmt-berüchtigten Aufsatz "Der Führer schützt das Recht". 1936 jedoch wurde er von der Partei wegen "Opportunismus" und "fehlender nationalsozialistischer Gesinnung" verstoßen. Heute wird er zwar immer noch von vielen kritisch gesehen, aber auch als das anerkannt, was er ist, ein "Klassiker des politischen Denkens" (Herfried Münkler). Sein Stil bleibt einzigartig und sein Denken von ungebrochener Aktualität!