Leider wird die Spannung immer wieder raus genommen, aber es hat sich gelohnt, dranzubleiben. Ich hätte mir noch mehr Details insbesondere zur Inquisition gewünscht, aber die Gedanken des "Meisters" zum Sinn des Lebens bzw Tod waren mir so wertvoll, dass ich sie zum erneuten Nachdenken angemarkert und gekennzeichnet habe. Grandios und alleine dafür hat sich das Lesen mehr als gelohnt.Wunderbar empfand ich ebenfalls die Ausführungen zu den Katharern und Slawen /Kreuzrittern im Osten
Es müssen schon viele unwahrscheinliche, sehr konstruierte Zusammentreffen erfunden werden: einige, um den Plot voranzubringen (in der Wirtstube, mitten im Gedränge, während der Wanderung … ), andere aber leider, um ideologisch „vereinfacht“ über Papst und Kaiser, Arme und Reiche, Bankiers und Bettler, europäische Geschichte und Philosophie zu belehren.Nicht sehr überzeugend: Der Verfasser legt seine eigenen, Ansichten über ein trostloses Christentum („Theologie des Todes“) dem armen mittelalterlichen Novizen als dessen Gedanken ins Hirn, statt sie ehrlicher Weise als eigene moderne Zweifel auszugeben. Die These, dass die sogenannten Häretiker (Beginen, Katharer …) die guten Christen gewesen seien und die Papstkirche die schlechten Christen vertrete, diese These kann man aufstellen und mit dem Zeitgeist schwimmen. Man muss aber nicht, es ginge auch mit etwas weniger Schwarz-Weiß-Malerei.Nicht besonders gelungen: Es wird dem friedfertigen deutschen Dominikanermönch Meister Eckhard ein Zitat von Luther in den Mund gelegt. Auch „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ als Zitat, dem Papst in den Mund gelegt, passt nicht. Irritierend: Exkurse über Tinte und Wachs fallen völlig aus der Handlung heraus und lenken ab, sie dienen also nicht dem Fortgang, dem Verständnis der Handlung, sondern wollen nur das Wissen des Autors zeigen.Nicht sehr komfortabel: das Fehlen von Gänsefüßchen bei wörtlicher Rede, vor allem bei Dialogen. Das wirkt zwar modern (Zeitgeist!), stört aber bei einem sprachlich konventionell geschriebenem Roman. Und bitte vermeiden - in Interviews und anderswo - den Vergleich mit Umberto Eco. Da sind Welten dazwischen, auch sprachlich.So meckert also der alte Historiker: besseres Schulbuchwissen im Gewand eines Krimis recht lehrerhaft vorgetragen: „Denk doch nach!“ wird immer wieder „motivierend“ eingebaut.Für historisch Interessierte handelt es sich allerdings sicher um flotte, spanende Unterhaltung, durchaus mit Substanz, was jetzt auf keinen Fall abwertend oder herablassend gemeint sein soll. Das Buch soll ja schließlich nicht nur von neunmalklugen Historikern, sondern von einem breiten Publikum gelesen werden.Zuletzt ein kleiner Hinweis: Rasierklingen gab es zu jener Zeit noch nicht, Rasiermesser hingegen, wie einige Seiten später das gleiche Instrument genannt wird, schon. Sorry, aber da legt DIESER Leser Wert darauf.