Fremdes Land ist nach Sturm Über New Orleans erst mein zweiter Roman von JLB. Während in Sturm Über New Orleans an jeder möglichen Stelle Kritik geübt wird an der damaligen US-amerikanische Führung aufgrund ihres gewollten Versagens beim Wirbelsturm Katherina, greift Fremdes Land einen Teil us-amerikanischen Mythologie auf.So werden Bonnie und Clyde immer wieder aus verschiedensten sozialen, politischen und kulturellen Blickwinkeln thematisiert. Weldon Holland hat die beiden noch als junger Mann erlebt und öffnet sich seitdem differenzierter Sozialkritik.Die Hexenjagd auf vermeintliche Sozialisten oder Kommunisten (JLB beschreibt dabei keine Differenzierung) wird beschrieben und Amerikas Pendant zu NS-Konzentrationslagern, die Fänge der Psychiatrie mit Lobotomie-Versuchen, Elektroschocks und Medikamentenversuchen werden diesen gegenübergestellt. Weldon riskiert sein Leben, um seine jüdische Frau, die als Sozialistin oder Kommunistin diffamiert wird, aus den Klauen des Psychiatrie-Systems zu retten.Im Gegensatz zu den wunderbaren Hollywood-Bildern der 50er Jahre beschreibt JLB die Umweltschäden, die der Ölboom der USA im eigenen Land angerichtet hat.Fremdes Land zeigen Weldon und im 2. Teil des Romans immer mehr Linda Gail im Kampf gegen die Systeme Ölindustrie oder Hollywood angehen. Bei jedem Bemühen bewahren sich die Helden aber ihren Edelmut. Oder ihren persönlichen Mut bis zum Totschlag oder Selbstmord.Letztendlich ist aber außer den Figuren von Roy und Linda Gail keine andere in ihrem Weg bis zur letzten Konsequenz zu Ende beschrieben worden.Viele Situationen des Romans klingen an Franz Kafka mit einem gewaltigen Teil britisch-amerikanischer Literaturgeschichte an. Andere Teile üben offen Sozialkritik, vieles bleibt aber auch Bonanza.(Übrigens. Die mythologischen Aspekte in seinem Roman hat JLB mit Vom Winde Verweht verglichen. Nicht mit Bonanza. Mit Bonanza vergleiche ich den permanenten, nicht glaubwürdigen Edelmut.)
Wie die Klassiker der amerikanischen LiteraturWeldon Holland ist ein junger Amerikaner und zugleich der Protagonist in James Lee Burkes „Fremdes Land“. Burke nimmt den Leser mit nach Texas des Jahres 1934.Monotonie begleitet Weldons Leben im ländlichen Texas. Der zweite Weltkrieg kommt wie gerufen und dort kann Weldon zum Held aufsteigen. Er befreit Rosita, eine Jüdin aus Deutschland, reist später zurück nach Amerika und heiratet sie. Das Ölgeschäft boomt und gemeinsam mit seinem alten Kriegskamerad Herschel steigt er dort ein. Doch der Erfolg bringt auch Neider.Burke schreibt bildgewaltig und atmosphärisch. Alles wirkt sehr lebendig. Die Hauptfiguren werden sehr eindrucksvoll herausgearbeitet. Keins seiner Wörter ist zu viel. Und genau das macht den Roman zu einem wunderbaren Meisterwerk. Der Autor Burke verknüpft Gut gegen Böse mit den Themen rund um das Gangsterpaar Bonnie & Clyde, dem zweiten Weltkrieg und dem Ölboom.FazitBildgewaltig. Wie die großen Klassiker der amerikanischen Literatur. Lesen!
Mit seinem neuesten Roman über den Holland-Clan „Fremdes Land“ hat James Lee Burke ein texanisches Epos geschrieben, in dessen Zentrum ein Mann mit reinem Herzen steht, Weldon Avery Holland. Es ist gleichzeitig aber auch ein Aspekt der Burkeschen Familiengeschichte, die er hier verarbeitet, denn gewidmet ist dieses Buch Weldon Benbow „Buddy“ Mallette, Burkes Cousin, dessen Lebensgeschichte die Inspiration für die Hauptfigur lieferte, wie der Autor in einem Interview bemerkte.Es ist die Zeit der Weltwirtschaftskrise, und Weldon Avery Holland lebt mit seiner mental instabilen Mutter bei seinem Großvater, einem harten Knochen und früheren Texas Ranger, der für die Verhaftung des Outlaws John Wesley Hardin verantwortlich zeichnet. Der Landstrich wird zwar immer wieder von Sandstürmen heimgesucht wird, aber sie haben ihr Auskommen. Für den Heranwachsenden verlaufen die Tage monoton, die Perspektiven sind rar. Das tägliche Einerlei wird lediglich einmal durch einen Zwischenstopp des Gangsterpärchens Bonnie Elizabeth Parker und Clyde Chestnut Barrow unterbrochen. Die pubertären Schwärmereien und die Faszination des Jungen für die Gangsterbraut Bonnie werden ihn über die Jahre begleiten.Zehn Jahre später, nach einem Studienabschluss an der Texas A&M, ist Weldon auf Seiten der Amerikaner an der Ardennenoffensive beteiligt, und seine Erlebnisse während dieser Zeit festigen seinen Begriff von Moral und Ehre. Er rettet seinen verschütteten Kameraden Hershel Pine und macht sich mit diesem auf den Weg, heraus aus den feindlichen Linien der Deutschen. In einem verlassenen Konzentrationslager der Nationalsozialisten retten sie aus den Leichenbergen die einzige Überlebende, Rosita Lowenstein, eine junge Sozialistin jüdischen Glaubens, die daraufhin mit ihnen weiterzieht. Noch ahnt Weldon Holland nicht, welchen Einfluss Hershel und Rosita auf sein weiteres Leben haben werden: Rosita wird seine Ehefrau und Hershel sein Geschäftspartner. Zurück in Texas besorgen sich die beiden das nötige Startkapital für ihre neu gegründete Firma und steigen in das boomende Ölgeschäft ein. Aber die alteingesessenen Ölbarone mögen es so gar nicht, wenn Neulinge ihre Pfade kreuzen, und dazu kommen auch immer wieder Rückschläge und falsche Entscheidungen, die die junge Firma in finanzielle Schwierigkeiten und Abhängigkeiten von dubiosen Geldgebern bringen. Nicht zu vergessen die privaten Probleme Hershels, dessen Gattin Linda Gail, ein Mädchen vom Lande mit hochfliegenden Ambitionen, rücksichtslos ihre eigenen Pläne verfolgt. Weldons Feinde wissen genau um seine Schwachstellen, und so gerät auch noch Rosita aufgrund ihres politischen Hintergrunds in das Visier der Kommunistenjäger. Und dennoch, zu keinem Zeitpunkt stellt er seine persönliche Moral in Frage…„Fremdes Land“ ist der erste Roman Burkes, der mich mit zwiespältigen Gefühlen zurücklässt. Natürlich ist es wieder eine Geschichte von Gut und Böse, aber diesmal hat der Autor meiner Meinung nach eindeutig zu dick aufgetragen. Wenn er Rositas Schenkel als „lange goldene Karpfen“ beschreibt und den Liebesakt mit einem Sonett von Petrarca vergleicht, stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Er zitiert Shakespeare, bezieht sich auf Homer, das Rolandslied und Chaucers „Canterbury Tales“. Und das alles nur um aufzuzeigen, dass sich der Gute gegen das Böse behaupten muss, um die Menschen zu schützen, die ihm etwas bedeuten.Aber glücklicherweise spielt Burke in „Fremdes Land“ auch seine Stärken aus, wenn er die historischen Fakten des texanischen Ölbooms in seine Story einarbeitet. Diese Beschreibungen sind ausgesprochen bildhaft und lebendig, fangen die Stimmung und das Wesentliche dieser Periode ein und erwecken mit ihren detailreichen Zeichnungen diese besondere Zeit des Aufbruchs zum Leben. Natürlich passen auch die stimmungsvollen Landschaftsbeschreibungen und die bis ins Letzte stimmigen Charakterisierungen der Hauptfiguren perfekt zu der Story, ganz gleich, ob liebenswert und sympathisch oder nicht. Und das versöhnt am Ende dann doch noch, auch wenn mich die beiden Vorgänger des Holland-Zyklus, „Regengötter“ und „Glut und Asche“, weitaus mehr überzeugen konnten.