Das Buch zeigt die lebendige Kraft des philosophischen Nachdenkens, die mitten ins Zentrum unseres heutigen Lebens trifft. Es enthält die 1955 gehaltene Rede Heideggers in Meßkirch sowie zwei erhellende Aufsätze über Heidegger von Denker und Zaborowski.Was geht uns Menschen an wesentlichem Welt- und Selbstverständnis verloren im Zeitalter der Herrschaft des rationalen, rechnenden, planenden und kalkulierenden Verstandes? Wie verändert sich unser Wesen, wenn wir uns der Macht der Technik, Wissenschaft und Ökonomie beugen müssen? Wir spüren bei allen Fortschritten doch das Ungenügen, dass wesentliche Fragen unseres Lebens auf der Strecke bleiben und gerade darum geht es dem Philosophen Heidegger. In sokratischer Manier (darauf weist Zaborowski hin) will er die Vor-Urteile durchbrechen, die das durchrationalisierte Leben des Menschen heute bestimmen. Er nennt es die Gedankenlosigkeit, die ein unheimlicher, weil bequemer Gast sei. Sein Denken ist der Versuch eine andere, neue Nähe zu den Dingen zu denken.Philosophisches Denken zielt auf das, was jeden von uns unmittelbar und unablässig in seinem Wesen angeht. Heidegger nennt es das besinnliche Nachdenken, das die Aufgabe hat, über den Sinn nachzudenken, den ein von Technik und Wirtschaft beherrschtes Leben noch haben kann. Dieser Sinn kann nur in einer neuen Bodenständigkeit des Menschen liegen. Zaborowski zeigt, dass dies keine falsch verstandene Verklärung des Ländlichen und Provinziellen bedeutet. Ein bodenständiges Leben ist eines, dass sich im Hier und Heute vollzieht, zwischen Himmel und Erde, Herkunft und Zukunft. Heideggers Frage lautet also, wie der Mensch heute in unserer technischen und durchrationalisierten Zeit offen bleiben kann für die Fragen nach dem Sinn, seinen Wurzeln, dem Wozu seines Tuns und dem, was ihn letztlich trägt - kurz: wie ein Leben im Hier und Heute gelingen kann.Denn wozu leben wir denn? Einen Sinn in dem Ganzen können wir nur dann schöpfen, wenn wir dem rationalen Denken und der Herrschaft der Technik etwas entgegenzusetzen haben, wenn wir uns distanzieren können. Dies gelingt nur, wenn wir die Gelassenheit haben, die technischen Dingen zwar zu handhaben, aber sie zugleich sein lassen als etwas, was uns im Innersten nicht betrifft.Diese Gelassenheit gelingt nur dann, wenn wir uns dem Geheimnis des Lebens stellen. Die Gelassenheit zu den Dingen und die Offenheit zum Geheimnis gehören zusammen. Auch hier macht Zaborowski deutlich, dass mit "Geheimnis" nichts okkultes oder irrationales gemeint ist. Im offenen und unsicheren Fragen nach den Wurzeln unseres Daseins kommen wir als endliche Wesen nun einmal an Grenzen. Die Offenheit zum Geheimnis unseres Lebens bringt uns zu einem ganz anderen In-der-Welt-sein. Hier ist die Welt noch voller Wunder, bezaubernd und anmutig, gespendet und nicht reduziert auf das, was der Mensch mit ihr macht.Denker betont in seinem Aufsatz, dass Heidegger sich immer beschäftigt hat mit der Haltung des Menschen zur Transzendenz. Das Transzendente entzieht sich freilich dem menschlichen Wissen und öffnet sich nur in der Gnade. Gerade der moderne Willen zur Macht und die moderne Technik als deren Mittel verweist aber diesen Gnadencharakter des Lebens in die Welt des Mythos. Wenn das Leben von der Geburt bis zum Tode nur in rationaler Optimierung besteht, dann droht alle Transzendenz und jede Frage nach dem Geheimnis des Lebens verloren zu gehen.Zaborowski stellt in seinem Aufsatz die Frage: wozu Heidegger heute noch lesen? Hier verweist er darauf, dass gerade der späte Heidegger in der sokratischen Tradition des Nichtwissens steht. Wir können uns heute sehr gut auf ein von Heidegger angestoßenes gelassenes Denken einlassen. Denn er will mit seinem Denken nichts beweisen, sondern allein uns auf das Naheliegende stoßen und es fraglich werden lassen. Auch dieser gelassene und staunende Bezug auf das Heute erinnert an Sokrates.Heimat ist Grundbedingung menschlichen Lebens. Die Offenheit des Geheimnisses und die Gelassenheit sind Wegweiser, in unserer Zeit eine neue Heimat zu gewinnen. Was im Geheimnis erfahren werden kann, ist nicht das völlig Unbekannte, sondern das Vertraute, Heimatliche. Die Offenheit für das Geheimnis verweist auf jenes Offensein für das, was einem immer schon vertraut gewesen ist. Denker verweist hier auf die Symbolik des Kirchturms und des Feldweges. Wir leben in Arbeit und Gemeinschaft, stehen aber sogleich auch im Wunder unseres Lebens. Erst hier erfährt der Mensch sich heimisch in einem Leben zwischen Himmel und Erde.
Heidegger zu lesen ist höchst schwierig.Nicht aber in diesem Buch!Hier spricht er so klar und deutlich, daß jeder ihn verstehen kann.Das Büchlein ist also ideal für Leser, die einen Einblick in die Ideenwelt des „letzten Philosophen“ suchen, bisher aber wegen seines „unmöglichen" Stils nicht fanden.