Bücher zu statistischen Fehlschlüssen oder Denkfallen gibt es inzwischen zuhauf. "Der Hund, der Eier legt" von Hans-Hermann Dubben und Hans-Peter Beck-Bornholdt fügt sich zunächst in diesen Reigen ein und zeigt insbesondere Denkfehler und Tricks im Zusammenhang mit Zufallsprozessen auf. Was jedoch den besonderen Reiz dieses Buches ausmacht und es von anderen unterscheidet, ist der Brückenschlag zum Wissenschaftsbetrieb und das Aufzeigen von Fehlschlüssen und handfesten Betrügereien auf "höherer" und folgenreicherer Ebene, vor allem in der bio-medizinischen Forschung. Es liest sich fast wie ein Wissenschaftskrimi, wenn die Autoren (beide Dozenten am Hamburger Universitätsklinikum) aufzeigen, wie zweifelhafte Forschungsergebnisse produziert werden, ihren Weg über angesehene Fachzeitschriften in medizinische Lehrbücher finden und schliesslich über Jahre hinaus die therapeutische Praxis beeinflussen, z.B. bei der Krebsbehandlung. Das Auslassen oder Hinzufügen von Daten, selektive Publikation ("Signifikanzenfischen") oder falsche Interpretation medizinisch-statistischer Tests scheinen verbreitet zu sein - und das in einer Fachrichtung, in der viele Absolventen ihren Titel immer noch monstranzgleich vor sich her tragen. Die Forderung der Autoren nach einer a-priori-Registrierung medizinischer Studien scheint vor diesem Hintergrund nur zu gerechtfertigt.Wer in irgendeiner Form mit der Analyse von Zufallsdaten zu tun hat, dürfte von diesem Buch besonders profitieren. Denn unerklärlicherweise deklinieren die meisten Lehrbücher das Procedere für Test- und Schätzverfahren lediglich durch. Selten nur gehen sie darauf ein, was ein Signifikanzniveau eigentlich bedeutet und, vielleicht sogar noch wichtiger, was es n i c h t bedeutet, denn mit kaum einem Begriff wird dermassen Schindluder getrieben. Hier leisten die Autoren hervorragende Aufklärungsarbeit. Gleiches gilt für die Ausführungen zum Zusammenhang zwischen Korrelation und Kausalität - die 15 Seiten zu diesem Thema sind gestochen scharf geschrieben. Dabei werden auch en passant ein paar altbekannte Schulweisheiten als Mythen entlarvt, wie etwa dass Linkshänder oder Rotweintrinker eine höhere Lebenserwartung hätten. In diesem Zusammenhang ist vielleicht eine Warnung angebracht: Viele populärwissenschaftliche Mathematikbücher werben damit, sie seien ohne mathematisches Vorwissen lesbar. Hier sind Zweifel erlaubt. Wer beispielsweise die Berechnungen zum notwendigen Stichprobenumfang oder den Zusammenhang zwischen dem Fehler 1. Art und 2. Art verstehen möchte, sollte zumindest solide mathematische Grundkenntnisse mitbringen, nebst der Bereitschaft das Hirn ordentlich rauchen zu lassen.Keine Frage, was Dubben und Beck-Bornholdt auf gut 300 Seiten niedergeschrieben haben, ist grosses Wissenschaftstennis, und es ist Aufklärungsarbeit im besten Sinne. Dabei dürfte dieses Buch noch eins aufzeigen: Wissenschaftliches Arbeiten ist Schuften im Steinbruch - weniger spontane Heureka-Erlebnisse Einzelner, sondern vor allem Schweiss treibendes und Zeit raubendes Gewinnen und Interpretieren von Messdaten bringen neue Erkenntnisse. "Der Hund, der Eier legt" zeigt damit, was es für gute wissenschaftliche Arbeit vor allem bedarf: Erstens sauber formulierte Hypothesen, zweitens zähe und ehrliche Analysearbeit und drittens: Zahlen, bitte!
Das Buch ist gut geschrieben, solange die Autoren sich auf ihrem Fachbereich befinden. Die Kapitel über den Klimawandel der klein geredet wird und prognostizierte sinkende Meeresspiegel sind schon sehr reißerisch. Vorallem beim sinkenden Meeresspeigel ist die Herleitung Haare streubend. Vorallem da Satellitendaten genau das Gegenteil belegen. Bei Abbildung 19. könnte den Autoren der selbe Fehler vorgeworfen werden, den sie in Abbildung 18. kritisieren. Abbildung 20. zeigt die Temperatuschwankungen der letzten 100.000 Jahre nimmt aber keinen Bezug auf die Umstände (zb CO2), die zu Eiszeiten und Warmzeiten führten. Genauso ist nicht ersichtlich mit welcher Geschwindigkeit sich die Temperatur in den letzten 100.000 Jahren verändert hat. Sind 1,5° C in 100 Jahren viel oder wenig? Schade dass die sonst so kritischen Autoren beim Klima so leichtgläubig und voreingenommen sind.