Während ich das Tagebuch las, habe ich nicht wirklich daran geglaubt, dass es jetzt einfach aufhören kann. Jeder kennt das Ende der Geschichte und ich las ihre Zeilen und dachte instinktiv: Das darf doch nicht einfach so jetzt aufhören.Immer mal wieder schreibt sie von "nach dem Krieg" und fiebert dem Ende entgegen. Diese Sätze zu lesen hat einen so bitteren Nachgeschmack.Und der Hauptgrund, warum es so fesselnd ist nicht zuletzt ihr eloquenter Schreibstil.Alles in einem Band ist klasse! Ich habe absolutes Verständnis dafür dass die früheren Tagebuchfassungen in kleinerer Schriftgröße abgedruckt sind, so sind ja viele der Passagen auch identisch. Ansonsten hat das Buch eine übliche Schriftgröße, die zwar für Leute mit schlechten Augen eine Herausforderung darstellt. Das kann man aber nicht dem Buch vorwerfen. Für Menschen mit Sehschwäche ist die E-Book Variante zu empfehlen.Ich habe es mit Stolz gelesen und werde in ferner Zukunft meinen Kindern ihre Kurzgeschichten vorlesen, die alle mit dem wachen Verstand einer lebensfröhlichen jungen 14-jährigen verfasst wurden.Ich vermisse sie ohne sie jemals gekannt zu haben auf dieser Welt und habe am Ende des Buches ein wenig getrauert. Sie wäre heute ca. 89 Jahre alt.Sie hat mich zwei Dinge gelehrt:1. EGAL wie schrecklich die aktuelle Lebenssituation ist, man kann doch viel Lebensfreude und Kraft finden ohne direkt ans Aufgeben oder gar Suizid zu denken. Die Welt ist gar so schön. Und wir haben heutzutage manchmal unerfüllbare Ansprüche an die eigene Perfektion.2. Sie wirkt wie ein sehr frühreifes Mädchen. Ich glaube aber, wir wären alle so selbstreflektiert, wenn wir uns nicht mit Ablenkungen aller Art (Unterhaltungsprogramm, Freunde, Arbeit, Beziehung, Lesen, Forschung,... was auch immer) selbst davon abhalten würden, über uns selbst mal in wohltuender Einsamkeit fokussiert nachzudenken. Auf dieser Welt wandeln so viele kindliche Erwachsene, die sich nie aktiv mit ihren eigenen Eindrücken von sich, den Mitmenschen, den eigenen Gefühlen, Gedanken usw. beschäftigt haben, sondern nur so mehr oder weniger blind und gesellschaftsgesteuert, also nicht selbstständig, durch die Welt dümpeln, bis sie ebenjene wieder verlassen, und so nie WIRKLICH erwachsen geworden sind. - Sie konnte (und wollte) nicht vor ihren eigenen Gedanken fliehen so lange in einem so engen Versteck mit den immergleichen Beschäftigungen.Lest das Buch und vergesst nicht, sie ist wahrlich trotzdem nicht die Einzige die sehr gelitten hat. Auch ihre überlebende Stiefschwester hat eine Geschichte, wie auch viele mehr.Wenn jemand lernt durch die Zeit zu reisen, soll er doch bitte dieses Mädchen vor dem Tod bewahren!