Lord Jim: Roman (Fischer Klassik)
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Lord Jim: Roman (Fischer Klassik)

Hersteller: Fischerverlage  ·  MPN: 5237138
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Produktbeschreibung

Lord Jim | Roman | Joseph Conrad | Buch | Fischer Klassik | 496 S. | Deutsch | 2014

Bewertungen & Erfahrungen

4,4 von 5,0
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Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 19.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Lord Jim ist ein absolut faszinierendes und tiefgründiges Werk von Joseph Conrad, das mich packt hat. Die komplexe Handlung und die psychologische Tiefe sind einfach beeindruckend.
Redaktion 19.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Die Geschichte von Lord Jim ist eine interessante Lektüre, die viele Tiefe bietet, wenngleich der Einstieg für manche Leser etwas anspruchsvoll sein kann. Die Traumdeutung-Ergänzung ist ein netter Bonus, aber die allgemeine Erfahrung ist mittelmäßig.
Redaktion 19.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Intressant
Martin Gutensohn 23.05.2023 amazon.de
Da der "Bericht" über Jim nicht einfach linear runtererzählt wird, sondern viele Szenen und Geschichten auf verschiedenen Zeitebenen miteinander kunstvoll verknüpft sind, bekommt die Geschichte eine ungeheure Spannung. Dazu kommt die ganze Reise- , See- und Naturatmosphäre. Also alles auf einer gigantischen Bühne, wie es im Kino nicht besser sein könnte. - Die Übersetzung ist ein ganz großer Wurf, viel besser als die neue von Michael Walter, erschienen im Hanser-Verlag, dessen Ausgabe teuer aufgemacht ist (Dünndruck, Leineneinband) und einen fetten Anhang hat, der noch dazu fehlerhaft ist. Gleich drei oder vier Sprachen muss man können: Englisch erzählend, Englisch im Gespräch, Seemännisch und Deutsch. Und das bringt diese Ausgabe hier großartig zusammen, während die im Hanser-Verlag spröde und manchmal schräg ist. Außerdem sollte der Leser nicht erst auf der Gorch Fock gedient haben müssen, damit er beim Lesen mitkommt. Deshalb ist diese Ausgabe vorzüglich und die andere nicht.
Stefan Proust 23.05.2023 amazon.de
Auf die Frage, ob "Lord Jim" sein liebstes literarisches Kind sei, antwortete Joseph Conrad zwar, dass er aus Prinzip keinem seiner Werke den Vorzug gebe, "aber ich finde, es ginge zu weit, wenn ich betrübt oder ärgerlich wäre, weil manche Leute meinem Lord Jim den Vorzug geben." Auf jeden Fall ist "Lord Jim" eines der umfangreichsten Werke des englischen, in Polen gebürtigen Schriftstellers, eine lange Geschichte (aber nicht langatmig!), die hier von dem Erzähler Marlow vor einer Whiskey trinkenden Männerrunde vorgetragen wird, deren Hauptperson ein Mann ist, den die Leute einfach Jim nennen, ein Schattenwesen, "sein Inkognito, löchrig wie ein Sieb, sollte keine Person verbergen, sondern ein Faktum. Wenn dieses Faktum sein Inkognito lüftete, verließ er auf der Stelle den Hafen, in dem er sich gerade aufhielt, und zog in den nächsten - gewöhnlich weiter östlich gelegenen." "Lord Jim" ist also die Geschichte einer Flucht, konkreter gesagt, der Flucht des Träumers vor der Realität, die Geschichte eines Menschen, der, makellos fast, verhängnisvolle Fehler begeht. Was ist die Ursache, das Faktum, das den Seemann Jim bis in die hintersten Winkel Nordost-Borneos, in das Dschungeldorf Patusan treiben wird, wo die malaiischen Einwohner ihn Tuan Jim nennen werden, was so viel heißt wie "Lord" Jim?Es geht um nichts weniger, als um die Frage aus welchem Stoff dieser "träumerische" Junge gemacht ist. Ein Zufall bringt den Seefahrtskapitän Marlow mit Jim zusammen. Im Gerichtssaal eines Marineuntersuchungsgerichts begegnen sich seine Augen mit denen des angeklagten Jim. In dem Prozess, der auf einem wahren Vorfall beruht, wird eine Schiffskatastrophe verhandelt. Nachdem das Pilgerschiff Padna ("...die Wallfahrer einer strapaziösen Religion auf Matten, Decken, nackten Planken, auf jedem Deck, in jedem finsteren Winkel...", so heißt es in der Übersetzung von Klaus Hoffer, der ich den Vorzug vor anderen Übersetzungen gebe, etwa der von Fritz Lorch, wo es an der gleichen Stelle heißt: "...die Pilger eines gebieterischen Glaubens auf Matten, auf Decken, auf den nackten Planken....". Ich finde das Bild der "strapaziösen Religion" im Hinblick auf die beschwerliche Pilgerfahrt aussagekräftiger) mit einem nicht identifizierbaren Treibgut kollidiert, verlassen der Kapitän und drei weitere Besatzungsmitglieder, darunter der Erste Offizier Jim, in der scheinbaren Hoffnungslosigkeit fluchtartig das Schiff und überlassen das lecke Schiff mit seinen schlummernden Passagieren seinem Schicksal und geglaubten Untergang. Das Schiff wird jedoch gerettet und die vier geflüchteten Besatzungsmitglieder müssen sich für ihr unverantwortliches Handeln rechtfertigen.Der vom schlechten Gewissen geplagte Jim ist der einzige der nicht vor der Verantwortung flieht, sondern sich dem Gericht stellt. Was auch immer ihn bewog vom Schiff ins Boot zu springen (die von seiner übersteigerten Phantasie entfesselte Angst vor der möglichen Katastrophe oder die schockierende Bereitschaft, das Leben von Hunderten von Menschen aufs Spiel zu setzen, um die eigene Haut zu retten), der Schatten dieser unehrenhaften, unheldenhaften und das Berufsethos verletzenden Tat verfolgt ihn seitdem unaufhörlich, jede Anspielung oder Erinnerung an seinen Verzweiflungssprung löst bei Jim Fluchtgedanken aus und trifft ihn auf der empfindlichsten Stelle, wie im Vorbau zum Gerichtsgebäude, wo er die Schimpfworte "Hund", "Schuft", "Kanaille" aufschnappt und irrtümlicherweise auf sich bezieht. Lord Jim kann die feige Tat aus seinem Gedächtnis nicht mehr ausradieren, seine moralische Identität ist beschädigt, "die Lächerlichkeit eines übereilten Sprungs" macht ihm zum Flüchtling vor dem Faktum, vor dem Anteil seines Selbst, das ihn brandmarkt. So wie Jim das Geschehen sich zu Herzen nimmt, wirkt es auf Marlow fast schon ein wenig lächerlich und ist nur aus der Persönlichkeit Jims und seinem Idealismus zu erklären. Später wird Jim zu der Erkenntnis gelangen, vielleicht "doch nicht gut genug zu sein." Denn schon früher hat er es versäumt, Heldentaten zu begehen, wie in der Kadettenschule "als es bei einer Schiffskollision im Hafen gilt, einen Kutter zu bemannen, um zwei in Seenot geratenen Bootsleuten zu Hilfe zu eilen, läßt sich Jim vom Aufruhr der Elemente überrumpeln und von den drohenden Gefahren einschüchtern. Er zaudert: Er springt nicht, als er springen soll - so wie er später springt, als er nicht soll."Nachdem Jim von Untersuchungsgericht verurteilt wird und sein Schifffahrtspatent verliert, möchte Marlow den Jungen, der "einer von uns" ist nicht im Stich lassen. Ihm graut es bei dem Gedanken, Jim könnte so weit herunterkommen, sich in Wirtshäusern rumzutreiben, "denn wenn seine Überempfindlichkeit so weit ging, daß er sich auf Wirtshausschlägerien einließ, dann würde er seinen Ruf eines friedlichen, wenn auch lästigen Irren bald gegen den eines gewöhnlichen Landstreichers eintauschen." Um dies zu verhindern spricht Marlow mit dem wohlhabenden und angesehenen Geschäftsmann und privaten Naturforscher Stein in dessen Arbeitszimmer umgeben von Schmetterlingskatakomben, was man in dem Fall Jim jetzt machen könnte. Stein ist auch derjenige der in Jim den Romantiker erkennt. Die Frage ist wie man jemanden vom Schlag Jims heilen kann er selbst zu sein, romantische Illusionen von sich aufzugeben und trotzdem weiterzuleben, denn "wir möchten auf so vielerlei Weise SEIN", fing er wieder an. "Dieser großartige Schmetterling findet einen kleinen Erdhaufen und läßt sich ruhig darauf nieder - der Mensch will aber nie still auf seinem Misthaufen sitzen bleiben. Er möchte so und so sein, und dann wieder so..." Seine Hand hob sich, um sich wieder zu senken. "Einmal will er ein Heiliger sein, dann wieder der Teufel - und jedesmal, wenn er die Augen schließt, hat er einen patenten Kerl vor sich - so patent - wie er es niemals sein kann... In einem Traum!" Durch die Vermittlung Stein wird Lord Jim praktisch ans Ende der Welt versetzt, worüber sich Jim freut, denn es bedeutet, dass er mit dem traurigen und schmachvollen Kapitel abschließen kann und ihm die Gelegenheit gibt quasi jungfräulich von Neuem zu beginnen und sich im fremden Gebiet auszuzeichnen: "Wäre er erst einmal da, dann würde es für die Außenwelt so sein, als hätte er nie existiert. Das einzige, worauf er dann bauen könne, wären seine beiden Fußsohlen, und für diese würde er erst noch einen Halt finden müssen. "Nie existiert - bei Gott, das ist es!" murmelte er."Im malaiischen Dorf wird aus Jim "Lord Jim", für die Eingeborenen wird er zum Schutzpatron, zum Helden, zum Beschützer, zu einer Legendengestalt mit übernatürlichen Kräften. Aber auch hier konfrontiert Joseph Conrad seinen Helden ein zweites Mal mit seinem Schatten. Auf dem Totenbett erzählt der Halunke Brown, ein Freibeuter moderner Prägung ("Er, der mit dem Bettelstab vor dem Tor zu einer anderen Welt stand, hatte dieser Welt ins Gesicht geschlagen, hatte sie bespuckt, mit dem Bodensatz seiner Untaten - einem Unmaß an Verachtung und Abscheu - überschüttet. Männer, Frauen, Wilde, Kaufleute, Schurken, Missionare - und Jim, diesen pausbäckigen Strolch: alle hatte er sie besiegt. Ich neidete ihm diesen Triumph, diese fast schon postume Illusion, die ganze Welt unter seinen Füßen niedergetrampelt zu haben, in ARTICULO MORTIS nicht."), Marlow von seiner Begegnung mit Lord Jim in Patusan, wo es ihn ebenfalls verschlagen hatte zum Unglück der Bewohner. Am Fluss stehen sich die beiden weißen Männern gegenüber, mustern sich gegenseitig und verhandeln. Brown, das komplette Gegenteil von Jim, ist irritiert und verärgert über die engelgleiche Erscheinung des Mannes in dem weißen Anzug, mit dem er sich eigentlich zusammentun wollte und nun erkennt dass er vom anderen Schlag ist. Nachdem Brown Jim den Spiegel vorgehalten und sich über sein Auftreten mit der makellosen Kleidung die für das spöttende Auge eine Unschuld zu verkörpern scheint lustig gemacht hat("Ich hab mein Leben gelebt - und Sie Ihres, obwohl Sie reden, als wären Sie einer von denen, die eigentlich Flügel haben müßten, damit sie sich die Füße nicht am Erdboden schmutzig machen. Es stimmt - die Erde ist schmutzig. Und ich hab keine Flügel."), kneift Jim vor seinem Feind und lässt ihn laufen und wird sich damit am Tod von seinem Freund Dain Waris und dessen Bugis mitschuldig machen. Das Vertrauen, die Liebe und der Glaube der Leute in Patusan an ihren Herrn bröckelt und wieder hat das eigene Idealbild Risse bekommen. Lord Jim muss sich ein zweites Mal dem Schicksal beugen, ein Schuss Doramins, des trostlosen und rachsüchtigen Vaters von Dain Waris, besiegelt das Todesurteil Lord Jims.Die Geschichte von Lord Jim ist eine Geschichte über ihn und nicht von ihm. Bis auf einen angefangenen und wieder unterbrochenen Satz auf einem Zettel kurz vor seiner Hinrichtung ("Etwas Schreckliches ist geschehen... ") hat Lord Jim nichts schriftliches hinterlassen. In seinen Sachen fand sich nur ein Brief von seinem Vater, einem Pastor aus England, adressiert an seinen Sohn. Lord Jim hat Züge einer Christusgestalt, auch Jesus hat nichts zu Papier gebracht, auch er leistete keinen Widerstand gegen seine Richter, auch er wurde zu einer mythischen verklärenden Figur in der Nacherzählung. Die romantische Beziehung Lord Jims zum Eingeborenenmädchen Jewel, mit der er "eheliche Spaziergänge" unternimmt ist genauso unerotisch und keusch wie die zwischen Jesus und Maria Magdalena. Manche Äußerungen Jims kommen den Weisheitssprüchen Jesu sehr nahe. An einer Stelle sagt Lord Jim zu Jewel: "Manchmal handeln Leute schlecht, ohne viel übler zu sein als andere." Das sagte er nachdem er unter anderem einen Auftragsmörder im Schuppen erschießen musste um sich zu verteidigen. Im Johannesevangelium (8,7) sagt Jesus im Zusammenhang mit der Ehebrecherin den bekannten Satz: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie."Virginia Woolf sagte über Conrads Prosa, sie sei von einer "fast strengen und schwermütigen Musik mit ihrer Zurückhaltung, ihrem Stolz, ihrer unermeßlichen und unerbittlichen Lauterkeit". Wenn man "Lord Jim" liest, muss einem jeder Sinn für die Bedeutung von Worten abgehen, wenn man nicht hört, "daß es besser ist, gut zu sein als schlecht, daß Loyalität gut ist und Ehrenhaftigkeit und Mut, obgleich es Conrad scheinbar nur daran liegt, uns die Schönheit einer Nacht auf See vor Augen zu führen."
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