Sachbuch   Die verlorene Hälfte der Medizin - Johannes Bircher Kartoniert (TB)
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Sachbuch Die verlorene Hälfte der Medizin - Johannes Bircher Kartoniert (TB)

Hersteller: Springer  ·  MPN: 978-3-662-59638-8
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Produktbeschreibung

Die verlorene Hälfte der Medizin | Johannes Bircher | Taschenbuch | xiii | Deutsch | 2019 | Springer

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Dr. Heinrich Anker 11.11.2024 amazon.de
Zu Johannes Birchers Monographie „Die verlorene Hälfte der Medizin. Das Meikirch-Modell als Vision für ein menschengerechtes Gesundheitswesen“, Springer, September 2019.„Verbände und Firmen (…) stürzen sich auf die Mitglieder der Gesundheitskommission. (Ein) SVP-Politiker (…) war phasenweise praktisch das einzige von 25 Kommissionsmitgliedern ohne Mandat aus dem Gesundheitswesen. Dafür gibt es auch einen Reformstau im Gesundheitsbereich: Die Interessengruppen blockieren sich gegenseitig.“ (Republik, 7. Okt. 2019, „«Es gibt heute einfach zu viele Exzesse».)Rückbesinnung auf das medizinische EthosÜber die Probleme unseres Gesundheitswesens wird viel publiziert; oft werden dabei nur Teilaspekte oder bestimmte Akteure berücksichtigt. Die Problematik wird nicht in ihrer ganzen Tiefe erfasst – konstruktive Lösungen bleiben im Basar der Lobbyisten blockiert (s. Zitat oben). Die Folge: Die Probleme des Gesundheitswesens werden gemanagt, aber nicht gelöst. Demgegenüber wagt Johannes Bircher einen kühnen, chirurgisch präzisen Schnitt in die tiefsten Schichten des Gewebes unseres Gesundheitswesens. Als in der Gemeinde Meikirch bei Bern wohnhafter emeritierter Universitäts-Professor der Medizin ist er eine Kapazität seines Fachs, ist jedoch nicht an bestimmte ökonomische und politische Interessen gebunden, sondern bloss an fachliche. Sein grosses Anliegen: Das medizinische Ethos soll im Interesse des leidenden Menschen - und als Quelle der Kraft für Ärzte und Pflegende - (wieder) ins Zentrum des Gesundheitswesens rücken.Die Frage aller Fragen: Was ist Gesundheit?Am Ursprung jeder Organisation, jedes Unternehmens, jedes NGO, jedes menschlichen Systems – Gesundheit, Bildung, Politik, Gesellschaft, Verteidigung, Kirchen… - steht ein spezifisches Menschenbild. Diese Institutionen, Organisationen etc. lassen sich nur dann dauerhaft verändern, wenn sich ihr Menschenbild ändert. Aufs Engste mit dem Menschenbild verbunden – zumal in der Medizin - ist der Begriff der Gesundheit. Dieser muss eindeutig geklärt und definiert sein, wenn die heutige Blockade im Gesundheitswesen überwunden werden soll. Denn ihr heutiges Menschenbild und folglich die Auffassung, was Gesundheit ist, ist höchst widersprüchlich, unvollständig und inkohärent. Dies führt dazu, dass die einzelnen Akteure des Gesundheitswesens nicht am selben Strick ziehen, sondern sich konterkarieren und blockieren - das heutige Gesundheitswesen ist deshalb weder aus medizinischer noch ökonomischer Sicht so effektiv (das Richtige tun) und effizient (das Richtige richtig tun), wie es eigentlich sein könnte. Es operiert weit unter seinen Möglichkeiten!Bircher versteht unter Gesundheit die Fähigkeit des Individuums, auf die jeweiligen Herausforderungen des Lebens adäquat zu antworten – sei es, dass das Individuum in die Lage versetzt wird, nach einer Krankheit oder nach einem Unfall wieder die gewohnten Rollen zu übernehmen, sei es, dass es die Herausforderungen seines Lebens seinem gesundheitlichen Vermögen anpasst.Zwei unterscheidbare, aber nicht trennbare Potenziale der Gesundheit des MenschenDabei kann der Mensch auf zwei Potentiale zurückgreifen: auf ein biologisch gegebenes – seine physischen Potentiale, welche vom Moment der Geburt an abnehmen und im Moment des Todes entschwinden – und auf ein persönlich erworbenes Potential: die Fähigkeit von uns Menschen, aus unseren eigenen positiven und negativen Erfahrungen zu lernen, zu wachsen und zu reifen und – der Mensch ist ein Kulturwesen – auch aus einem unendlichen Universum fremder Erfahrungen. Im Gegensatz zum biologischen Potential nimmt das persönlich erworbene im Laufe des Lebens grundsätzlich nicht ab, sondern zu – es entwickelt sich komplementär zum biologisch gegebenen Potential.Die Unterscheidung von zwei Potentialen ist bloss eine analytische Trennung – in der Lebensrealität sind sie unauflösbar miteinander verquickt: Es gibt Menschen, die aus geistiger Verzweiflung ihr biologisches Potential vernichten, d.h. sich das Leben nehmen, es gibt anderseits körperlich und sogar seelisch schwer beeinträchtigte Menschen, welche dank ihres persönlich erworbenen Potentials dennoch und trotz Allem „mit beiden Beinen im Leben stehen“ – so z.B. wörtlich der infolge eines schweren Unfalls querschnittgelähmte und an den Rollstuhl gefesselte ehemalige Schweizer Skirennfahrer Silvano Beltrametti im Gespräch mit einem TV-Reporter.Ein entscheidender Faktor des persönlich erworbenen Potentials ist die Erfahrung, einen Sinn im Leben (ein „Wozu“ oder „Für wen“ zu leben) zu haben und als Individuum wertgeschätzt zu werden. Diese Erfahrung spielt auch in der Medizin eine wichtige Rolle. Die Mobilisierung des persönlich erworbenen Potentials und dessen Weiterentwicklung in der Patient-Arzt-Beziehung ist ein massgeblicher Faktor der Gesundheit bzw. der Heilung, d.h. des Wieder-gesund-Werdens.Die heutige Medizin und Ökonomik lassen enorme Gesundheitspotentiale brach liegenAn diesem Punkt kommt Bircher zum Kern der Sache: Die heutige Wirtschaftslehre und –praxis, welche auch das Gesundheitswesen zunehmend prägt , sieht den Menschen als bloss emotions- und instinktgetriebenes Wesen – ein Wesen, das bloss auf der Basis seines biologisch gegebenen Potentials, seiner Instinkte und Triebe funktioniert. Das persönlich erworbene Potential, dessen heilende Wirkung sich heute nicht mehr bestreiten lässt, bleibt dabei völlig ausgeklammert – die verlorene Hälfte der Medizin. D.h. das heutige ökonomische Denken im Gesundheitswesen lässt einen wesentlichen Faktor bzw. eine wichtige Ressource unserer Gesundheit ausser Acht – unter dem Aspekt der ökonomischen Effizienz eine Katastrophe für unser Gesundheitswesen, wie der Schreibende hinzufügen möchte.Bircher geht jedoch noch einen Schritt weiter: Auch im Bereich der Medizin herrsch heute nach seiner fachlichen Einschätzung eine biologische Sicht auf den Menschen vor, d.h. auch sie hat den Fokus auf den Menschen als eines ganzheitlichen, biologischen UND geistig-kulturellen Wesens verloren – übrigens zum Bedauern vieler Akteure im Bereich von Medizin und Pflege, die ihrerseits infolge des reduktionistischen Menschenbildes von Ökonomie und Medizin allzu oft in eine Sinnkrise oder sogar in eine Arbeitsdepression geraten.Die heutige „materialistisch-biologistische“ Ökonomik und Medizin machen die Menschen zum Objekt, an dem gehandelt wird – sie sehen in ihnen kein Subjekt mehr, das selber und in eigener Verantwortung im Dialog mit der medizinischen Fachperson einen Beitrag zu seiner Gesundheit (Prävention) oder Gesundung (Heilung) leisten muss – und gemäss Mediziner Johannes Bircher auch kann! Die Mobilisierung dieser Ressourcen ist ein zentrales Erfordernis eines gesunden – d.h. effektiven, effizienten und bezahlbaren Gesundheitswesens.Bircher plädiert deshalb für eine Medizin, welche den Patienten im Sinne der beiden Potentiale (wieder) als ganzheitliches Subjekt mit je spezifischen Herausforderungen des Lebens betrachtet und installiert: Diese werden im Gespräch mit dem Arzt umfassend abgesteckt und mit den vorhandenen Potentialen bzw. deren Erhaltung oder Wiedergewinnung konfrontiert und möglichst optimal austariert. Dies ist die eigentliche ärztliche Kunst, welche Bircher wieder ins Zentrum des Gesundheitswesens rücken will – der Mensch als Individuum in einem möglichst selbstbestimmten Austausch mit seiner sozialen, gesellschaftlichen und natürlichen Umwelt.Die Rückbesinnung auf den Menschen als für seine Gesundheit (mit-)verantwortliches SubjektEs geht Bircher um nichts weniger als eine Kopernikanische Wende vom Menschen als Objekt des Erwerbszwecks in der Gesundheitsbranche zum Subjekt, das sich unter ärztlicher Anleitung darum bemüht, die seinen (noch vorhandenen bzw. wiederherstellbaren) Potentialen entsprechenden Herausforderungen des Lebens zu erfassen und zu bewältigen und so die Sinnhaftigkeit seines Daseins zu erfahren. Die Menschen sind nicht da um der Profite des Gesundheitswesens willen, sondern das Gesundheitswesen ist da, um den Menschen ein möglichst autonomes, würdiges Leben zu ermöglichen. Der Profit ist dann nicht mehr Ziel und Selbstzweck des Gesundheitssystems und seiner Lobbies, sondern Belohnung für die vorher erbrachten Gesundheitsleistungen. (Damit liegt Bircher voll im Trend des neuen wirtschaftlichen Denkens und Handelns: Dieses stellt nicht mehr die Maximierung des Shareholder Value über alles andere, sondern anerkennt, dass Unternehmen u.a. Institutionen nur dann prosperieren und lange leben können, wenn sie sich von einem Dienst an den Menschen und/oder der Gesellschaft her definieren. Der Ertrag ist dann nicht mehr Selbstzweck, sondern Resultat zuvor erbrachter Leistungen.)Birchers Ansatz hat sich in der Praxis schon vielfach bewährtEin nostalgiegetriebenes Wolkenkuckucksheim eines emeritierten Medizin-Professors? Mitnichtem! Bircher verweist in u.a. auf die die Mayo-Kliniken in den USA: Die Ärzte beziehen dort einen Fixlohn (85% des mittleren Einkommens von Ärzten im jeweiligen Spezialgebiet in den USA), und Mayo erfreut sich eines ausserordentlich hohen Renommees – sogar noch vor den Harvard-Kliniken. Das „Geheimnis“: Die Mission von Mayo lautet: „The needs of the patient come first!“ – eine sinnstiftende, verbindende, Kohärenz, Effektivität und Effizienz erzeugende Unité de doctrine des Dienens!Bircher verweist auch auf andere Ärzte- und Pflegeorganisationen, welche im Sinne einer ähnlichen Mission handeln, in Bezug auf das Wohl der Menschen höchst erfolgreich sind und auch ökonomisch gut dastehen. Kommt hinzu, dass Birchers Gesundheitskonzept sich in einem Feldexperiment in Indien ebenfalls bewährt hat.Birchers Analyse ist messerscharf. Sie zeigt einerseits ganz unpolemisch, anderseits mit geradezu entwaffnender Klarheit, wie die Lobbies im Gesundheitswesen in der Verfolgung ihrer Eigeninteressen das Wohl der Menschen und unserer Volkswirtschaft beeinträchtigen – die stetig steigenden Gesundheitskosten ziehen enorme Ressourcen von andern wichtigen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Aufgaben wie Bildung, Forschung, Entwicklung etc. ab. Und er zeigt gangbare Alternativen auf. Seine Schlussfolgerung: An Wegen zur Remedur fehlte es nicht – es ist bloss eine Frage des Willens. Bircher: „Die grosse Hürde liegt vermutlich nicht in andern Überzeugungen, sondern bei den Verlierern.“ Die wahren VerliererInnen sind jedoch letztlich wir BürgerInnen. Unsere Gesundheit ist ein Politikum ersten Ranges!Und dieses Politikum betrifft nicht nur die Gesundheitspolitik! Die Unternehmen und Institutionen können bwz. müssen mit einer sinnerfüllenden und wertschätzenden Kultur die Gesundheit ihrer Mitarbeiter aktiv fördern, die Landwirtschaftspolitik (Verwendung von Fungiziden, Pestiziden, Düngern, Antibiotika und ihren Auswirkungen auf die Qualität der Nahrungsmittel, von Boden, Luft und Wasser), die Aussenhandelspolitik (z.B. Hormone in Nahrungsmitteln) ist einzubeziehen, die Bildungspolitik - Gesundheit ist ein Kapital, das es in Selbstverantwortung zu pflegen gilt, nicht ein Konsumgut, das man nachfragt, wenn man krank geworden ist oder einen Unfall gehabt hat -, die Verkehrspolitik, die Umweltpolitik etc. etc. Sie alle sind verpflichtet, einen Beitrag zur Gesundheit der Menschen zu leisten.Dr.rer.pol. Heinrich Anker, Lyss, Oktober 2019.
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