Hundert Jahre Salzburger Festspiele rücken in den Blick des Betrachters. Aufgeteilt in fünf Akten werden die Episoden näher angesehen, die die Festspielkultur beeinflusst haben. Von der improvisierten Anfangszeit über politische Einflüsse bis hin zu großen Medienevents – hundert Jahre Festspiele werden hier kompakt nacherzählt.Jeder der fünf Akte startet von einem Ort und einem bestimmten Moment, der sich im Jahr 2017 zugetragen hat. Von dort aus gleitet der Blick zurück in die Vergangenheit. Der erste Akt geht auf die Anfangszeit ein und stellt die frühen Versuche vor, ein Festspielhaus zu errichten. Es braucht einige Zeit, bis sich die ersten Festspiele organisieren lassen. Skeptisch stehen die Salzburger diesen gegenüber und doch etablieren sich die Spiele in der Nachkriegszeit als Zeichen des Friedens. Der zweite Akt zeigt die Zeit des internationalen Aufschwungs, aber auch die politische Einmischung während der nationalsozialistischen Besatzung und die Erneuerungsversuche, die direkt nach dem zweiten Weltkrieg erfolgen. Den dritten Akt bestimmt Herbert von Karajan, der Lob und Kritik ausgesetzt ist. Als dominanter Bestimmer einerseits, ist er andererseits für opulente, luxuriöse Schauspiele verantwortlich und zeichnet damit eine glanzvolle Zeit der Festspiele. Doch es beginnt zu kriseln. Der vierte Akt widmet sich seinem Nachfolger und den Problemen, die nun bewältigt werden müssen. Diese sind nicht nur finanzieller Natur, auch scheint es zu einigen Unstimmigkeiten mit langjährigen Partnern gekommen zu sein. Die Erneuerung der Festspiele ist damit nicht einfach. Der fünfte Akt zeigt die modernen Festspiele, die sehr stark von der Wirtschaft beeinflusst sind, dafür eine Reihe von Nachwuchsförderung bieten.Der Erfolg der Festspiele hängt auch mit den sich engagierenden Personen zusammen. Ausgehend von dem Begründertrio Max Reinhardt, Hugo von Hoffmannsthal und Richard Strauss stellt jeder Akt unter der Überschrift „die Personen“ diejenigen vor, die für das Festspiel zusammenarbeiten aber auch die, die um ihre Position konkurrieren. Zudem geht jeder Akt mit „die besondere Geschichte“ auf einen interessanten/bekannten Aspekt der Salzburger Festspiele ein. Von der Erfolgsgeschichte des Jedermanns über die gewaltiges Ausmaß annehmenden Bauarbeiten im Festspielbezirk, zu politischen Verwicklungen, die kleinen Geschichten am Rande sind es, die die Festspiele genauso prägen, wie die gefeierten Erfolge.Illustriert ist das Buch mit Originalfotografien, die die angesprochenen Persönlichkeiten und Orte zeigen. Zudem greift der Text immer wieder Zitate auf, die einen historischen Einblick ermöglichen.Hundert Jahre Festspiele sind nicht nur eine Zeit der musikalischen Entwicklung, der Ausweitung des Festivals, sondern auch der Veränderungen in der Gesellschaft, die sich zwangsläufig auch hier spiegeln. Politischer Einfluss wird abgelöst von wirtschaftlichem, die Medien rücken immer mehr in den Vordergrund und beeinflussen die öffentliche Meinung. Immer schon lagen bei den Salzburger Festspielen Erfolg und harsche Kritik nahe beieinander – und doch wurde das Konzept aus Neuinszenierungen, Altbekanntem und Modernisierungen beibehalten.Fazit: Eine turbulente hundertjährige Erfolgsgeschichte wird hier anhand von ausgewählten Episoden nacherzählt – interessant nicht nur für Musik- und Schauspielliebhaber.
Gerade rechtzeitig zum bevorstehenden 100. Gründungstag der Salzburger Festspiele am 20. August 2020 hat der Salzburger (!) Ecowin Verlag dieses interessante Kompendium herausgegeben.Wie es sich für ein Theaterstück gehört, ist auch die Geschichte der wohl bekanntesten Festspiele Österreichs in fünf Akten und Szenen angelegt. Eine nette Idee!Im 1. Akt erfahren wir einiges über die Beweggründe diese Festspiele ins Leben zurufen. Mysterienspiele haben in Salzburg schon seit langem Tradition.Im 2. Akt fegen die politischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts mit dem Nationalsozialismus und dem Zweite Weltkrieg alles hinweg - Schauspieler, Sänger, Musiker und Zuschauer.Mit Karl Böhm und vor allem Herbert von Karajan, der den 3. Akt dominiert, steigen die Salzburger Festspiele wie der Phönix aus der Asche. Man kann Karajan mögen oder nicht, sein Anteil am Erfolg ist unbestritten, seine Dominanz ebenso.Im 4. Akt erleben die Festspiele nach Karajans Tod eine tiefe Krise. Künstlerische und finanzielle Probleme, die nach einer Erneuerung schreien. Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben und so manch einer, hat den Festspielen das AUS prophezeit. Doch wir sind hier in Österreich und frei nach dem Motto „ein bisserl was geht immer“, ist es durch eine gewaltige Kraftanstrengung gelungen, die Festpiele zu modernisieren.Der 5. Akt zeigt, dass es notwendig und gut war, die Festspiele zu erneuern, auch wenn das eine oder andere nicht ganz friktionsfrei abgelaufen sein wird.Ein Theaterstück zieht sich wie ein roter Faden durch die 100 Jahre: „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ Hugo von Hofmansthal. Für die Schauspieler ein Highlight in der Karriere als Jedermann, Tod, Teufel oder Buhlschaft auftreten zu dürfen.Wie sagt der Teufel so treffend, als er Jedermann doch nicht bekommt:„Die Welt ist dumm, gemein und schlechtUnd geht Gewalt allzeit vor Recht,Ist einer redlich, treu und klug,Ihn meistern Arglist und Betrug.“Fazit:Eine penibel recherchierte und ansprechend erzählte Geschichte der ersten (?) Jahre der Salzburger Festspiele, die mit vielen Abbildungen versehen ist. Ein tolles Geschenk, nicht nur für Musik- und Theaterliebhaber. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.