"Doctor Strange 1 – Liebe, Magie und Finsternis" markiert einen faszinierenden Neubeginn für einen der ikonischsten Zauberer des Marvel-Universums. Nach seinem Tod und der beeindruckenden Übernahme seiner Pflichten durch Clea, bietet dieser Band eine willkommene Rückkehr von Stephen Strange ins Reich der Lebenden und gleichzeitig ins Zentrum der magischen Ereignisse. Die Wiedervereinigung mit seiner großen Liebe Clea und die Übernahme seines Postens als Oberster Zauberer setzen einen optimistischen Ton, der durch die Einrichtung einer magischen Sprechstunde für Superhelden wie Spider-Man und Luke Cage weiter verstärkt wird. Diese leichten, alltäglichen Herausforderungen bilden den Auftakt zu einer tieferen und finsteren Bedrohung, die Stephen und Clea gegen eine neue, unbekannte Macht stellt.Jed MacKay und Amy Chu haben eine Geschichte geschaffen, die sowohl alte als auch neue Fans von Doctor Strange anspricht. Indem sie auf vorherige Ereignisse, wie den Tod von Doctor Strange und Cleas Rolle als Oberste Zauberin, Bezug nehmen, bieten sie eine reiche, kontinuierliche Erzählung, die sowohl die magische Welt als auch die persönlichen Beziehungen innerhalb dieser Welt vertieft. Der Wechsel zwischen den alltäglichen magischen Problemen und der sich anbahnenden größeren Bedrohung zeigt die Vielschichtigkeit des Lebens eines Obersten Zauberers und bietet eine perfekte Mischung aus Humor, Herz und Spannung.Die visuelle Umsetzung durch Andy MacDonald, Pasqual Ferry und Tokitokoro fängt die Essenz der Geschichte ein und bringt die magische Welt von Doctor Strange mit all ihren Facetten zum Leben. Von den leichten Momenten in Stephens Sprechstunde bis hin zu den intensiveren Konfrontationen mit dunklen Mächten – die Illustrationen ergänzen die Erzählung auf eindrucksvolle Weise und machen den Band zu einem visuellen Genuss.Die Wiedereinführung von Dormammu und die Thematisierung von Stephens und Cleas Beziehung zu ihm und anderen magischen Wesen bietet tiefe Einblicke in die komplexen Dynamiken des Marvel-Magieuniversums. Besonders die Darstellung von Dormammus jährlichem Besuch und die angesprochene Hochzeit verleihen der Geschichte zusätzliche Schichten und bereichern das Verständnis für die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander.Dieser Band steht als ein vielversprechender Start in eine neue Ära von Doctor Strange, der sowohl durch seine gelungene Mischung aus Charakterentwicklung, Humor und magischer Action als auch durch die ansprechende grafische Darstellung besticht. Die Hinweise auf zukünftige Entwicklungen und Bedrohungen wecken die Neugier auf die Fortsetzung der Serie und lassen die Leserinnen und Leser gespannt zurück. "Doctor Strange 1 – Liebe, Magie und Finsternis" ist nicht nur für eingefleischte Fans der Serie ein Muss, sondern bietet auch einen zugänglichen Einstiegspunkt für neue Leser, die in die magische Welt von Doctor Strange eintauchen möchten.
Inzwischen nimmt Doctor Strange – vor allem seiner erfolgreichen Integration ins MCU wegen – ja durchaus eine zentrale Stellung im crossmedialen „Marvel Universum“ ein. Im Vergleich mit anderen Figuren, denen dieser Rang ebenfalls zukommt, fällt aber auf, wie schmal der eigentliche Comic-Kanon ist, der sich um den obersten Zauberer etabliert hat. In der deutschsprachigen Wikipedia hat die Figur nicht einmal einen eigenen Eintrag – ganz im Gegensatz zu dem gleichnamigen amerikanischen TV-Film von 1978, den nun wirklich keine Sau kennt.Doch kehrt man zu den Comics zurück, so lässt sich festhalten, dass nicht einmal die ursprüngliche Serie von Stan Lee und Steve Ditko größeres Ansehen genießt. Zwar übernahm die Figur nach ihrem Debüt in „Strange Tales #110“ (1963) den Titel recht zügig, kaum wurde er dann in „Doctor Strange“ umbenannt, war auch schon wieder Schluss (nach 18 Ausgaben). Es folgte eine mehrjährige Pause und eine unbeständige Publikationshistorie, aus der keine Phase hervorsticht, die man heute als Klassiker bezeichnen würde.Erst mit der formidablen Miniserie „The Oath“ (2006, Brian K. Vaughan/Marcos Martin), die zu einer maßgeblichen Vorlage der Verfilmung von 2016 werden sollte, wurde der Bann gebrochen. Einen zweiten Vorzeigetitel schufen Jason Aaron und Chris Bachalo 2015 mit ihrer ästhetisch, tonal und inhaltlich exzeptionellen Interpretation der Serie, die im einem vielbeachteten Zyklus von den „letzten Tagen der Magie“. Doch als Aaron nach Ausgabe 20 den Autorenposten räumte, verflachten die Geschichten um Stephen Strange wieder zusehends.Um mal wieder etwas mehr Nachhaltigkeit in die Sache zu bringen, engagierte man 2021 den aufstrebenden Autor Jed MacKay („Moon Knight“) für die Miniserie „Death of Doctor Strange“. Deren Titel sagte im Grunde alles. Das Ereignis brachte etwas Aufsehen und galt natürlich nur als Präludium für einen Neustart der eigentlichen Serie, der nun hier zu bestaunen ist. Unter dem Titel „Liebe, Magie und Finsternis“ werden hier die ersten fünf Ausgaben der US-Serie von 2023 kompiliert.Vorbei sind darin die Zeiten, in denen Stephens Frau Clea als oberste Magierin agierte, stattdessen ist der Doctor selbst aus dem Reich der Toten zurückgekehrt. Was einen bei einem Zauberer natürlich weit weniger überrascht als bei – sagen wir mal – Wolverine. Die Rückkehr sorgt natürlich für neue Probleme (oder die Neuauflage der Alten), beispielsweise in Form von Erzfeind Dormammu.Dies ist wenig überraschend, die Neuerung liegt dann eher bei den Nebendarstellern. So hat sich Stranges Mädchen für Alles Wong in dessen Abwesenheit von seinem Meister emanzipiert und führt nun selbst eine Organisation an, die als Team magischer Agenten dämonischen Bedrohungen gegenübertritt und eine schöne Prise psychedelischen Kiffer-Charmes in die Serie miteinbringt.Optisch gilt auf den ersten Blick der Eindruck „alles schön bunt“ hier. Je weiter Die Sache voranschreitet, desto stärker machen sich allerdings die digitale Kälte und die recht austauschbar zusammengezimmerten Zeichnungen bemerkbar. Langsam stellt man sich ja die Frage, ob MacKay dem zuständigen Redakteur mal die Frau ausgespannt oder zumindest in den Kaffee gespuckt hat – anders lässt sich die konsequente Weigerung der Verantwortlichen, ihrem derzeitigen Vorzeigeautor auch mal einen zumindest ordentlichen Zeichner zuzuteilen, nicht erklären.Vielleicht ging das ganze Budget aber auch einfach für die Titelbilder drauf. Für die hat man Alex Ross engagiert, dessen Namen ja in gewissen Kreisen nicht ganz ohne Gewicht ist. In diesem Sinne: MacKay schreibt das schon ganz ordentlich – den Rest macht der Maler. Der für außen, nicht der innen.