Wolfgang Schmidtbauer, von dem es so manches Buch auf dem Hilfe-Markt gibt, hat sich diesmal der literarischen Form bedient, um sich mit dem schier unerschöpflichen Thema der Paarbeziehung zu beschäftigen.Schmidtbauer stellt seine Geschichten in geschliffener Sprache vor, erläutert mit dem gebotenen Ernst und doch manchmal auch augenzwinkernd und mit viel Gespür für den richtigen Moment das Werden, Bestehen und Auseinanderfallen von Liebesbeziehungen.Vom rosaroten Anfang hin über die Mühen des Liebes-Alltages gibt Schmidtbauer Ratschläge und Tipps, ohne den Anspruch auf Allgemeingültigkeit und Vollkommenheit zu erheben. Jede Liebesbeziehung ist ganz eigen und was dem einen Paar hilft, kann dem anderen Paar verwehrt bleiben.Warum wir es schaffen oder eben auch nicht, zusammen zu bleiben, kann man hier zurückgelehnt als außenstehender Betrachter lesen und dann entscheiden, was für die eigene Beziehung gelten mag und was nicht. Lesenswert!
Auf Grund des Klappentextes habe ich leider mit einem vollkommen anderen Buch gerechnet. Ich hatte Kurzgeschichten von mehr oder weniger echten Paar erwartet, gepaart mit einer Einordnung oder einem Kommentar vom Autor.Geboten werden hier jedoch acht Kurzgeschichten, die zwar verschiedene Formen und Arten der Liebe aufzeigen, jedoch nicht kommentiert werden und die der Autor sich, beruhend auf seiner langjährigen Erfahrung als Therapeut, selber ausgedacht hat.Das Vorwort fand ich noch wirklich gut geschrieben und sehr verlockend, merkte da jedoch schnell, dass in mir die falschen Erwartungen geweckt wurden. Denn der Autor kommentierte diese Kurzgeschichten nicht, sondern lädt den Leser oder die Leserin dazu ein, die Geschichte zu überdenken, eigene Schlüsse zu ziehen, selber zu bewerten und etwas zu lernen. Der Ansatz gefällt mir gut, der bestehende Rahmen ist für mich jedoch nicht dazu passend.Die Kurzgeschichten selber haben mir mal mehr, mal weniger gut gefallen. "Blindflug", die erste Kurzgeschichte, fand ich noch gut, irgendwie niedlich, doch darauf folgende Kurzgeschichten gefielen mir einfach weniger gut. Ja, abwechslungsreich handeln sie von verschiedenen Formen von Liebe und Zuneigung und Problemen und Hindernissen menschlicher Beziehungen. Eigentlich aber lassen sich fast alle Kurzgeschichten unterbrechen auf einen Punkt: mangelnde Kommunikation. Ich hatte die Erwartungen, dass an genau dieser Stelle angesetzt wird, es Hinweise, Tips oder Vorschläge gibt, was Paare in bestimmten Situationen machen könnten, um Knoten zu lösen. Die Erwartungen wurden nicht nur auf Grund des Klappentextes geweckt, sondern liegen auch dem zu Grunde, dass ich persönlich den Verlag mit Ratgebern in Verbindung bringe und diese Sammlung an Kurzgeschichten für mich keinen Ratgeber darstellen.Abgesehen von den falsch geweckten Erwartungen sind mir die Kurzgeschichten zu einseitig, denn für meinen Geschmack sind diese sehr konservativ und viel zu heteronormativ.Verbundenheit zu Charakteren zu wecken ist eine absolute Kunst, vor allem bei Kurzgeschichten. Ich habe schon ein paar Bücher gelesen, bei denen Autor:innen es trotz der Kürze geschafft haben, dass ich mich Charakteren verbunden fühlte oder in irgendeiner Art und Weise mitfieberte. Dies gelang dem Autor leider nur bei der ersten Kurzgeschichte, die anderen ließen mich eher kalt.Für mich ist das Buch leider mit falschen Versprechungen beworben worden, die Kurzgeschichten selber fand ich durchwachsen. Schade!
Da ich sehr viel und äußerst gerne lese und mich auch insbesondere immer mal wieder mit Themen wie Psychologie, Kommunikation, Manipulation u. ä. beschäftige, erschien mir dieses Buch des renommierten Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer zunächst sehr interessant und lesenswert.Leider wurden meine Erwartungen an dieses Buch allerdings in keiner Weise erfüllt.Das Buch basiert - wie der Autor in seiner Einleitung auch erwähnt - auf vom Autor frei erfundenen Charakteren und von ihm erdachten Kurzgeschichten in Romanform.Wolfgang Schmidbauer möchte mit diesem Buch zum Thema "Paarbeziehungen" einen Spagat zwischen Wissenschaft und Praxis schaffen. Bereits als Gymnasiast entdeckte er sein Interesse an der Schriftstellerei, entschied sich dann jedoch zunächst für das Studium der Psychologie, wie er in seinem Nachwort erläutert.Nach den einleitenden Worten des Autors war ich noch recht gespannt auf den Inhalt des Buches und auch die erste der insgesamt acht Kurzgeschichten erschien mir noch einigermaßen nachvollziehbar (bis auf die Tatsache, dass entgegen der These der Figur "Sarah" in der ersten Erzählung "(...) eine der Freuden des Reitens Empfindungen zwischen den Beinen waren"!).Mit jeder weiteren Geschichte werden die Erzählungen und die darin agierenden Figuren allerdings immer subtiler und die Handlung so ausschweifend, dass es mir beim Lesen irgendwann sogar zu langweilig wurde. Die vierte Kurzgeschichte "Wiener Melange - eine Gruppensitzung" habe ich dann sogar (völlig entgegen meiner eigentlichen Art) nicht einmal ganz zu Ende gelesen. Dies ist mir im Laufe meines Lebens beim Lesen eines Buches tatsächlich erst ein einziges Mal passiert (und nun das zweite Mal...).Beim Lesen der weiteren vier Erzählungen reihen sich die - wie ich finde - häufig mit einer äußerst negativen Grundstimmung zwischen den Kommunikationspartnern behafteten Geschichten in mehr oder weniger ausschweifendem Kontext aneinander und lassen den Leser häufig ein wenig unzufrieden und irritiert zurück.Durch "Gedankensprünge" des Autors bzw. der Protagonisten in den Geschichten wird der Leser häufig verwirrt und man hat das Gefühl, einige der Handlungen werden unnatürlich und überflüssigerweise in die Länge gezogen, obwohl viele Einzelheiten und sehr detailgenaue Beschreibungen bestimmter Dinge oder Situationen durchaus auch deutlich kürzer hätten abgehandelt werden können, ohne dass der Sinn der Aussagen und der Handlungen zu kurz gefasst worden wäre.Wie eine "Endlos-Schleife" oder ein Mantra werden bestimmte Sachverhalte immer und immer wieder aufgegriffen und wiederholt. Aber der (insbesondere erwachsene) Mensch lernt ja bekanntlich durch Wiederholungen und verinnerlicht dadurch das Gehörte/Gelesene natürlich auch entsprechend besser...Metaphern zur bildlichen Verdeutlichung bestimmter Inhalte und Aussagen sind sehr sinnvoll und bereichern eigentlich recht eindrucksvoll jeden Text. Meiner Meinung nach bedient sich der Autor in diesem Buch allerdings deutlich zu vieler Metaphern, so dass es auch hier auf der sprachlichen Ebene teilweise "zu viel des Guten" ist.Als besonders befremdlich empfinde ich den oft harten Kontrast zwischen der einerseits sehr gewählten und harmonischen Ausdrucksweise des Autors und andererseits vieler recht obszöner Formulierungen, die wohl die zwischenmenschlichen Interaktionen der Paare auf "menschliche" und sicherlich auch hier und da in Beziehungen vorkommende Art und Weise unterstreichen sollen. Dennoch empfinde ich dies als recht heftig und nicht sehr ansprechend.Das in der Artikelbeschreibung sowie auf dem Klappentext des Buches beworbene und angeblich spürbar werdende "Profitieren von Expertenwissen und weitreichender Praxiserfahrung des bekannten Paartherapeuten" fehlt mir hier leider gänzlich. Da hätte ich mir eher eine Kombination aus Sachbuch mit entsprechend fundiertem fachlichen Hintergrundwissen des renommierten Autors und einer anschaulichen Erläuterung der jeweiligen Sachverhalte in Form von Fallbeispielen gewünscht.Ich persönlich profitiere von diesem Buch leider in keiner Weise und habe meinen Horizont im Hinblick auf Paarbeziehungen dementsprechend nicht erweitern können.