In ihrem Buch „Zur Kur an den Nil“ publiziert Isolde Lehnert das Reisetagebuch des Augenarztes Max Meyerhof, der zusammen mit seinem jüngeren Großcousin, Otto Meyerhof, im Winter 1900/1901 zum ersten Mal Ägypten besuchte. Anlass der Reise waren Nierenprobleme, an denen beide Männer litten und von denen sie sich in Ägypten Linderung erhofften. Ihr Hauptziel war deshalb zunächst auch der in der Nähe von Kairo gelegene, damals berühmte Kurort Helouan-les-Bains. Dort werden die beiden Deutschen aber von einem so ungewöhnlich nasskalten Wetter überrascht, dass sie bald die Reise nach Süden antreten, um dem Wetter zu entfliehen aber auch, um die Sehenswürdigkeiten Ägyptens zu genießen. Neben dem eigentlichen Reisetagebuch hat die Autorin diverse Kapitel zu Orten oder Personen eingefügt, die die beiden Reisenden besuchten oder trafen. Besonders hervorzuheben sind diejenigen zu dem Österreicher Paul Dittrich, der als Hoffotograf des Khediven fungierte und in der Literatur bisher des Öfteren fälschlicher Weise als „Deutscher“ firmierte, der tatsächlich deutschen Konkurrenz des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook, bekannt als „doppelter Stangen“, ein Berliner Unternehmen, das lange Zeit vergessen war und erst jüngst wieder Beachtung findet und nicht zuletzt, dem Kasseler August Gorff, der in der Nähe des berüchtigten Kairener Rotlichtviertels ein Gasthaus mit Pension unterhielt, in dem vor allem Künstler und Bierliebhaber verkehrten. Letzterer ist aus allen einschlägigen Reiseführern der Zeit bekannt, Daten zu seinem Leben waren aber bisher ausgesprochen karg. Isolde Lehnert ist es jetzt gelungen einige Geheimnisse seines Lebenslaufes zu lüften. Die genannten, sowie andere Einschübe fügen sich locker in den Verlauf des Buches ein, so dass der Leser quasi gemeinsam mit den beiden Meyerhofs Neues entdecken kann. Dem scharfen Blick des Augenarzt Max Meyerhof entgeht nur wenig, entsprechend viel kann der Leser auch mit und durch ihn erleben. Sowohl das Tagebuch selbst, als auch die Einleitung und Einschübe der Autorin sind in einem sehr unterhaltsamen Ton geschrieben, der die Lektüre zu einem Vergnügen macht. Auch optisch ist das Buch ein Genuss, da jede Örtlichkeit, die die beiden Reisenden besuchen reich mit Fotografien und Postkarten aus der Zeit illustriert ist. Das ausführliche Literaturverzeichnis, sowie zwei Indices zu Personen und Ortsnamen machen das Buch zu einer wertvollen Quelle für all diejenigen, die noch tiefer in die Materie einsteigen wollen. Aber auch ohne jegliches Vorwissen ist das Buch ein sehr unterhaltsamer Lesespaß für diejenigen, die das Land am Nil um 1900 kennenlernen möchten.