Nicht nur interessant - ich habe nach vielen Beispielen versucht, diese Prinzipien im Gespräch mit meiner cholerischen Tochter anzuwenden. Wo es bisher immer wieder zu großen Spannungen gekommen ist, hat sie mir nach Jahren ein Feedback nach einem Gespräch gegeben, in welchem sie sagte, dass sie sich schon sehr lang nicht mehr so verstanden gefühlt hat und dass ich ihr in einer schweren Frage wirklich helfen konnte. Dieses Buch hilft nicht, indem man anderen sagt was sie tun sollen, sondern indem man lernt, genau hinzuhören, hinter Verletzungen Bedürfnisse zu erkennen, und zu verstehen, dass man nicht immer gefragt wird, sondern lediglich aktiv zuhören soll. Ein wunderbares Buch, werde ich sicher mehrmals lesen... hat mir meine Tochter wieder nahe gebracht.
Das buddhistische Wort von Seite 96 ist es, das stellvertretend steht für das ganze Buch „Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens“. Die Schrift des bekannten Psychologen Marschall B. Rosenberg lehrt denn auch die Kunst des Da-Seins. Nicht etwa die Kunst des Lebens schlechthin, aber die Kunst eines ganz wichtigen Aspekts im Leben, nämlich des Miteinanders in der Sprache.Vier Grundelemente sind es freilich, die dieses Miteinander ausmachen. Wichtig sind davon aber vor allem zwei: die Gefühle und die Bedürfnisse – sowohl die eigenen wie auch die des Gegenübers. Kommt man ihnen auf die Spur, so ist es ein Leichtes, in jeglicher erdenklichen Situation „die richtigen Worte“ zu finden. Die Frage, die im Zentrum steht, lautet denn auch: „Was brauchst Du?“ – und: „Was brauchst Du jetzt gerade?“ Statt sich auf die Fehler anderer Menschen zu konzentrieren – wie es so oft geschieht -, sollte man also Augen und Ohren auf ihre Bedürfnisse richten, nicht aber urteilen, nicht diagnostizieren, nicht kritisieren.Der Idealzustand ist erreicht, wenn die Bedürfnisse mit den Gefühlen verbunden sind. Beim Umgang mit Gefühlen wiederum braucht es spezielle Worte, spezielles Vokabular – und die Vorsicht vor sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Vor allem im Arbeitsalltag aber ist es für viele unvorstellbar, ihre Gefühle einzubringen. Oftmals wird dort Konfliktmanagement nötig, zu dem auch die gewaltfreie Kommunikation einen bedeutenden Beitrag liefern kann. Mehr noch: Mit ihrem speziellen Augenmerk, das sich statt auf minutiöse Streitanalyse auf das Entstehen einer „zwischenmenschlichen Verbindung“ (S. 154, s. auch S. 155) richtet, kann sie die Mediation revolutionieren, wie Rosenberg zeigt. Dennoch besteht die gewaltfreie Kommunikation nicht aus Revolutionärem, sondern aus Elementen, die schon sehr lange bekannt sind. Ihr „Taufpate“ ist auch nicht etwa Rosenberg selbst, so macht er klar, denn er verweist auf Mahatma Gandhi, dem die Gewaltfreiheit einer seiner Grundsätze ist.Gewaltfreiheit geht also einher mit einem immer stärkeren Sich-Einfühlen in andere Menschen, mit einem Abnehmen der Gewalt im eigenen Herzen (S. 18). Damit ist der Weg gemacht zu einem Da-Sein für sich selbst und für andere – und zurück zu dem buddhistischen Spruch in der Überschrift, übrigens auch, so mag man sich erinnern, zum Gott Jahwe aus der Bibel. Und das alles, obwohl Rosenbergs Hauptwerk keinen ausdrücklich religiösen Hintergrund für sich in Anspruch nimmt. Die „Gewaltfreie Kommunikation“ ist also ein Buch, das alle Menschen anspricht, ob nun religiös oder nicht. Gewinnen werden mit der Lektüre nicht nur manche Leser, sondern alle, nämlich ein besseres Miteinander als bisher.