Das Warten hat sich gelohnt. Schon wenn die Box in das Haus kommt, ist man begeistert. Das Artwork, die Bilder von Anton Corbijn - alles stimmig und durchdacht. Das Buch beinhaltet Interviews mit den Bandmitgliedern, Bono erklärt die Songs. Man hat noch keinen Ton gehört und ist schon begeistert. So macht CD-kaufen Spaß. Was ist dagegen ein download?Zum Hören der CD sollte man sich Zeit nehmen. Sie erschließt sich dem Hörer nicht sofort. Gut so! Es gibt viel zu entdecken. Die durchweg guten Lyrics, die unglaublich gut produzierte Musik. Was für ein Sound und Hörgenuss!Im Einzelnen:No Line on the horizon: Der Moment in Irland, wenn die See und der Himmel dieselbe Farbe haben. And the Line on the horzion disappears. Wer schon mal dort war, weiß, was Bono meint. Und ein musikalischer Kracher gleich zu Beginn.Magnificent: Ein Liebeslied. Zwei, die zusammen halten und versuchen, ihr Leben lang Gott zu verehren.Moment of surrender / Unknown Caller: Die Titel gehören zusammen, bilden quasi eine Fortsetzungsstory. Es geht um Kriegsveteranen, die mit dem Erlebten nicht klar kommen. Etwas anderer Sound mit keyboard, Cello, french horne.IŽlll go crazy..... Der Text des Songs ist politisch. Bono wünscht sich (manchmal) Randale und meint, dass jede Generation die Chance hat, die Welt zu verändern.Get on your boots: Es geht um die 1. Liebe im Leben. Und um die Tatsache, dass Glück und Horror dicht beieinander liegen. Während der Ferien in Frankreich, als die Band mit der Familie unbeschwerte Tage in ihren Ferienhäusern verbrachte, waren nachts die Flieger und Bomber auf dem Weg in den Golf zu hören.Fez- Being born: Aus der Marokko-Session. Musikalisch klasse gemacht mit musikalischen Einblendungen von Get on your boots".Stand up comedy: Schwere Gitarrenriffs prägen das Bild und erinnern an Led ZeppelinŽs Immegrant Song. Hier hat sich die Zusammenarbeit von The Edge mit Jimmy Page für den Film It might get loud" ausgewirkt!White as snow: Where I come from, there were no hills at all. Noch ein Lied, dessen Text mir nicht ganz klar ist. Vielleicht geht es um Irland, eine Reise zurück zur Kindheit? Ein ruhiger Song, in dem Vergebung eine große Rolle spielt.Breath: Die musikalisch vielleicht schwerste Nummer. Die muss man mehrmals hören. Es gibt viel zu entdecken. Wirkt beim ersten Hören verwirrend.Cedars of Lebanon: Die Geschichte eines Kriegsberichterstatters. Ein gelungenes musikalisches Ende.Zur DVD: Verantwortlich für die 54-minütige Geschichte sind Anton Corbijn und Bono. Der Film lässt den Zuschauer teilhaben an einer Fahrt durch das nächtliche Paris zu Unknown caller". Straßen und Häuser rauschen vorbei. Mit was fahren wir? Erst später sieht man das Polizeimotorrad und den Cop. Restart and reboot yourself" - den Ratschlag nimmt der Polizist wörtlich. Er tritt seine Maschine um, übergießt sie mit Benzin. Zu Breath" passiert das Ganze. Er zündet sich eine Zigarette an, die er nach ein paar Zügen auf die Maschine wirft.Neue Klänge unterlegen die Weiterfahrt auf einem zivilen Motorrad nach Spanien. Der Film wird jetzt farbig und man lauscht. Winter" heißt der schöne, eingängige Song. Warum ist er nicht auf der CD?Unser Filmheld macht auf dem Motorrad eine Pause. Am Himmel zeichnen Wolken geheimnisvolle Zeichen. Man glaubt, die Umrisse von Brasilien zu erkennen. White as snow" erklingt.Zum Titelsong geht die Fahrt weiter. Bei Fez - Being born" entschließt sich unser biker zu einem Stop in einem Schnellrestaurant. Eine Bedienung steht nägelkauend und gelangweilt am Tresen. Ein Gespräch zwischen den beiden findet offenbar nicht statt.Zu Magnificent" hat die Bedienung die Idee, den Fernseher anzustellen. Und, wie ein Wunder, U2 performen. Das Bild ist schlecht und verzerrt, das gehört offenbar zur Inszenierung. Zwischen den beiden entsteht ein längerer Blickkontakt.Stand up Comedy". Die Fahrt geht weiter und endet 7km vor Cadiz. Zu Get on your boots" besucht der biker eine Bar, oder eher ein Stripteaselokal. Es gibt eine Tänzerin und einen Barkeeper, die Bar ist sonst leer. Aber auch das ist offensichtlich nicht das, was er sucht. Er zahlt sein Getränk mit seinem Motorradschlüssel. Offensichtlich weiß er, dass er das Bike nicht mehr braucht.Er setzt seine Reise zu Fuß fort. Moment of surrender" erklingt, er erreicht den Strand und schläft ein.Cedar of Lebanon" ist der letzte Song auf der DVD. Unser Held erwacht am Strand, der Film wird wieder schwarz-weiß. Er packt sein Sachen, findet ein kleines Boot und rudert aufŽs Meer. Ende offen.Man kann sich lange mit Musik und Lyrics, Interviews, DVD und Fotos beschäftigen. Und es wird nie langweilig!
Was mit diesem Album veröffentlicht wurde hat Note für Note eine Klasse, die in dieser Musikrichtung nur selten erreicht wurde und nur schwer zu toppen ist. Eben das besondere U2-i-Tüpfelchen, das von so vielen Bands auf immer und ewig gesucht und nie gefunden wird. Das heißt nicht daß mir Alles von U2 gefällt, nur weil ihr Bandname draufsteht, aber dieses Album ist einfach genial und ist mit den Meilensteinen Joshua Tree und Achtung Baby auf Augenhöhe. Nur eben unter den Gesichtspunkten einer völlig anderen Zeit. Die Scheibe rockt und berührt, die einzelnen Songs sind durchaus verschachtelt und sperrig, einmal durchhören reicht auf keinen Fall aus, dafür ist das Werk einfach zu komplex und vielseitig. Und was es hier alles zu entdecken bzw. zu erhören gibt; Orgelklänge, Piano, Cello, Posaune, aber alles sehr dezent und wohlplatziert eingesetzt. Erfreulich auch, daß das Album sich nicht billig anbiedert, weil darauf verzichtet wurde, bei jeder Gelegenheit, jeden Effekt einzusetzen. Trotz der (für U2) sehr umgangreichen Instrumentalisierung klingen die Tracks sehr transparent, roh und keinesfalls überproduziert, wie das beim Vorgängeralbum der Fall war, welches etwas zugekleistert wirkte (Glöckchen hier, Glöckchen da). NLOTH ist ein tatsächliches Album mit rotem Faden und nicht nur eine bloße Ansammlung von Songs. Der Gesang ist sehr gut, schön daß Bono sich in mehreren Liedern auch mal zurücknimmt und in einer tieferen Tonlage singt, die Rhytmusabteilung treibt druckvoll voran und Edge scheint in Höchstform durch seine Gitarre(n) zu kommunizieren, wie lange nicht. Wer dazu geneigt ist, das Album intensiv anzuhören, sollte auch auf den grandios gespielten Bass achten. Bonos Texte erscheinen diesmal subtiler und in sich gekehrter, was dem Gesamtkonzept zusätzlich Stärke gibt. Wem diese Platte nicht gefällt, sollte sich fragen, ob er diese Musikrichtung überhaupt mag. Auf U2 bzw. auf Bono (im Hinblick auf sein soziales Engagement) einzudreschen, scheint zur Zeit irgendwie hip zu sein, gehört aber nicht in eine Albumrezension. Ich finde es armselig jemanden dafür zu verurteilen, daß er etwas Gutes in der Welt hinterlassen möchte, auch oder gerade wenn diese Person sehr viel Geld hat. Ein Vorredner (Ein-Stern-Bewertung) erwähnte, daß man bei Zeiten lieber für junge "hungrige" Bands Platz machen sollte (als gäbe es nicht genug Platz für gute Musik). Nun kann eine Band wie U2,die auf einen ebenso genialen wie umfangreichen Backkatalog aus drei Jahrzehnten zurückblichen kann, sicher selbst entscheiden, wann sie das Feld räumt. Ebenso steht es den "jungen, hungrigen Bands" frei, durch Originalität und musikalisches Gespür zu überzeugen (sofern sie imstande sind länger als für 2-3 Alben zusammen Musik zu machen). Solange U2 zu solchen Alben fähig sind, können sehr viele Bands noch sehr viel davon lernen. Danke U2, für ein großartiges Album !!