Das Buch ist genau das, was es in seinem Vorwort verspricht - eine tiefschürfende Textinterpretation durch ausgewiesene Leibniz- Experten. Wer also eine fundierte Einführung in die Leibnische Monadenlehre sucht, wird an diesem Buch nicht vorbei kommen. Wer dagegen (wie ich) eine schnelle Übersicht ( beispielsweise für eine Prüfung ) braucht, ist mit diesem Buch schlecht beraten.
Deutschsprachige Einführungen in Leibniz‘ Philosophie gibt es viele, adäquate Lektürehilfen, durch die man sich die Grundbegriffe seines Denkens eigenständig erarbeiten kann, allerdings nur wenige. Hier liegt gewohnheitsmäßig die Stärke der Reihe „Klassiker auslegen“. Sie erweist normalerweise sehr gute Dienste, was die eigenständige Arbeit mit philosophischer Literatur betrifft. Man wird durch diese Bände mit dem Problemhorizont vertraut gemacht, aus dem heraus sich eine Philosophie entwickelt, findet die Kernthesen bestimmter Abschnitte oder Kapitel pointiert und erhält – vom gegenwärtigen Forschungsstand ausgehend – Impulse, was eine eigenständige Interpretation betrifft. Gerade für Leibniz‘ Monadologie, ein sehr fragmentarisch aufgebautes und in gewisser Weise „aphoristisches“ Werk, sind gewisse Hilfestellungen angebracht. Wer jedoch die hier vorgelegten Aufsätze verstehen will, der muss bereits über ein nicht unerhebliches Vorwissen verfügen, was Leibniz‘ Philosophie betrifft. Viele der Aufsätze – sogar die Mehrzahl – steigen bereits in die Interpretation ein, ehe überhaupt einmal geklärt ist, was dieser oder jener Begriff bedeutet, wie dieses oder jenes Prinzip wirkt, wie diese oder jene Metapher gemeint ist usw. Symptomatisch ist hier die Einführung von Hubertus Busche: Hier ist in Bezug auf das Wesen der Monade bereits von Winkelradien, von einem „spirituellen und ätherischen Fluidum“ usw. die Rede, ehe überhaupt einmal geklärt ist, worin das Eigentümliche der leibnizschen Substanzdefinition denn nun eigentlich besteht.Klar, in didaktischer Hinsicht ist Leibniz vermutlich sehr viel herausfordernder als beispielsweise Marcus Tullius Cicero, Immanuel Kant oder William James, zu denen es meiner Meinung nach hervorragende „Klassiker auslegen“-Titel gibt. Dennoch – oder gerade deswegen – wäre hier eine klügere Vorgehensweise angebracht gewesen. Zum Glück gibt es auch englischsprachige Literatur, etwa die Kommentare von Nicholas Rescher, Anthony Savile oder Lloyd Strickland. Wieso schaffen wir Deutschen das nicht?[Der Gerechtigkeit halber möchte ich sagen, dass es einzelne Aufsätze gibt, die überaus hilfreich sind, etwa die Beiträge von Sybille Krämer und Wilhelm Schmidt-Biggemann.]