Ich hatte diese Oper auf Schallplatte aber, wie dass geht, auf einem Augeblick war es, tick, tck, tick :(War unglaublich froh diese historische Aufnahme wieder problemlos hören zu können
Von der Besetzung her müßte diese Aufnahme der DGG aus dem Jahr 1964 einen Spitzenplatz für sich beanspruchen dürfen. Doch leider reicht es dazu nicht ganz. Wenn die Produktion nicht so zündet, wie es die großen Namen versprechen, wenn das Ganze hinter der Summe seiner Teile zurückbleibt, so liegt das nach meinem Empfinden daran, daß diese Teile, so gut sie im einzelnen auch sein mögen, nicht so recht zusammenpassen.Wie nicht anders zu erwarten, singt Carlo Bergonzi mit Eleganz und Stilgefühl, und gut bei Stimme ist er auch. Aber so ganz kann mich sein Herzog nicht überzeugen. Es fehlt ihm nach meinem Gefühl die erforderliche Portion Sinnlichkeit und Verführungskunst, die für diese Rolle notwendig ist. Man höre zur seinen italienischen Kollegen Ferruccio Tagliavini in der alten Cetra-Produktion unter Questa, oder Alfredo Kraus unter Georg Solti, um zu verstehen, was ich meine. Das soll auf keinen Fall ein abfälliges Urteil über den von mir hoch verehrten Carlo Bergonzi sein, aber ich denke, daß er hier seine schier unbegrenzten Mittel und seine reiche Erfahrung als Verdi-Sänger nicht voll auszuschöpfen versteht.Dietrich Fischer-Dieskau ist ein vielseitiger, großartiger Künstler, aber die Titelpartie erfordert mehr als eine schöne Stimme und notengetreues Singen. Er ist nun einmal in erster Linie ein Liedersänger, der durchaus in der Lage ist, einen Vater Germont überzeugend auf die imaginäre Bühne zu zaubern, aber der Dramatik des Rigoletto bleibt er doch einiges schuldig. Da hätte ich mir doch einen Ettore Bastianini oder Giuseppe Taddei gewünscht, denen diese Rolle wie auf den Leib geschrieben war. So liefert uns Fi-Di ein schönes, aber kein wirklich überzeugendes Profil des unglücklichen Hofnarren.Und nun kommen wir zu Renata Scotto, die als Gilda für mich eine glatte Fehlbesetzung ist. Daß sie über eine viel zu voluminöse Stimme für die Rolle des zarten jungen Mädchens besitzt, müßte nicht unbedingt ein Handicap sein, wenn sie sich ihre große Vorgängerin Maria Callas zum Vorbild genommen hätte und darstellerisch ausgeglichen hätte, was ihr stimmlich für die Partie nicht eignet. Doch sie klingt leider viel zu reif und mächtig, um auch nur annähernd ein glaubhaftes Rollenprofil abliefern zu können.Dagegen ist die relativ kleine Partie der Maddalena mit Fiorenca Cossotto geradezu luxuriös besetzt. Sie singt so makellos und stellt auch schauspielerisch eine so mitreißende Figur dar, daß daraus fast eine Hauptrolle wird.Ivo Vinco ist ein guter Sparafucile, der aber so große Rollenvorgänger wie Cesare Siepi oder Giulio Neri nicht vergessen machen kann. Er singt schön und notengetreu, doch für die Bedrohlichkeit des Banditen fehlt ihm das nötige Volumen. Die übrigen Nebenrollen sind alle angemessen bis gut besetzt, da gibt es keinerlei Beanstandungen. Hervorheben möchte ich noch besonders den Marullo von Virgilio Carbonari.Chor und Orchester der Mailänder Scala sind in allerbester Form. Der erfahrene, langjährige Chordirektor Roberto Benaglio hat seine Sängerschar bestens einstudiert, und das Orchester macht dem Ruf, eines der besten Italiens zu sein, alle Ehre.Vielfach ist Rafael Kubelik der Vorwurf gemacht worden, daß es seinem Dirigat an Schwung fehle, daß er zu gemächlich vorgegangen sei, ja, daß alles bei ihm ein bißchen "ledern" klinge. Das kann ich nicht nachvollziehen. Es mag sein, daß Kubelik in zuvorderst ein Konzertdirigent war, aber muß das unbedingt ein Nachteil sein? Ich habe den Eindruck, daß er das Orchester mit Umsicht führt und liebevoll manche Feinheit der Partitur ans Licht befördert, über die andere mit leichter Hand hinweggehen. Er hat jedenfalls sein Ensemble und auch die Sänger in jedem Moment voll im Griff, und unter dem Strich ist er nicht wesentlich langsamer als die meisten seiner Kollegen.Insgesamt liegt hier eine hochwertige Produktion vor, die aber im sängerischen Bereich einige Wünsche unerfüllt läßt. Klangtechnisch ist die Aufnahme von gediegener Qualität, alles kommt sehr transparent und mit guter Tiefenstaffelung daher. Da kann sich die alte Aufnahme mit den meisten jüngeren durchaus messen. Die Textbeilage ist leider nicht sonderlich üppig, und es fehlt auch das Libretto. Bei dem hohen Bekanntheitsgrad des "Rigoletto" wird das aber für die meisten Opernfreunde zu verschmerzen sein.