Viele Vorrezensenten haben hier schon alles Wesentliche über den Inhalt gesagt. Ich bin auch auch ein bisschen spät dran. Aber ich suchte eine Urlaubslektüre und stieß auf dieses Buch. Da mir die meisten deutschen Übersetzungen solcher Bücher immer sehr hölzern und gestellt erscheinen, wo für meinen Geschmack eine viel zu klischeehafte Sprache benutzt wird, mit Vokalbeln wie "Axemen", "Tieftöner", "Shouter" und "Schießbude" um nur einige aufzuzählen, entschied ich mich für die englischsprachige Version. Der Urlaub war viel zu lang für dieses Buch. Ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen und wenn es schon sein musste, dann freute ich mich schon auf den nächsten Moment, an dem ich weiterlesen konnte. Ich lese wahnsinnig gerne Musikerbiografien, aber The Dirt ist das beste, was ich auf diesem Gebiet je in Finger bekommen habe. Mötley Crüe haben in ihrer Karriere als Musiker viele (oder alle?) Rekorde gebrochen und hätte ein Journalist alleine eine Biografie über diese Band verfasst, wäre niemals dieses vielschichtige Werk dabei herausgekommen. Man darf dabei vielleicht wirklich nicht alles für bare Münze nehmen. Wer nach eigenem Bekunden ständig besoffen oder sonstwie zugedröhnt war, leidet sicher unter Gedächtnislücken oder zumindest unter leichten Wahrnehmungsstörungen in seiner Vergangenheitsbewältigung. Aber egal. Was die Herren Sixx, Mars, Lee und Neil hauptsächlich hier erzählen, ist sowas von fesselnd und faszinierend, wen das nicht in seinen Bann schlägt, der ist selber schuld. Mötley Crüe sind dekadent, angeberisch, geschmacklos...einfach spitze! Nein, Spaß beiseite, man schont sich selbst nicht in diesem Buch, geht aber auch nicht zimperlich mit anderen um. Frauenfeindlich ? Ja, auch. Aber man bekennt sich dazu und zeigt sich einsichtig, ja hin und wieder geradezu fast rührend reumütig. Wie offen hier mit Erfolg und Mißerfolg, Karrierehochs und -tiefs und auch mit persönlichen Schicksalsschlägen umgegangen wird, das hat schon fast etwas von Seelenstriptease.Wie dem auch sei. Ich finde, egal für welche Art von Rockmusik man sich auch immer begeistert, dieses Buch muss man gelesen haben und das ist keine Übertreibung. Als Mötley Crüe auf der Szene auftauchten, war die NWOBHM gerade in vollem Gange, Judas Priest, Iron Maiden, Saxon oder auch Krokus aus Solothurn/CH waren die angesagten Bands und ich selbst ein Metalhead erster Güte. Als wir im Kreise Gleichgesinnter damals Too Fast For Love zum ersten Mal hörten, kam die amerikanische Szene wieder näher in unser Bewustsein. Da tat sich was Neues auf, jenseits von Van Halen oder so. Höre ich Mötley Crüe heute wieder, hält sich meine Begeisterung mittlerweile in Grenzen, denn Geschmäcker können sich nach fast 30 Jahren nunmal ändern. Beim Lesen dieses Buches hörte ich die Musik von Mötley Crüe teilweise im Hintergrund(kopf), ohne dass eine Musikquelle auch nur annähernd in der Nähe gewesen wäre. Es war plötzlich alles wieder da.Frankie died just the other nightsome say it was suicidebut we all knowhow the story goes...In diesem Sinne !