The Human Stain war erst das zweite Buch, das ich von Philip Roth gelesen habe, die Kunde von seinem Ruhm und seiner Sprachgewalt hat mich erst spät ereilt, und mit jedem Mal, das er als Nobelpreiskandidat gehandelt wurde und die Auszeichnung dann doch nicht erhiellt, verstärkte sich mein Bedürfnis, doch einmal etwas von ihm zu lesen.Dieses Buch ist seinem Spätwerk zuzuordnen (er hat das Schreiben letzten Herbst offiziell eingestellt), was in diesem speziellen Fall viele Vorteile mit sich bringt: Roth spielt seine Erfahrung und sprachliche Überlegenheit souverän aus. Die Geschichte des gemobbten College-Professors der sich auf einen Rachefeldzug begibt, der von Anbeginn an zum Scheitern verurteilt ist, in der Wiedergabe des Roth-LeserInnen geläufigen Nathan Zuckerman gehört zum Besten was um die Jahrtausendwende geschrieben wurde.Es ist einerseits die Geschichte selbst, die mit einigen unvorhersehbaren Wendungen mehrere Male überraschende Verläufe nimmt und noch einmal die grossen Themen von Roth als Person und dem 20. Jahrhundert als Zeitalter aufgreift: Familie, Rassismus, Ethnizität, sozialer Aufstieg, Trauma, das Judentum.Es ist die Art in der Roth schreibt: Geschickt verwebt er die Perspektiven der verschiedenen ProtagonistInnen miteinander und am Ende fühlt man mit den übelsten Figuren des Romans mit, fiebert mit ihnen darum, ob sie es schaffen, Reputation und Karriere wiederherzustellen, oder nur ihren Frieden wiederzufinden. Roth bereitet es offensichtlich ein diabolisches Vergnügen, seine Leserschaft solcherart in den Abyss zu schicken, mehr als einmal verleitet er subtil zur Empathie mit den GegenspielerInnen von Zuckerman und Coleman Silk. In dieser Weigerung zu verurteilen tritt aber auch eine, man möchte respektloserweise schreiben, Altersmilde zu Tage ("Dem jungen Zuckerman wäre das nicht eingefallen!") und der humanistische Boden auf dem sich dieser Titan bewegt.Nicht zuletzt schafft es Roth, wie kaum ein anderer Autor, seine LeserInnen in die Handlung hineinzuziehen: Gerade die Bücher der Zuckerman-Reihe werden zu Zeit- und Ostküstenreisen, dieser Chronist des 20. Jahrhunderts schleppt einen überall dahin mit, wo die tiefgreifenden Brüche passiert sind. Sei es Vietnam, die Bürgerrechtsbewegung oder der Fall Lewinsky. Dieser stille und meisterliche Beobachter lässt nichts aus, und während man den Eindruck gewinnt, hier würde jemand mit seiner eigenen durchschnittlichen Existenz kämpfen, zeichnet sich das grosse Bild, das dahinterstehende epochale Gemälde erst mittendrin ab, wenn es schon Konturen annimmt.Roth erzählt Geschichten die weit über ihre eigentlichen, alltäglichen und ans Banale grenzenden Handlungsstränge hinausgehen. Seine Bücher sind immer fest vor dem intellektuellen Horizont ihres Autors verankert, ihre Aussagen gehen stets über das Persönliche, das sie Eingangs zu repräsentieren scheinen, hinaus.Ein grossartiges Buch.
Amazing title, amazing marketing… knowing and ignoring the book for good twenty years I finally red about black Americans, Jews and New England bigotry in the 1990s. Not a decision really rather a good coincidence. Now this book is a time chronicle about fellatio in the White House.What did change in terms of moral standards and way of living? Its depressing.This book is a good read and in retrospective it has been a warning sign: Ridiculous ways lead to ridiculous histories. Histories I love this word embodied by Herodot.