Bei dem recht kompakten Roman des Pakistaners Mohsin Hamid (was seinen Umfang betrifft) handelt es sich um eine literarische Verarbeitung der einschneidenden Ereignisse des 11. September 2001 und des schwierigen Verhältnisses zwischen dem Westen und der islamischen Welt. Geschrieben ist er aus dem Abstand mehrerer Jahre nach den Ereignissen, im Original ist er 2007 erschienen.Einschneidend auch auf der ganz persönlichen Ebene waren die Ereignisse für den Ich-Erzähler des Romans, dessen Name Changez lautet. Es ist sicherlich kein Zufall, dass der Name dem englischen Wort "change" so ähnlich ist. Changez ändert sich aufgrund der Ereignisse des 11. September in einem Maße wie es am Anfang des Buches für den Leser noch nicht denkbar ist.Die Reclam-Ausgabe dieses Romans ist 2013 erschienen, sie enthält den englischen Text mit deutschen Vokabelhilfen. Eine sehr gute Leistung des Herausgebers stellen die zahlreichen Anmerkungen und das Nachwort dar.Hamid hat seinen Roman als Rahmenerzählung aufgebaut. Den Rahmen bildet das Treffen des Protagonisten Changez mit einem nicht weiter vorgestellten Amerikaner in einem Café in der pakistanischen Millionenstadt Lahore im Stadtviertel Alt Anarkali ("named after a courtesan immured for loving a prince" - benannt nach einer Kurtesane, die für ihre Liebe zu einem Prinzen eingemauert worden ist). Changez hält das ganze Buch lang einen Monolog, sein Gegenüber tritt nicht direkt in Erscheinung, spiegelt sich aber in der Rede von Changez. Am Ende des Buches bringt Changez den Amerikaner in sein Hotel zurück. Soweit der Rahmen.In seiner Rede reflektiert Changez, er ist Ende 20, sein ganzes bisheriges Leben. Eine prägende Zeit hat er in den USA verbracht, in Princeton und New York, weitere Schauplätze sind Manila auf den Philippinen und Valparaiso in Chile. Am Anfang erscheint er als "lover" von Amerika, der Princeton alles verdankt. Er scheint eine Art Alter Ego von Hamid zu sein, der ebenfalls in den USA studiert und bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft McKinsey gearbeitet hat. Im Buch heißt die Gesellschaft, bei der sich Changez seine Lorbeeren als Wirtschaftsprüfer verdient, übrigens Underwood Samson & Company.Irritierend ist am Anfang erst einmal nur der Bart von Changez- ein Bart wie ihn Islamisten tragen. Dann treten in jedem Kapitel neue und immer mehr irritierende Momente auf. Der 11.September ändert alles. Changez verlässt schließlich Amerika und kehrt nach Lahore zurück. Durch seine Erlebnisse wurde er zeitweise zu einem "incoherent and emotional madman, flying off into rages and sinking into depressions" - einem chaotischen und emotionalen Irrsinnigen, der sich aufschwingt in Wutzustände und der versinkt in Depressionen. Das Buch hat durchaus auch eine psychologische Ebene.Es bleibt bis zum Schluss unklar, ob es sich bei dem Amerikaner einfach um einen Touristen oder um einen "Mann auf einer Mission" handelt, ob die Ausbeulung seines Jackets auf einen Pistolenhalfter oder auf die Hülle seiner Visitenkarten zurückzuführen ist. Gegen Ende des Buches erfährt man von Changez: "I was warned by my comrades that America might react to my admittedly intemperate remarks by sending an emissary to intimidate me or worse" . (Ich wurde von meinen Genossen gewarnt, dass Amerkia auf meine zugestandenermaßen unmäßigen Bemerkungen reagieren könnte, indem es einen Abgesandten schickt, um mich einzuschüchtern oder Übleres.) Changez hält Vorlesungen an der Uni, er ist bei den Studenten - "Kommunisten, Kapitalisten, Feministen und Relgiöse, die die heiligen Schriften wortwörtlich auslegen" - überaus beliebt. Ein Terrorist aber ist er nicht, höchstens ein Fundamentalist wider Willen.Eine weitere wichtige Person ist Erika, deren Name sich - das ist sicherlich kein Zufall - auf Amerika reimt. Erika ist die Freundin von Changez in New York, eine Tochter aus wohlhabendem Hause. Durch sie erhält Changez Anschluss an die besser gestellten sozialen Kreise in New York. Er denkt daran, dass auch seine Familie in Pakistan ursprünglich zu diesen Kreisen gehörte, jedoch im Laufe der Generationen an Wohlstand eingebüßt hat. Die Beziehung zu Erika ist kompliziert. Erika hat den Tod ihres Jugendfreundes Chris noch nicht verwunden und kann keine neue Beziehung eingehen. Hamid nennt ihren Zustand "Nostalgia" und zieht eine Analogie zu Amerika nach dem 11. September: "America, too, was increasingly giving itself over to a dangerous nostalgia at that time." (Auch Amerika gab sich zu dieser Zeit zunehmend einer gefährlichen Nostalgie hin) Schließlich verliert Changez Erika.Bei dem Werk handelt es sich gerade auch um einen Roman über die Identitätsprobleme eines Migranten. Fühlte er sich 2001 schon als New Yorker, so hat er danach öfter Erlebnisse der Ausgrenzung. Eigentlich wunderbar integriert, erschrickt er selbst über seine erste Reaktion auf die Anschläge direkt am 11.September, die man auf deutsch als "klammheimliche Freude" beschreiben könnte. Er weiss, dass er Erika keinen Halt geben konnte, weil er selbst Identitätsprobleme hatte. Übrigens: auch das unterschiedliche Verhältnis zu Frauen und zur Sexualität in Pakistan und in der westlichen Welt wird reflektiert.Da bleibt mir noch die Entscheidung, ob ich dem Buch 4 oder 5 Sterne geben soll. Ich entscheide mich, der Reclam-Ausgabe alle 5 Sterne zuzugestehen, weil sie wie gesagt sehr gut ediert ist.
Den Roman habe ich gekauft, nachdem ich "Moth Smoke" von Hamid gelesen habe. Wie auch sein anderer Roman ist "The Reluctant Fundamentalist" ein packender Roman, über den man auch nach dem Lesen noch lange nachdenken kann/muss. Ich habe das Buch gekauft und innerhalb von wenigen Tagen durchgelesen.Bereits auf den ersten Seiten strickt Hamid den Rahmen für den Roman und damit die Problemlage. Der Hauptcharakter Changez erzählt seine Geschichte einem fremden Amerikaner an einem Abend in einem Café in Lahore. Changez ist in Pakistan geboren, aber in Amerika aufgewachsen und erklärt sich zu Beginn des Romans zu einem Amerikaliebhaber. Er hat beruflichen Erfolg und verliebt sich in ein Mädchen, doch seine Verbindungen zu Amerika ändern sich mit den Attentaten vom 11. September 2001. So werden Probleme seines Heimatlandes für ihn immer wichtiger. Es handelt sich bei dieser Geschichte um eine Erzählung, die dem Leser tiefe Einblicke in das Abwägen und die widersprüchlichen Gedanken eines Muslim, der in New York lebt, gibt.Der Roman ist, wie auch "Moth Smoke", sprachlich sehr ansprechend geschrieben, aber auch für Nicht-Muttersprachler sehr gut zu verstehen. Insgesamt also echt packend und toll geschrieben. Ein Must Have!