Der erste Assay ist über 30 Jahre alt. Er stammt aus den 90er Jahren und entsprechend angestaubt ist sein sozialer Kontext. Höhepunkt des „war on drugs“ unter Clinton (weit schlimmer als unter Nixon oder Reagan), als einem mal ganz schnell Haus und Besitz konfisziert wurden, wenn man mit einem Joint erwischt wurde (oder mit einer Schlafmohnpflanze im Garten). Daher ist der Hauptfokus des Assays, bei dem es um die verständliche Angst des Autors vor Strafverfolgung geht, weil er ein paar Mohnpflanzen im Garten hat, auch nur von historischem Interesse. Zu Opium etc. erfährt man nun auch nicht viel neues. 3 SterneDer überraschenderweise beste Assay ist der mittlere über Koffein (aus Kaffee oder Tee). Weil legal ist hier keine Paranoia über Strafverfolgung, sondern der Fokus auf der breiten und täglichen Verfügbarkeit. Bottom Line, wir sind alles Süchtige, die sich durch diese Droge um den täglichen gesunden Schlaf bringen, weil selbst der Kaffee am Morgen noch in die Nacht hinein wirkt. Interessant der Selbstversuch des Autors, drei Monate auf totalen Entzug zu gehen und mit Hilfe von Kamillentee durch den Tag zu kommen. Schwierig. Die erste Tasse Espresso danach? Wie ein Kokain Kick. Ist das Zeug wirklich legal? Fragt der Autor überrascht.Überflüssig bei diesem Kapitel ist nur die übliche Selbstgeiselung linker westlicher Intellektueller, ohne die man offensichtlich in den USA kein Buch mehr schreiben kann. Zumindest nicht, wenn man in Berkley wohnt und auf gute Kritiken in der NYT schielt. Daher lange und breite Exkursionen zum Sklavenhandel, der Sklaverei in den USA und zum Opiumkrieg in China. Alles richtig, nur seltsamerweise wieder kein Wort zum Sklavenhandel der Araber, obwohl der Autor lang und breit betont, dass man ihnen den Kaffee verdankt. Aber die Sklaverei in Afrika haben die Amerikaner erfunden? Bevor die Weissen kamen wurden auf den Kaffeplantagen der Osmanen wurden die Bohnen nicht von afrikanischen Sklaven sondern von Türken gepflückt? Natürlich nicht. Dennoch 5 Sterne.Mit dem dritten Assay habe ich die meisten Probleme, denn hier geht der Autor komplett „woke“. Das Wort verwendet er übrigens selbst, daher ist das ein Zitat und kein Angriff. Abgesehen von ein paar Seiten zu seinem eigenen Trip mit reinem Meskalin, wo er mehr oder weniger das erlebt, was schon Huxley in „ Doors of perception“ beschrieben hat, beschäftigt sich der Assay mehr mit der Kultur von Peyote und anderen Kakteen in den beiden Amerikas. Der rote Faden ist sein Wunsch, als nicht Indigener einmal an einem heiligen Ritual mitzumachen. Ganz schwierig, weil er ja zur falschen Gruppe gehört. Dennoch interessant, wenn er nicht so penetrant Angst davor hätte, von den eigenen Leuten für ein falsches Wort gecancelt zu werden. Das Gespenst von „cultural appropriation“ schwebt über jeder Seite, wobei man den Eindruck hat, dass der Autor hier gar nicht einmal seine eigene Überzeugung von sich gibt, sondern nur Lippenbekenntnisse abgibt, um seine Leser und die möglichen Kritiker milde zu stimmen.Neben dieser intellektuellen Feigheit verwundert auch etwas die Ernsthaftigkeit mit der den Glauben der „indigenen Kulturen” beschreibt und die unkritsche Beschreibung ihren heiligen Ritualen. Bei nüchterner wissenschaftlicher Betrachtung, was bei einem Buch über Drogen aus Pflanzen durchaus angemessen wäre, ist da viel esoterisches Mambo Jambo, denn es geht hier um Geister, spirituelle Heilung, Schäden durch Zivilisation, etc. Auf einmal ist auch die Verwendung von Tabak ganz cool, denn nur die Menschen im Westen missbrauchen die Droge. Richtig angewendet heilt Tabak, und ist nicht etwa gesundheitsschädlich, etc.Kann man alles denken und schreiben! Doch wie ehrlich ist das alles für einen durchaus rationalen Intellektuellen. Insbesondere im Vergleich zu seiner eigenen Kultur, die er vermutlich eher kritisch sieht. Ansonsten fehlt eindeutig ein vierter Assay. Nämlich der über den Weinstock und die Traube, aus der die Droge Alkohol entsteht. Und dann bitte kein böses Wort darüber, sondern eine ausführliche Beschreibung über das Wunder der Eucharistie, wo aus dem Wein das Blut des Heilands wird, der magisch die Menschen von ihren Sünden heilt. Aber das würde natürlich nur ein müdes Lächeln bei der Zielgruppe des Autors auslösen. Doch Geister und Schamanen und Peyote sind super cool? Drei Sterne