Zustellung war hervorragend. Der Preis ist auch in Ordnung.Selassis Erzählung hat mir sehr gut gefallen, Ich möchte hier nichts vorweg nehmen aber das Buch ist sehr dramatisch und fesselnd. Ich habe das Buch verschlungen und war bis zum letzten Wort auf der letzten Seite begeistert.Sie ist zu einer meiner Lieblings Amerikanisch-afrikanischen Autorinnen geworden.
"Kweku dies barefoot on a Sunday before sunrise, his slippers by the doorway to the bedroom like dogs." Mit diesem Paukenschlag beginnt Taiye Selasis Erstlingswerk "Ghana Must Go", die Geschichte vom Auseinanderbrechen und Zusammenfinden einer afrikanischen Familie in Amerika, erzählt in einem Mosaik von Rückblenden und Erzählperspektiven, in denen sich das Drama erst gemächlich und dann immer schneller entfaltet.Die Familie, das sind Kweku Sai, erfolgreicher Chirurg mit ghanaischen Wurzeln, Fola, seine Frau, geboren in Nigeria, die ihm und der Familie zuliebe keine Karriere gemacht hat - eine Familie kann nur einen Traum verwirklichen - und Olu, Kehinde, Taiwo und Sadie, die vier schönen, begabten Kinder. Eine Idylle, die von einem Augenblick auf den anderen zerstört wird, wenn Kweku die Familie völlig überraschend verlässt und nach Ghana zurückkehrt. Nur Kehinde weiß warum, hat seinem Vater aber versprochen, das nicht zu verraten.Es bleibt nicht bei diesem Schicksalsschlag: Um den Zwillingen Kehinde und Taiwo eine angemessene Schulbildung zu ermöglichen - Geld ist praktisch keins da - schickt Fola sie nach Lagos zu ihrem reichen Halbbruder. Was sie dort erleben, ist in einer der herzzerreißendsten Passagen des Buches beschrieben und trägt ganz wesentlich dazu bei, dass sich zwischen sämtlichen Familienmitgliedern ein tödliches Schweigen ausbreitet und der Kontakt untereinander fast völlig verloren geht.Erst Kwekos Tod, sechzehn Jahre später, nähert die Familie wieder aneinander an. Alte Wunden werden wieder aufgerissen, aber ein neuer Heilungsprozess wird dadurch in Gang gesetzt, und die Sprachlosigkeit findet endlich ein Ende."Ghana Must Go" ist insofern autobiografisch geprägt, als die Protagonisten, ebenso wie die Autorin, zu den von ihr selbst so genannten "Afropolitans" gehören, Afrikanern, die sich durch Begabung und Fleiß und gegen die Ressentiments der westlichen Gesellschaft in dieser einen Platz erkämpft haben. Wie schwierig das immer noch ist, zeigt vor allem Kwekus Schicksal. Taiye Selasis Alter Ego ist Taiwo, als hochbegabter, schöner Zwilling mit ghanaisch/nigerianischen Eltern, und man kann nur hoffen, dass mit diesen Rahmenbedingungen das Autobiographische mehr oder weniger umrissen ist.Taiya Selasis Prosa war für mich eine völlig neue Erfahrung. Elegant, poetisch und häufig losgelöst von grammatikalischen Konventionen ist der Roman für einen Nichtmuttersprachler vor allem zu Beginn eine gewisse Herausforderung. Aber dann wird es der reine Genuss.
Ein sehr ungewöhnliches Buch, das wunderschöne Bilder hervorruft. Humor, Trauer, Spiritualität, eine spannende Familiengeschichte - es ist alles dabei. Sehr empfehlenswert.