Ein brillianter Ex-Cop, ein Rebell, ein rastloser Wanderer, ein kalt kalkulierender Killer mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn und einem Talent dafür, in Schwierigkeiten zu geraten - das ist Jack Reacher, der Held aus KILLING FLOOR, dem ersten aus einer langen Serie von Thrillern, die zum Besten gehören, was es in diesem Genre zu lesen gibt.Reacher, seit einem halben Jahr ehrenhaft aus dem Militärdienst entlassen, der sein gesamtes vorheriges Leben bestimmte, genießt seine neue, bis dato unbekannte Freiheit: Er reist durch die Vereinigten Staaten, mit dem Bus oder per Anhalter, bleibt kaum irgendwo länger als eine Nacht, lässt sich treiben und lebt im Moment. Eine Laune bringt ihn in das verschlafene Städtchen Margrave in Georgia, eine fast vergessene Bemerkung seines Bruders vor vielen Jahren, über den Sänger Blind Blake, der hier gelebt haben soll.Doch kurz nach seiner Ankunft wird er verhaftet, man versucht ihm den Mord an zwei Männern in die Schuhe zu schieben. Der Polizeichef selbst behauptet, ihn in der Nähe der Toten gesehen zu haben. Zusammen mit einem anderen Verdächtigen, der Todesangst hat, aber den Grund nicht angeben will, wird er in Untersuchungshaft ins nahe gelegene Gefängnis gebracht, wo er knapp einer Falle entgeht.Dann wird sein Alibi bestätigt, aber kurz darauf die Identität des ersten Toten enthüllt - eine Überraschung, die Reacher tief in den Strudel eines Verbrechens von unglaublichen Dimensionen zieht. Praktisch jeder in der Stadt könnte involviert sein, bald gibt es weitere Tote und Reacher kann nicht mehr zurück.KILLING FLOOR begeistert zunächst durch eine intelligent gewobene, vielfach verschachtelte Story, die immer wieder unerwartete Wendungen nimmt und dadurch die Spannung durchgängig hoch hält. Jack Reacher ist ein unglaublich charismatischer Typ - ein Meister der Improvisation, intelligent, hart und kompromisslos, ein Ex-Militär, der sich seiner Haut zu wehren weiß, dabei aber stets glaubwürdig bleibt. Persönliche Verwicklungen und eine kleine Liebesgeschichte geben ihm Profil und Menschlichkeit. Jack Reacher ist ein Held ohne Pathos, ein pragmatischer Typ, ein Macher. Einer, mit dem man mitfiebert, wenn er die bösen Jungs zur Strecke bringt und bei dem man voller Schadenfreude darauf wartet, dass die, die ihn unterschätzt haben, bald eines Besseren belehrt werden.Bemerkenswert ist auch Lee Childs ganz eigenständiger, sehr prägnanter Schreibstil. Der Text besteht fast nur aus ganz kurzen Sätzen, oft nur Satzfragmenten, die eine unwahrscheinliche Geschwindigkeit in die Story bringen. Trotzdem liest er sich nicht banal, sondern einfach nur enorm präzise und scharf gestochen. Es gibt praktisch keine einzige Seite im Buch, in der die Spannung nachlässt.Ich habe schon einige der späteren Jack Reacher Romane gelesen und bin ein Fan der Reihe, aber dieser erste Roman übertrifft die anderen um Längen. Ohne Übertreibung einer der besten Thriller, die ich kenne.