1924: Der junge Amerikaner Jake Perry, der Brite Richard Deacon und der Franzose Jean Claude Clairoux brechen ins Himalayagebiet auf. Sie wollen George Mallorys Fußstapfen folgen und einerseits versuchen, den Everest zu bezwingen, andererseits sind sie auf einer Bergungsmission unterwegs. Lady Bromley, die Mutter eines verschollenen Mitglieds der Mallory-Expedition, will Klarheit über das Schicksal ihres Sohns und sie stimmt zu, die drei Gipfelstürmer zu finanzieren. Am Everest angekommen kämpfen Jake, Richard und Jean Claude mit den Widrigkeiten ihrer Umgebung, aber bald schon scheint es, als hätten sie größere Sorgen, denn sie sind nicht alleine auf dem Berg...Selten habe ich einen so in die Irre führenden Klappentext gelesen wie bei diesem Buch. Das heißt nicht, dass THE ABOMINABLE schlecht ist, aber wer eine ähnliche Geschichte wie beim großartigen THE TERROR erwartet, wird wohl herb enttäuscht werden. Ich war es jedenfalls. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, um niemanden zu spoilern.Die wichtigste Voraussetzung für den Genuss von THE ABOMINABLE ist wohl Geduld. Dan Simmons legt die Geschehnisse im Roman lang und breit dar und von detaillierten Erklärungen der Klettertechniken über genaue geografische Beschreibungen bis hin zu Exkursen über Land und Leute ist so ziemlich alles in dem Roman vertreten. Diese Details sind zwar meistens interessant, tragen zur Stimmung des Berichts bei und sind manchmal für den weiteren Verlauf der Handlung entscheidend, man sollte aber wenigstens ein grobes Interesse für die Themenkomplexe rund ums Bergsteigen und den Everest mitbringen, um sich nicht zu langweilen. So stimmungsvoll Simmons Beschreibungen auch sind, wirkliche Spannung kommt erst im letzten Drittel des Romans auf.Die Figuren in THE ABOMINABLE haben mir sehr gut gefallen. Jake, der die Geschehnisse aus seiner Warte schildert, ist eine sympathische Hauptfigur, aber auch die anderen Teilnehmer der Expedition haben mich überzeugt. Vor allem Richard Deacon finde ich sehr faszinierend. Gut gefallen haben mir auch die zahlreichen Berichte über die früheren Everestexpeditionen.Zur Handlung von THE ABOMINABLE kann ich nicht mehr sagen, da ich ansonsten zu viel davon vorweg nehmen würde. Im Großen und Ganzen hat sie mir gut gefallen, die Auflösung des Romans hat mich aber leider ziemlich enttäuscht. Der große Aha-Effekt wollte sich bei mir nicht einstellen und die Ereignisse haben sich für mich sehr konstruiert und etwas haarsträubend angefühlt.Alles in allem ist THE ABOMINABLE ein etwas durchwachsenes Leseerlebnis gewesen. Wer Interesse am Everest und am Bergsteigen hat, könnte seine Freude mit dem Roman haben. Geduld sollte man auf jeden Fall mitbringen. Durchaus empfehlenswert.
Tolles Buch, lange nicht mehr so intensiv gelesen, der Mix aus Horror und geschichtlicher Erzählung funktioniert hier auch wieder sehr gut, wobei der Horror im Gegensatz zu Terror etwas in den Hintergrund tritt und eher der Aufstieg auf den Mt. Everest im Vodergrund steht. Qm besten haben mir die alltäglichen Strapazen der Bergsteiger gefallen, mit denen man richtig mitfühlt.
Geschickt gemachtes Marketing, das muss man sagen. Wer wie ich auf Dan Simmons mit "Terror" gestoßen ist, dürfte hier eine herbe Enttäuschung erfahren. Nicht, dass lang angelegte Geschichten per se auch langatmig wären! Im Gegenteil: In "Terror", das ja noch etliche Seiten länger währt, war das lange sich dahinziehende Siechtum der Handelnden, gepaart mit Mystizismus und vor dem Hintergrund einer lebensfeindlichen Umgebung, ein perfektes Stilmittel und zumindest bei mir kam zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf.Auf diesen Erfolg haben nun die Marketing-Leute gesetzt und den Eindruck erweckt, es gehe in ähnlicher Szenerie und vergleichbar geheimnisvoll und packend weiter. Also flugs "The Abominable" gekauft und festgestellt: Dies ist mitnichten der Fall.Stattdessen erwarten den Leser zähe alpinistische Ausführungen, endlos gedehnt, nutzlos detailversessen, und eine Handlung, die eine halbe Ewigkeit nicht in Gang kommt. Als sie es dann endlich tut, wird einem neben dumpfen nationalen Klischees und Stereotypen eine Räuberpistole geboten, dass man sich zu fragen beginnt, welchem verzweifelten B-Movie-Regisseur dieser Krampf wohl eingefallen sein mag, damals in den 60ern?Unterm Strich ein auf über 600 Seiten aufgeblähter Groschenroman, den man sich getrost sparen kann und sollte.Und so was vom selben Autor, der mich mit "Terror" so zu begeistern wusste? Ach halt, nein, es ist ja gar nicht von ihm, sondern von Jake Perry! Da hat Herr Simmons aber Glück gehabt, was? Nun... bei mir nicht.