Als ich die Ankündigung des „8. Teils“ hörte, habe ich erstmal nur daran gedacht, dass die Eierlegendewollmichsau Harry Potter scheinbar, nach jahrelanger Abwesenheit, wieder ein bisschen Geld in die Kassen spülen sollte, war dann aber sehr überrascht, dass es sich dabei um ein Theaterstück handeln sollte, was ich ziemlich originell finde. Ich hatte in der Oberstufe eigentlich immer Spaß daran Shakespeare oder Goethe zu lesen und gehe so auch ganz gerne mal ins Theater. War deshalb also gespannt wie man diese Geschichte und Charaktere, auf die Bühne bringen könnte. Die Antwort darauf ist: scheinbar gar nicht, dass man es aber trotzdem gemacht hat ist umso interessanter.Ich bin persönlich kein riesiger Harry Potter Fan, also kein Potterhead, ich bin zwar mit einem Teil von Harry Potter aufgewachsen (bin im Erscheinungsjahr des Erstlings geboren), habe die Bücher gelesen und die Filme geschaut, bin aber trotzdem nicht annähernd so krass wie gerade ein paar US-Rezensenten wirken. Das letzte Mal, dass ich was mit Harry Potter am Hut hatte war vor fünf Jahren, als der letzte Film ins Kino kam. Gestern Abend las ich dann aber über diverse Mitternachtsverkäufe und habe irgendwie einfach Lust drauf gekriegt. Da es schon spät war bestellte ich es auf dem Kindle um viertel vor eins vor um es dann keine halbe Stunde später in den Händen zu halten (super Service!) und begann zu lesen.Ich muss noch einwenden, dass ich persönlich ein paar Probleme mit J.K. Rowling’s Schreibstil hatte, auch als Robert Galbraith wollte sie mir einfach nicht gefallen. An diesem Bühnenstück scheint sie allerdings kein Wort geschrieben zu haben, was Langzeitfans vielleicht stören könnte, sie hat wohl nur ihr "okay" gegeben.Ich mag am liebsten die ersten beiden Bände, die nachfolgenden Bände waren mir häufig zu düster und zu „versucht erwachsen“. Ich finde, dass J.K. Rowling fantastische Ideen hat und wirklich eine tolle Welt erschaffen hat, die Geschichte von Harry fand ich aber mit jedem Band uninteressanter. Nichtsdestotrotz kann ich nicht leugnen, dass ich die Charaktere wohl besser kenne, als viele weitere fiktive Figuren.Die bekannten Charaktere wurden für die kleine Bühne ordentlich umgeschrieben und in theatertaugliche Rollen gepackt. So ist Ron nun ohne Rücksicht der vertrottelte Narr, der die Publikumslacher ernten soll, seine Ehefrau Hermine soll besonnen und zielstrebig als Kontrast wirken, glänzt aber mehr durch Unsicherheit, als durch Führungsqualitäten. Harry wird als gescheiterte Familienvater charakterisiert, der zu seinem Elternkomplex jetzt noch einen Sohnkomplex bekommt, der einen Vaterkomplex hat und wird von seiner Frau Ginny unterstützt, die orakelähnliche Züge aufweist. Dazu kommt, dass sich ihr gemeinsamer Sohn mit dem Sohn des ehemaligen Erzfeindes Malfoy anfreundet und auch wenn es nicht komplett durchgezogen wird, vielleicht sogar ein „bisschen“ mehr anfreundet.Dies klingt jetzt für Potterheads oder Liebhaber der Originalgeschichte sehr wahrscheinlich wie ein Albtraum oder wie auf amazon.com häufig gesagt wird wie die Zerstörung der Kindheit, ich empfand es aber als sehr unterhaltend.Die Geschichte ist herrlich einfach gehalten, hat ein paar Schocker und Kehrtwenden, die durch das Publikum bestimmt das eine andere Raunen gehen lässt, führt durch alte Orte und trifft auf alte bekannte, mehr wollte ich persönlich nicht. Es stimmt am Ende ist die Geschichte genau so weit wie am Anfang, dies liegt aber an der Natur der Geschichte, die ich nicht vorweg nehmen möchte, da ich sie nicht erwartet hatte. Einzige Kritikpunkte für mich sind, dass das Ende ein bisschen zu filmisch ist, glaube nicht, dass es gut auf der Bühne wirkt und den Aufbau des Theaterstücks. Klassische Stücke bieten ja häufig drei oder fünf Akte, hier sind wir in der Mitte bei vier, Teil I beinhaltet Akt 1 und 2, der zweite Teil die restlichen beiden. Mir hätte persönlich ein fünfter Akt gefallen in dem wirklich nochmal in Ruhe die Konsequenzen aus dem Erlebten gezogen werden, da so die Geschichte wirklich leicht unnötig wirkt, wenn man sich jetzt auf die Entwicklung der Charaktere beschränkt, man steht am Anfang da wo man angefangen hat, was aber wenn man sich den Verlauf der Geschichte anguckt, als durchaus positiv anzusehen ist.Die Entscheidung die Geschichte als Bühnenstück und nicht als Roman zuveröffentllichen finde ich super, da es mal ein bisschen Abwechslung in den Lesealltag bringt. Zudem finde ich es sehr gut lesbar, an Regieanweisungen wurde nicht gespart, das ärgert den Schauspieler sicherlich, da er den Charakter so kaum entwickeln kann, dem Leser sollte es aber entgegen kommen. Die Szenen werden schön eingeleitet, sodass man sich mit dem jeweiligen Ort des Geschehens bekannt machen kann, lässt aber genug offen um die eigene Fantasie anzuregen. Viele der Örtlichkeiten sind aber so magisch und schnell wechselnd, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass die Autoren im Keller eine Bühne aus der Zauberwelt haben müssen, weil ich mir beileibe nicht vorstellen kann, wie man das hinbekommen soll, ohne nach jeder Szene eine Viertelstunde Pause zu machen. Das Problem werde ich wohl in nächster Zeit auch nicht bekommen, da das Stück wohl bis Dezember 2017 ausverkauft ist und vorerst auch nur auf der Insel aufgeführt wird.Im Fazit kann ich sagen, dass ich super unterhalten wurde und es gerade Leuten empfehle, die vielleicht an der Welt von Harry Potter interessiert sind, aber keine Angst um den Sinn ihrer Kindheit haben müssen, falls die ein oder andere Charakterisierung so gar nicht dem bekannten entspricht. Gerade bei Harry wurde nicht gespart, wodurch er ziemlich unnahbar und nichtmehr ganz so heldenhaft wirkt. Definitiv eine Empfehlung, würde mich freuen, wenn auch mal mit anderen Geschichten solche Experimente versucht würden.
Das Buch wurde als Skript zu einem Theaterstück beworben, dass mich also kein typisches Harry Potter Buch erwarten wird, war mir bewusst. Ob das funktioniert, ein neues Abenteuer in Dialogform, ohne innere Monologe etc. das nicht. Nun lässt mich das Stück etwas ratlos zurück. In die ungewohnte Dialogform liest man sich schnell rein, das ist also schon mal nicht der Punkt. Man ist gleich mittendrin und ich konnte mir zu jeder Zeit vorstellen, dass es umwerfend sein muss, das als Theaterstück zu sehen. In diesem Sinne hat das Werk seinen Zweck erfüllt. Wenn dieser Inhalt in einem Theaterstück umgesetzt werden kann, dann muss das ein phantastisches Erlebnis sein, so mein Eindruck, ohne das Stück gesehen zu haben.Mein Problem war vielmehr die Story an sich. Ich bin mir im Klaren darüber, dass die Geschichte dafür geschrieben wurde, um auf der Bühne umgesetzt zu werden und dass man das sicher auch berücksichtigen muss. Sowohl im Hinblick auf einen Bewertung im Vergleich zu den bisherigen Büchern als auch auf die Gewichtung einer guten Story in diesem speziellen Fall an sich.Ich gehe auf den Inhalt nicht näher ein. Mir war bewusst dass in einem Theaterstück (und sei es auch über 5 Stunden lang) nicht genug Raum ist um ein Widersehen mit allen Charakteren zu ermöglichen, die man sich wünscht und dass man das Buch sicher mit einem Wunsch nach mehr beenden wird. Aber dass ich mehrfach laut auflachen, die Augen verdrehen und „Ernsthaft…?“ wegen mancher doch zu banalen Einfälle denken musste, das habe ich dann doch auch nicht erwartet. Zumindest nicht in diesem Ausmaß. Man mag dem zu Gute halten, dass so manche Szene auf der Bühne vielleicht weniger überzogen rüberkommen mag, aber das entschuldigt nicht die Plattheit so mancher durchaus auch verstörender und unlogischer Idee. Zauberhaftes Theaterstück hin oder her, wenn sich der Inhalt des Stückes und Inhalt der 7 bisherigen Büchern in ihrer Logik widersprechen, werden Grenzen überschritten, für die man einen Abzug geben muss. Ein wunderbar inszeniertes Theaterstück wäre sicherlich auch mit einem Plot möglich gewesen, der sicher nicht alle Wünsche erfüllt, aber nicht alle bisherigen Bücher in Frage stellt. Da ich ein derartiges trotz allem Stück tatsächlich gerne auf der Bühne sehen wollen würde, auch ohne Bezug zum berühmten Harry Potter, ziehe ich dem Skript als solches nur einen Stern ab. Würde ich es allerdings als das achte Buch betrachten, dann wüsste ich nicht, ob ich überhaupt einen Stern vergeben könnte.