Stephen Kings „The Dark Tower“ existiert in einer unglücklichen Lücke: Leute, die nach guten Fantasy- und/oder Endzeitzyklen suchen, gucken nicht unbedingt unter „King“ nach. Und Leute, die King wegen „It“, „Misery“ und „Needful Things“ mögen, lesen oft keine Fantasy- und/oder Endzeitzyklen. Das führt zu der absurden Situation, dass „The Dark Tower“ aus Kings Sicht sein Meisterwerk und zentraler Baustein seines Schaffens ist – er bei Lesereisen aber immer wieder feststellt, dass nur die Hälfte der Besucher die Reihe überhaupt kennt. Und das sind schon echte King-Fans, in der breiten Öffentlichkeit sieht das nochmal schlimmer aus.Auch ich habe die Reihe jahrelang ignoriert. Erst nachdem in meinem Umfeld vor einiger ein kleiner Hype darum entstand, habe ich mir den ersten Band zugelegt – dummerweise auf Deutsch. Das habe ich ohne Nachzudenken getan, weil ich King als Kind gelesen habe, natürlich auch auf Deutsch. Den ersten Band, der auf Deutsch „Schwarz“ heißt, habe ich nach 20 Seiten weggelegt. Hat mich überhaupt nicht gefesselt. Als ich meinen Kindle bekommen habe, hatte ich erneut gehört, wie toll der „Dark Tower“ sein sollte und ich habe überlegt, dass ich dem ganzen noch eine Chance geben sollte. Diesmal habe ich das Ding im Original gekauft und das war eine gute Entscheidung. Nach 2 Tagen war das Buchg gelesen. Selten gingen Sprache, Inhalt und Form so Hand in Hand wie bei diesem Buch.Kings düstere, postapokalyptisch anmutende Welt braucht die amerikanische Sprache. Die Handlung ist durchzogen von mystischen und überweltlichen Aspekten, sie hat gerade in den Rückblicken eine relativ reine Fantasyanmutung – aber dennoch bleibt der dominierende Farbton die Western-Metapher. Wenn der Gunslinger durch die Wüste marschiert, kann das in der Übersetzung nur verlieren. Es ist verblüffend, wie konsequent der damals noch blutjunge King Klischees und Gewohntes vermeiden konnte. Die Western-Metapher wird nie albern übertrieben, die Fantasy-Aspekte wirken trotz aller „klassischen“ Anmutungen eigen und die Endzeit-/Postapokalypse wird nie zum erwartbaren Kniefall vor der halbvergrabenen Freihheitsstatue.King entfaltet mit wenigen, kraftvollen Pinselstrichen eine Welt, die aus sich heraus spannend und interessant einerseits, aber auch schon stimmig und befriedigend andererseits ist - und das, obwohl im ersten Band eigentlich nur Fragen aufgeworfen und kaum welche beantwortet werden. Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass King selber sagt, dass die Reihe erst ab Band 3 in Stil und Form wirklich zu sich findet, kann man sich auf das Weiterlesen nur freuen.
Erster Teil eines 7-bändigen Zyklus (plus einem neuen Zusatzroman), der auf faszinierende Art und Weise die Genres der Fantasy, Science Fiction, Apokalypse und Abenteuer vermischt. Sehr flott und schnell zu lesen, auch aufgrund der angenehm überschaubaren Seitenzahl von ~230 Seiten.Ich weiss nicht, was mich geritten hat, aber ich wollte unbedingt noch einmal den "Gunslinger" lesen. "Schwarz" (der deutsche Titel) war damals mein erstes Stephen-King-Buch, das ich in jungen Jahren gelesen habe.Jetzt als Erwachsener ist es mir natürlich möglich, das Buch auf ganz andere Art und Weise zu verstehen als mit 13 Jahren, davon abgesehen, dass ich es mittlerweile im Original lesen kann.Ich war doch überrascht, WIE GUT ich den ersten Teil dieser Reihe immer noch finde. Bei anderen Stephen-King-Büchern, die ich versucht habe, noch einmal zu lesen, hat sich dieser Effekt nicht eingestellt und ich fühlte mich "zu erwachsen" oder "zu weit fortgeschritten" für den King-Style.Hier jedoch hat ab dem ersten Wort der alte Sog wieder eingesetzt.Ob es nun an der veränderten neuen Version liegt, ich weiß es nicht. Stephen King weiß auf jeden Fall auf fantastische Art und Weise Fantasy-, Science Fiction-, Western- und Abenteuermotive zu vermengen und kreiert so wirklich seine ganz eigene Welt.Die "The Dark Tower"-Reihe ist wohl mit das beste, was Stephen King neben "The Stand" geschaffen hat. Ich habe mir auf jeden Fall sofort "The Drawing of the Three" geholt und werde nun weiterreisen mit Roland Deschain.