Sarah J. Maas hat es mal wieder geschafft, Diese Fortsetzung von „Das Reich der Sieben Höfe“ hat mich drei Tage so gefesselt, dass ich zu nichts anderem fähig war. Und es hat sich gelohnt!In dieser Geschichte steht die Entwicklung von Nesta und Cassian im Mittelpunkt. Nesta war für mich bislang ein eher unsympathischer Charakter und ich hätte nicht gedacht, dass ihre Geschichte mich so fesseln könnte. Aber genau das hat die Autorin hier geschafft. Und das allein ist eine beachtliche Leistung! Allein hierfür zolle ich Sarah J. Maas meinen absoluten Respekt!Die innere wie äußere Entwicklung von Nesta ist unglaublich. In diesem Band erwachen ihre Kräfte, aber auch ihre Erinnerungen kommen hoch. Sie lernt nicht nur zu kämpfen, sondern auch sich selbst, und damit andere, zu akzeptieren.Nesta hatte von Anfang an einen schwierigen Charakter, um das mal freundlich auszudrücken. Nach dem Krieg mit Hybern war ihr Verhalten jedoch einfach nur verletzend und unangenehm. Wer die Novelle kennt, weiß, was ich meine. Und auch zu Beginn dieses Buches steht sie Rhysand, Feyre und den Mitgliedern des Inneren Kreises nur ablehnend gegenüber, ist undankbar und stößt alle von sich weg, selbst Amren und Elain. Nachdem Nesta in einer einzigen Nacht mal wieder ein kleines Vermögen beim Glücksspiel verloren hat und Rhysand dafür die Rechnung erhält, beschließt Feyre, dass Nesta bis auf Weiteres die Gelder gestrichen werden und sie statt dessen mit Cassian im illyririaschen Lager trainieren und in der Bibliothek im Haus der Winde helfen soll. Das Ganze ist auch gleichzeitig eine Entziehungskur, denn ab sofort gilt für Nesta Alkoholverbot. Nesta fügt sich dem nur mit äußerstem Widerwillen. Die Machtkämpfe, die sie sich in dieser Situation immer wieder mit Cassian, aber auch mit Rhysand liefert, sind besonders am Anfang drastisch und stecken voller Wut und Emotionen. Doch allmählich arrangiert sich Nesta mit der neuen Situation und die Arbeit beginnt ihr Freude zu machen. Durch ihre beiden Trainings-Partnerinnen Emerie und Gwyn und deren Schicksale, lernt sie, vielleicht zum ersten Mal, was Freundschaft bedeutet. Nesta muss durch schmerzliche Erfahrungen erkennen, dass sie sich bisher oft selbst im Weg stand. Im gleichen Zuge beginnt sie damit, ihre Emotionen anzunehmen und Nähe zu anderen zuzulassen.Auch wenn Nestas und Cassians POV im Vordergrund steht, kommen auch die anderen Mitglieder des Inneren Kreises nicht zu kurz. Zwischen Azriel, Nesta und Cassian kommt es dabei immer wieder zu unglaublich lustigen Dialogen und Situationen. Die Wortgefechte haben es sowieso in sich.Rhysand und Feyre durch Nestas Augen zu betrachten macht dabei besonders Spaß, denn allmählich wandelt sich Nestas Bild der beiden. Während sie vor allem Rhys anfänglich nur mit Ablehnung gegenübertritt, erkennt sie die Richtigkeit seiner Entscheidungen als High Lord irgendwann, wenn auch widerwillig, an. Die beiden geraten mehrfach heftig aneinander. Ich habe Rhys selten so zornig erlebt, Nesta hat tatsächlich die Fähigkeit, die Leute bis zur Weißglut zu reizen. Doch wenn es darauf ankommt, halten beide als Familie zusammen und lernen sogar, einander zu akzeptieren.Die Beziehung zu Cassian bekommt sehr schnell eine erotische Komponente und hier sind beide alles andere als schüchtern. Die Anziehungskraft zwischen den beiden ist enorm und führt bald zu entsprechenden Handlungen. Die Liebesszenen sind sexy und detailliert, aber definitiv nichts für jüngere oder zartbesaitete Leser. Doch die etwas rauhere Gangart passt perfekt zu Nestas und Cassians Charakter, denn beide sind ja nicht gerade der romantische Typ. :-)In diesem Band passiert wieder unglaublich viel. Die Herausforderungen des Trainings, die persönlichen Entwicklungen am Hof der Nacht, die Jagd nach den Artefakten und der Kampf gegen zahlreiche Monster und Gefahren halten die Protagonisten und den Leser über 700 Seiten lang in ständiger Spannung.Die einzige Kritik sind diesmal einige Logikfehler, die hier zugunsten des Plots und der Dramatik vorgenommen bzw. in Kauf genommen wurden.Achtung SPOILER!Als Antagonisten treten hier die bisher namenlose greise Königin und der Todes Lord Koschei auf, während Eris zunehmend zu einem Verbündeten avanciert. Die Artefakte, die dabei eine Rolle spielen, wären im Krieg gegen Hybern von entscheidender Wichtigkeit gewesen, tauchen aber erst jetzt als uralte Schöpfungen des magischen Kessels auf, was mit einem Verborgenheitszauber, der über ihnen lag, erklärt wird. Das klingt anfangs etwas konstruiert, ist aber theoretisch möglich.!!!Achtung Super-SPOILER!!!Extrem konstruiert sind aber die Gefahren für Feyre durch die Schwangerschaft und Geburt ihres Kindes. (Ja Feyre und Rhysand bekommen Nachwuchs! :-D) Nach allem, was in den ersten Bänden aufgebaut wurde, hätten hier Feyres Heilfähigkeiten durch den Hof des Morgens und / oder ihre Körperwandlungsmöglichkeiten vom Frühlingshof genügen müssen, um eine Lösung zu finden. Dass Rhys und Feyre hier machtlos sind, dient natürlich der Dramatik, damit Nesta hier als Retterin erscheinen kann. Sie kann damit all ihre früheren Fehler wieder gutmachen. Aber was soll ich sagen, obwohl ich das von der Logik her so empfunden habe, kamen mir trotzdem die Tränen und ich war sowas von gerührt, als Feyre, Rhysand und Nesta sich am Ende in den Armen lagen.SPOILER ENDE!Cover:Das neue Cover ist edel und graphisch gelungen, im Vergleich mit den alten Covern wirkt es auf mich jedoch leider steril, neutral und nichtssagend. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.Fazit:Auch wenn der Plot für ACOTAR-Kenner an manchen Stellen etwas konstruiert wirken könnte, ist das ganze Epos so bildgewaltig, kraftvoll, sinnlich, magisch und emotional, das es einen mitreißt und absolut in seinen Bann schlägt. Ich liebe es! :-D