Ein sehr, sehr gutes Buch. Ich habe es an einem Tag gelesen und konnte es garnicht aus der Hand legen. Witzig, klug, berührend. Eine definitive Leseempfehlung.
Etgar Kerets Sieben Gute Jahre beginnen mit der Geburt seines Sohnes und enden mit dem Tod seines Vaters. Das ist der grobe Rahmen, den er seinen Memoiren - ein weiter Begriff! - gegeben hat.Fast kishonesk geht es los: Die Beschreibung, wie der Kleine zur Welt kommt, während das Hospital mit mehreren Krankenwagenladungen von Attentatsopfern fertig werden muss, lässt bereits den Galgenhumor erkennen, der den Israelis hilft, mit der ständig präsenten Bedrohung umzugehen. Das zieht sich durch viele der 36 kurzen bis sehr kurzen Momentaufnahmen seines Lebens, als Vater, Sohn, Ehemann, Bruder, Freund, Autor, Vielflieger oder Fahrgast diverser eigenartiger Taxichauffeure.Trotz des (selbst)ironischen, bisweilen leicht albernen Grundtons geht es immer wieder spürbar an die Substanz. Und das noch nicht einmal so sehr beim schrecklichen Zungenkrebstod seines Vaters - hier steht dessen unerschütterlicher Optimismus im Vordergrund -, sondern eher anlässlich seiner Lesereisen nach Deutschland und Polen, wo ein großer Teil seiner Familie ermordet wurde. Die Ignoranz und Taktlosigkeit derjenigen, deren Vorfahren dies zumindest nicht verhindert hatten, kann niederschmetternde Ausmaße annehmen, die anderer "Kenner" des Nahostproblems kaum weniger.Auch der Familienmensch Etgar Keret ist immer wieder stärker gefordert als ihm lieb ist. Dem jungen Vater stellen sich ganz andere Fragen, als man das außerhalb Israels so kennt (wann haben Sie sich erstmals Gedanken gemacht, ob Ihr Sohn zur Bundeswehr gehen sollte?). Und wo, wenn nicht dort, passiert es einem Atheisten, dass die geliebte Schwester plötzlich orthodox wird und elf (11!) Kinder in die Welt setzt? Seiner Zuneigung zu ihr tut das keinen Abbruch, ein Spagat bleibt es doch. An solchen Stellen wird es manchmal ein wenig sentimental; über zu wenig gefühlsmäßiges Auf und Ab kann sich der Leser nicht beklagen. Auf jeden Fall macht es Lust, Kerets nichtautobiographische Kurzgeschichten kennenzulernen.