In seinem umfangreichen (über 500 Seiten) Rückblick auf die Jahre 2014 bis 2016 und seine Tätigkeit als griechischer Finanzminister für die Syriza-Partei von Alexis Tsipras beschreibt Varoufakis spannend, unterhaltsam und mit zahlreichen Rückgriffen auf literarische Texte der europäischen Kulturgeschichte eingehend vor allem den Ablauf der (Nicht-)Verhandlungen der Troika und der Europäischen Institutionen mit der neuen griechischen Regierung von 2015 bis 2016. Es wird sehr deutlich, dass diesen etablierten Institutionen (Eurogroup, EZB und weitere Gremien) die immerhin mit großer Mehrheit gewählte griechische Regierung offenbar nicht genehm war, um als ernsthafter Verhandlungspartner überhaupt in Betracht zu kommen.Varoufakis‘ Darstellungen als verantwortlicher Minister seiner Aktivitäten, Skripte, Gespräche und Konferenzteilnahmen muten dabei sehr präzise an, so als habe er von Anfang an an diesem Buch, oder, neutraler formuliert, an einer detaillierten Dokumentation der Vorgänge gearbeitet, nicht zuletzt, um nicht als „Schuldiger“ dazustehen, wenn die Sache schief geht, was dann ja aus seiner Perspektive auch geschah. Er zitiert ausführlich aus diversen Emails, Texten, wörtlich aus Gesprächen in Sitzungen der Eurogroup und mit u.a. Schäuble, Disselbloem u.a., Gespräche, zu denen er offenbar auch Tonaufzeichnungen angefertigt hat. Auf diese Weise liefert er sehr wertvolle Informationen über die eigentliche Denke derer, die die Geschicke ganz Europas mit ihren Finanzmarktmitteln in der Hand haben und die sich als nicht sehr freundlich zeigen. Varoufakis betätigt sich also durchaus als Whistelblower, setzt sich über die natürlich von seinen Gesprächspartnern unterstellte Vertraulichkeit des Worts hinweg. So macht man sich nicht gerade beliebt bei den mächtigen Kolleginnen und Kollegen.Natürlich argumentiert er ausdrücklich pro domo, stellt am Anfang seiner Tätigkeit bestimmte Bedinungen für erfolgreiche Verhandlungen, um am Ende sagen zu können „Ihr hab Euch ja nicht a meine Bedingungen gehalten“. In dieser Unverrückbarkeit der eigenen Positionen sehe ich allerdings auch eine Schwäche seiner Arbeit und seiner Argumentation: In einem wechselseitigen Prozess mit so vielen Beteiligten und so vielen sich überkreuzenden Interessen kann es nicht sein, dass sich ein Akteur in dieses Geflecht mit einer bestimmten Position hineingeht und genau so wieder herauskommt und „Recht behält“ - das zeugt denn doch von einer allzu großen Halsstarrigkeit in der Vertretung der eigenen Meinung: wenn er sich der Dynamik des Prozesses verweigert, ist es nur konsequent, dass er sich schon bald aus dem Geschehen verabschieden muss. Er gehörte eben nicht wirklich dazu.Aber davon abgesehen - oder mit dieser Absicht angetreten, denn er hatte von Beginn an immer ein Rücktrittsschreiben in seiner Jackentasche dabei - gewährt er dem Leser einen sehr tiefen Einblick in die realpolitische Willensbildung im „Vereinten Europa“ heute, das im Wesentlichen von den finanzpolitischen Institutionen und letztlich von Angela Merkel dominiert zu werden scheint, und von der autoritären und autozentrischen Machtstruktur dieser Apparate. Was am allerwenigsten vorkommt, sind die Menschen, die von diesen Institutionen verwaltet werden und deren Bedürfnisse, deren Bedürftigkeit überhaupt keine Beachtung zu finden scheint.Wie allerdings Varoufakis angesichts dieser letztlich herzlosen und unmenschlichen Politik der EU-Institutionen immer noch begeisterter Europäer sein kann, wo doch ein Riesen-Europa solch gewaltige Institutionen mit ihren totalitären Tendenzen geradezu zwangsläufig entstehen lässt, ist mir ein Rätsel.
The book is printed in very small type, unsuitable for any sort of long-reading, almost like a pharmaceutical prospect. I instantly asked for a refund and since no item return was expected I just threw it in the bin. You should avoid anything from Penguin, a substandard publisher who seems to be scamming his way on amazon. Third book with the same issue, would not have bought again, publisher info only said Vintage, which turns out to be a Penguin subdivision. What a waste of paper. The author should know he is being misrepresented and his work turned into trash. Content unread.