NoViolet Bulawayo, unter diesem Namen ist die Autorin, Elizabeth Zandile Tshele mit ihrem Roman „We need new names“, bekannt geworden. Diese mitreißende Geschichte der zehnjährigen Darling, die den Leser mit immer neuen Wendungen überrascht, ist trotz der Fülle des Stoffes äußerst spannend und ergreifend erzählt.Der Autorin gelingt dies nicht zuletzt durch die von ihr eingesetzten stilistischen Mittel. So ist es im ersten Teil das Kind/Mädchen Darling, das von dem Hunger, den gestohlenen Guaven, den Spielen mit den Freunden, dem zunächst fehlenden und dann krank zurückkehrenden Vater und der alltäglichen Gewalt spricht. Während der zweite Teil, Darling musste aus ihrem geliebten Zuhause in Simbabwe fliehen, und lebt nun bei einer Tante in Amerika, sehr viel stärker von sozialen Kommentaren und Kritiken gekennzeichnet ist.Die Stärke dieses Buches liegt nicht zuletzt darin aufzuzeigen, was mit einem Menschen passiert, der sich gezwungenermaßen in einer neuen Umgebung wiederfindet, Bilder schafft, die jenseits der Berichterstattung von BBC oder CNN liegen, jenseits der Schlagzeilen. Denn Amerika ist nicht die neue Heimat, das promised land. Immer wieder wird „Things fall apart“, Achebes Klassiker beschworen. – “When things fall apart, the children of the land scurry and scatter like birds escaping a burning sky”. Darling muss erfahren, wie Verwandte zuhause beerdigt werden, und sie nicht hinreisen kann, weil die Papiere immer noch nicht da sind und so heißt der Ort, an dem sie nun lebt auch „Destroyedmichygen“.„Leaving a country is like dying and when you come back you are like lost ghost returning to earth.” NoViolet Bulawayo hat mit der Figur der entwurzelten Darling dem verlorenen Geist eine Stimme gegeben.
"We Need New Names" ist die Geschichte kleinen Simbabwerin Darling, die in einem Slum namens Paradise in der Nähe der südafrikanischen Grenze aufwächst, und die plötzlich all ihre Hoffnungen erfüllt sieht, als ihre Tante sie zu sich in die USA holt.Mit dieser Zäsur in Darlings Leben zerfällt auch der Roman in zwei Teile. Zu Beginn sehen wir sie mit ihren Kameraden durch die Gegend streunen, Guaven klauen und anderen Unfug treiben, und mit Kinderaugen auf ein Land blicken, das von Korruption und Gewalt zugrunde gerichtet wurde. Nichts funktioniert, Armut, Alkohol, AIDS und Gewalt prägen den Alltag, und die Kinder sind mehr oder weniger sich selbst überlassen: Die Schule ist zu, weil die Lehrer über die Grenze abgehauen sind, so wie die meisten der Väter auch, und die Mütter haben Wichtigeres zu tun als sich mit ihrem Nachwuchs zu beschäftigen.Und dann ist Darling plötzlich in ihrem Gelobten Land, blickt durchs Fenster auf das trostlose, tiefkalte Detroit, und nichts ist so, wie sie es sich erträumt hatte. Jetzt hat sie zwar genug zu essen, aber sie muss erfahren, dass Immigranten, die sich in legalen Grauzonen durchschlagen müssen, kein einfaches Leben haben. Und auch sonst wartet Amerika mit zahlreichen Fallstricken auf, über die ein junges Mädchen aus Afrika stolpern kann.Der erste Teil ist ein kleines Kunstwerk. Die Schilderung des Grauens, aus Sicht eines kleinen Kindes, dem es recht gut gelingt, sich in diesem Leben einzurichten, ist außergewöhnlich. Selbst die Tatsache, dass die einzelnen Kapitel kaum zusammenhängen, sondern eher eine Art Checkliste der Übel abbilden, mit denen sich Darling auseinandersetzen muss, ist kein Problem, wenn man akzeptiert, dass es keine Handlung im herkömmlichen Sinne gibt.Der zweite Teil hat zwar auch seine starken Stellen, fällt in meinen Augen aber doch etwas ab. Vielleicht liegt das daran, dass einem weder die Probleme Amerikas und seiner Immigranten ganz fremd sind noch die Tatsache, dass pubertierende Jugendliche gerne mal über die Stränge schlagen. Dazu kommt dann noch, dass das Buch keinen rechten Schluss hat, sondern einfach aufhört.Ein Vergleich mit "Ghana Must Go" von Taiye Selasi und "Americanah" von Chimamanda Ngozi Adichie drängt sich auf, denn beide haben ja ein ganz ähnliches afrikanisch-amerikanisches Setting. Allerdings sind sie aus Sicht gebildeter, reicher Erwachsener geschrieben, die ganz andere Probleme haben und diese ganz anders angehen, und die eine ganz andere Sprache sprechen als die streetsmarte Darling, was einen Vergleich nahezu unmöglich macht. Lesenswert sind sie aber alle drei.