Achtung, Spoiler enthalten!Aufgrund der sehr guten Bewertungen habe ich mir vor ca. 12 Monaten diesen Roman (keinesfalls ein Krimi!) gekauft und zwei vergebliche Versuche unternommen, den Roman zu lesen.Jetzt, beim dritten Versuch, habe ich eisern bis zum Ende durchgehalten. Aber nein, es ist nicht, wie beworben, ein "masterpiece" und es ist auch nicht "beautifully written". Und eine "crime novel" schon gar nicht!Der Autor hat einen sehr merkwürdigen, verschwurbelten, langatmigen Stil, so dass man manche Sätze zweimal lesen muss um sie zu verstehen. Nicht literarisch hochwertig, sondern einfach grenzwertig, teilweise sehr pathetisch, kitschig und mindestens 100 Seiten zu lang.In manchen Passagen habe ich das Gefühl, dass sich Hedwig Courths-Maler und Rosamunde Pilcher in einer Schreibwerkstatt getroffen haben um diese Schmonzette zu verfassen. Kann aber nicht, denn dann wäre der Roman definitiv besser zu lesen gewesen.Keiner der Charaktere ist glaubwürdig. Keiner der Charaktere ist nur im Ansatz sympathisch. Keiner der Charaktere handelt so, wie man im reellen Leben handeln würde. Alles reine Kunstfiguren.Die amerikanischen Rezensenten regen sich übrigens massiv auf, dass ein Brite dieses Buch, das ja in den Staaten spielt, verfasste und sehr viele britische Ausdrücke verwendete, die in den Staaten nicht verwendet werden. Die Ortskenntnisse würden auch nicht stimmen sowie vieles an Alltagsdingen. Einfach schlampige Recherche bzw. Desinteresse.Was aber mich sehr störte, waren diese künstlichen Protagonisten: Eine 13jährige, die sich absolut nicht wie eine Dreizehnjährige benimmt, der man vieles so nicht abnehmen kann, sich aber als "Duchesse Outlaw" bezeichnet. Was soll das ?Die Schäferstündchen über Jahrzehnte im Gefängnis, von denen niemand was wusste ? Das ist in amerikanischen Gefängnissen einfach so im Abonnement möglich, rein aus Herzensgüte des Wärters?Der Plot hat mehr Löcher als ein Schweizer Käse. Es gibt viele ganz dunkle Gestalten, böse, schwitzend, der fette Metzger z.B. nach Blut riechend (!), abgewrackte Nachbarn, nach Alkohol riechend, häßliche Unsympathen ... und es gibt die edlen guten Bilderbuchmenschen, nach Parfum duftend, gutaussehend und intelligent, mit Hund und tollem Haus ....Die Mutter unser Heldin Duchesse ist auch so ein Fantasieprodukt: über vierzig, Alkoholikerin, hartes Leben, aber sieht immer noch blendend aus und alle Männer im Ort sind verrückt nach ihr.... Platter und wilder konstruiert geht es nicht !Leider kann man diese Story auch nicht als knallharte Bestandsaufnahme des derzeitigen American Way of Life bezeichnen, dazu ist alles zu schön weichgezeichnet - ja, bißchen Alkohol, Drogen, bißchen Armut, aber alles schön dezent und nicht in der vollen Wucht der tatsächlichen Ereignisse in den durch Medikamentenmißbrauch, Armut und sozialer Verwahrlosung und Verrohung gezeichneten USA.Das Ende schlägt dem Faß den Boden aus: Total aus dem Nichts unlogisch herbeigeschrieben, eine unglaubwürdige Wendung nach der anderen. Unfaßbar schlecht und unfaßbar kitschig.Wird sicher genauso unfaßbar kitschig verfilmt.Fazit: Für mich eines der schlechtesten Bücher der letzten Jahre. Hochgelobt, warum auch immer. Für mich aber inhaltlich und vom Schreibstil her ein Totalausfall.