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Bewertungen & Erfahrungen
4,8 von 5
5 Bewertungen
5 ★4
4 ★1
3 ★0
2 ★0
1 ★0
Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion30.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist ein fantastisches und tiefgründiges Werk, das mich von Anfang bis Ende packt. Die Geschichte ist fesselnd und die literarische Qualität ist hervorragend.
Stephen King hat wieder zur Kurzform zurückgefunden – wobei man sich überlegen kann, ob man dies nun eine Novellen- oder eine Kurzgeschichtensammlung oder eine Mischung von beidem nennen sollte.Mr. Harrigans PhoneDer junge Craig, der nur mit seinem Vater aufwächst, war ein früher Leser gewesen und deswegen hat er schon bald in den sonntäglichen Gottesdiensten seiner Gemeinde Lesungen gemacht, die auch sehr gut ankamen. Dadurch fiel er dem etwas exzentrischen Milliardär Mr. Harringan auf, der sich in der Gegend zur Ruhe gesetzt hatte und der ihm nun einen Job als Vorleser – und Blumengießer – in seinem Haushalt anbietet.Diese Arbeit ist für den jungen Mann sehr gewinnbringend und als Dank spendiert er seinem Arbeitgeber, der eher ein Technikfeind ist, zu dessen Geburtstag da erste iPhone, das je auf den Markt gekommen ist. Und schnell findet sich der alte Herr in die Arbeit mit diesem Gerät hinein.Als Mr. Harringan stirbt sorgt Craig dafür, dass das iPhone frisch aufgeladen und eingeschaltet in seiner Brusttasche steckt. Und ist sehr erschrocken, als er auf einen Anruf um die Stimme seines toten Freundes auf der Mailbox zu hören eine Antwort-SMS bekommt. Und auch sonst scheint der Tote weiter an Craigs Leben und seinen Problemen Anteil zu nehmen.Eine etwas andere Gespenstergeschichte – und quasi ein moderner Klassiker.The Life of ChuckDiese Geschichte beginnt mit dem dritten Kapitel und wird folglich rückwärts erzählt. In diesem dritten Kapitel treffen wir verschiedene Menschen, die erleben, wie die Welt um sie herum nach und nach zerfällt. Das Wetter ist grauenhaft, immer wieder fällt der Strom aus und schließlich auch das Internet. Die Küstengebiete der amerikanischen Küste rutschen nach und nach ins Meer und in Deutschland ist ein riesiger Vulkan ausgebrochen. Und auf einmal erscheinen überall Botschaften über einen gewissen Chuck Krantz, dem für 39 Jahre Leistungen gedankt wird und dazu das Bild eines unscheinbaren, aber nicht unsympathischen Bankangestellten.Die folgenden – bzw. vorlaufenden, aber rückläufig erzählten – Kapitel erzählen dann die Geschichte dieses vielgelobten Mannes, den eigentlich keiner in der untergehenden Welt zu kennen scheint. Sehr philosophisch und auch irgendwie berührend.If It BleedsDiese Geschichte ist eigentlich schon eher ein Roman. Hierin begegnen wird Holly Gibney wieder, die immer noch Finders Keepers leitet und dabei ziemlich erfolgreich ist. Eines Tages sieht sie in den Nachrichten den Bericht über einen Sprengstoffanschlag auf eine Schule in einem anderen Bundes-staat und fühlt sich von diesem Ereignis mehr eingenommen als von einem der vielen anderen An-schläge, die es auf dem Boden der USA anscheinend immer wieder zu geben scheint. Schnell kommt sie zu der Überzeugung, dass ein weiterer Outsider dahinter stecken könnte und beginnt in dieser Richtung zu ermitteln. Und stößt dabei auf ein Paar von Mitstreitern, die die Outsider bereits seit einigen Jahrzehnten verfolgen.Neben der Krimi-Horror-Geschichte geht es in dieser weiteren Fortsetzung der Mr. Mercedes-Reihe auch um das Älterwerden, das Abschiednehmen und die Zuverlässigkeit von Erinnerungen. Spannend bis zur letzten Seite.RatDrew Larson ist größtenteils glücklich verheiratet, hat zwei Kinder, ein Haus und unterrichtet Englisch – in erster Linie kreatives Schreiben. Außerdem hat er einige Kurzgeschichten veröffentlicht und sich dreimal an einem Roman versucht, was aber jedes Mal in fürchterlicher Art und Weise schiefgegangen ist. Einmal brannte fast das Haus ab und einmal fast sein Verstand aus.Da kann es nicht verwundern, dass seine Frau, als er ihr eines Morgens nach einer unerwarteten Inspiration fragt, ob er sich etwas eingefangen hätte oder am Ende eine Idee gehabt habe. Ja, Drew will einen Roman schreiben und diesmal in einer abgelegenen Hütte irgendwo im Nichts, wo seine Familie noch etwas Land besitzt. Seine Frau ist nicht begeistert, hofft aber, dass er dort nicht allzu viel anrichten kann.Und es geht gut los, aber schnell wird Drews Arbeitseifer durch eine Erkältung – er hatte sich zum richtigen Zeitpunkt die Hände NICHT gewaschen – arg ausgebremst wird. Als ihn dann auch noch ein fürchterlicher Sturm mit einem einhergehenden Stromausfall zwingt seine Arbeit beim Licht einer Laterne auf einer mechanischen Schreibmaschine fortzusetzen, scheint ihn sein altes Problem wieder einzuholen – bis ihm ein unerwarteter Gast ein sehr willkommenes Geschenk anbietet.Eine Variation eines alten Märchenthemas vermischt mit den Freuden und Leiden des Schreibens, die King ja nur allzu gut kennt – und, wie auch ein paar der anderen Geschichten, immer wieder mit Seitenhieben auf die aktuelle US-Regierung.Das Buch endet mit einigen Gedanken des Autoren zu den Hintergründen – bzw. deren Fehlen – zu den vier Geschichten. Mit diesem Nachwort und den neuen Novellen ist King wieder zu seiner ver-trauten, wenn auch jetzt deutlich gereifteren, Stimme zurückgekehrt. Vier Geschichten, die ich mir auch wunderbar als Vorlesegeschichten vorstellen kann, wie das bei jeder gut erzählten Geschichte sein sollte.
Als Stephen King-Fan ein "must read". Insbesondere die Englische Version liefert sprachliche Feinheiten und Spaß daran, die eine Übersetzung nicht bieten kann
Stephen Kings Kreativität scheint absolut kein Ende zu nehmen. Vor einigen Jahren hatte ich noch die Sorge, dass sich der Autor tiefenentspannt zurücklehnen wird und sich als Rentner seine Zeit beim Pflegen seines Gartens vertreibt. Erfreulicherweise scheint dies nicht der Fall zu sein, bringt er doch ungebremst ein Werk nach dem anderen auf den Markt. Interessanterweise sind diese nicht nur außerordentlich abwechslungsreich, sondern darüber hinaus auch noch herausragend in ihrer Erzählweise.Nun also eine Art Kurzgeschichtenband namens „If It Bleeds“, was jedoch dem Namen nicht ganz gerecht wird, da sich in diesen knapp über 400 Seiten gerade mal vier Geschichten befinden.Los geht es mit „Mr. Harrigan’s Phone“: Ein Geschichte über eine generationenübergreifende, innige Freundschaft, welche sich eher nach und nach ohne große Besonderheiten entwickelte.Der junge Craig liest dem alleinlebenden Mr. Harrigan gegen Bezahlung Geschichten vor. Er hätte dies auch ohne das Gefühl eines „Jobs“ gemacht, dennoch ist es natürlich für ein Kind eine gelungene und einfache Art, sich ein paar Dollar zu verdienen. Craig führt Mr. Harrigan dabei auch in die Welt der aufkommenden Smartphones ein und hilft ihm beim Entdecken des ersten iPhones. Als Mr. Harrigan verstarb, legte Craig dieses Telefon in die Jackentasche des sich ihm Sarg befindlichen Verstorbenen. Was danach geschah, entspricht auf den Punkt genau der Erwartungshaltung eines Stephen King Lesers der früheren Zeit. Gerade mal knappe 90 Seiten gefüllt mit einer gehörigen Portion Freundschaft und einem klassischen Gruseleffekt, der sich in der Verknüpfung vom Dies- und Jenseits darstellt. Früher wäre diese kleine Geschichte sicher mit in die TV-Serie „Tales from the dark side“ mit aufgenommen worden.Weiter geht es mit „The Life of Chuck“, eine Geschichte, die durch eine umgekehrte Erzählweise für Aufmerksamkeit sorgt. King dreht den Plot und beginnt mit dem letzten Akt, um dann in Richtung ersten Akt fort zu fahren. In meinen Augen die schwächste Geschichte in diesem ansonsten herausragenden Buch - irgendwie konnte ich mit der Vorgehensweise nicht wirklich was anfangen.Die dritte Geschichte ist eine Art „The Outsider“-Part II und funktioniert auch nur in seiner Gänze, wenn man zumindest die Geschichte um den Outsider kennt. Holly Gibney war in den Bill Hodges-Büchern eine gewisse Zeit nur eine Nebenrolle - sie hat sich nun in Kings Welt immer mehr in den Vordergrund gedrängt, konnte dabei bereits im Outsider brillieren und tritt nun in dieser Geschichte mit knappen 200 Seiten als Hauptdarstellerin auf. Die Story selbst ist erneut eine Geschichte über Freundschaft und darüber hinaus eine gelungene Erweiterung beziehungsweise Fortführung des Buches „Der Outsider“.Schlussendlich zeigt King in „Rat“ abermals eines seiner Lieblingsthemen: Der Autor, der sich in die Einsamkeit zwingt, um endlich ein Buch vollenden bzw. schreiben zu können. Alleine in einer schwer erreichbaren Hütte nimmt er sich eine Auszeit von seiner Familie, um endlich - nach seinen Erfolgen als Kurzgeschichtenautor - einen vollwertigen Roman zu schreiben. Neben einem aufkommenden Sturm trifft ihn auch noch eine starke Erkältung mit ausreichend Fieber, um an den weiteren Geschehnissen zu zweifeln...King spielt hier erneut mit der Gedankenwelt eines Schriftstellers und führt ihn dabei auch noch zu einer Entscheidung über Leben und Tod und wie weit der Autor zu Gunsten seines Werkes zu gehen bereit ist.Alles in allem eine wundervolle Sammlung, die mich lediglich bei der zweiten Geschichte etwas verloren hatte. Drei von vier sind jedoch eine perfekte Quote bei einem Schriftsteller, dessen Stärke ich persönlich eher bei langen Geschichten sehe. Somit eine absolute Empfehlung, um wieder einige Stunden in die immer größer werdende Welt dieses Schriftstellers einzutauchen.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 10:22 Uhr.