Der Trafikant: Kein & Aber Pocket
Gegenwartsliteratur EAN 9783036959092

Der Trafikant: Kein & Aber Pocket

Hersteller: Kein + Aber  ·  MPN: 1035310
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Produktfakten auf einen Blick

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Kein + Aber
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Gegenwartsliteratur
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Produktbeschreibung

Österreich 1937: Der 17-jährige Franz Huchel verlässt sein Heimatdorf, um in Wien als Lehrling in einer Trafik - einem kleinen Tabak- und Zeitungsgeschäft - sein Glück zu suchen. Dort begegnet er eines Tages dem Stammkunden Sigmund Freud und ist sofort fasziniert von ihm. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Männern. Als sich Franz kurz darauf Hals über Kopf in die Varietétänzerin Anezka verliebt, sucht er bei dem alten Professor Rat. Dabei stellt sich jedoch schnell heraus, dass dem weltbekannten Psychoanalytiker das weibliche

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 2 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Erich Schleßmann 27.03.2024 amazon.de
Robert Seethalers kurzer Roman „Der Trafikant“ birgt in seinen Zeilen ein ganz großes Stück Literatur. In der Tradition eines Erziehungs- und Bildungsromans lässt der seinen Protagonisten Franz Huchel, den Trafikanten im Wien des Jahres 1938 vom Jugendlichen zum Mann reifen. Dies geschieht jedoch nicht in einem psychologisch nach innen gerichteten Prozess der Identitätsfindung, wie das in der Gegenwartsliteratur so häufig anzutreffen ist, sondern in den Wirren des Übergangs vom autoritären Ständestaat Schuschniggs hin zur Machtübernahme des Hitlerschen braunen Pöbels auch in Österreich 1937/38.In diesen gesellschaftlichen Wirren vollzieht sich die durch Irrungen und Wirrungen hindurch sich bewegende wahre Menschwerdung Franzens. Angesiedelt ist die Handlung in der sehr kleinen Welt der Währingerstraße Ecke Berggasse in Wien angesiedelten Trafik mit Zeitungen, Zeitschriften, Zigaretten, Schreibwaren, Briefmarken und so weiter. Somit ist auch die Zahl der handelnden Personen in dem Buch sehr begrenzt: Neben Franz Huchel und seiner Mutter, die im Verlauf des Romans fast nur noch als Briefpartnerin auftritt, sind es der Trafik-Besitzer Otto Trasnjek, die vermeintlich geliebt Anevka aus Böhmen sowie Professor Sigmund Freud, der in der Berggasse in der Nachbarschaft der Trafik wohnt, Das Geflecht dieser vier Personen macht das Gerüst des Romans aus, aus ihren Begegnungen und Gesprächen entwickelt Seethaler das Szenario des Aufbruchs und der Bedrohung der Hauptigur.Aus der Idylle des Salzkammerguts verlässt der künftige Trafikant auf Veranlassung durch seine Mutter seine bisherige ländliche Erfahrungswelt, die er mit seinen Kinderaugen wahrnehmen konnte, um in Wien bei Otto Trasnjek, einem früheren Bekannten der Mutter, seine Ausbildung aufzunehmen. Trasnjek ist Kriegsversehrter des Ersten Weltkriegs und durch den Verlust eines Beines gehandicapt. Franz ist ihm willkommen und erhält seine Ausbildung zunächst in der Lektüre der Zeitungen. Doch nicht der dadurch vermittelte Blick auf das Weltgeschehen bildet die Initialzündung für die Entwicklung seiner Persönlichkeit, sondern die Liebe. Angestiftet durch den in der Berggasse wohnenden Professor Sigmund Freud, zu dem er in einer Reihe von Begegnungen eine Art Freundschaft entwickelt, macht sich der Siebzehnjährige auf die Suche. Er findet ein nach einigem Hin und Her im Wiener Prater ein Echo für seine Sehnsüchte in der Böhmin Anevka, mit der er in der Trafik die Freuden der körperlichen Liebe entdecken darf. Doch diese Beziehung verläuft nicht glücklich, so dass Franz sich gerne weitere Ratschläge des Professors Freud holt, die ihn jedoch in praktischer Hinsicht nicht so recht weiterbringen. Er empfiehlt ihm aus der wissens- und erfahrungsgesättigten psychoanalytischen Sicht auf die menschlichen Triebregungen, seine Träume aufzuschreiben, was Franz auch jeden Morgen nach dem Aufwachen tut. Doch belässt er es nicht dabei, sondern hängt sie, auf Zetteln notiert, an ein Fenster der Trafik. Diese Notizen wecken ein allmählich immer größeres Interesse der Passanten, die dann auch verstärkt wiederum bei Franz kaufen. Er ist alleine, nachdem der eigentliche Besitzer Trasnjek von der Gestapo geschlagen und abtransportiert wurde. Der Vorwurf lautet auf Verkauf von pornographischen Schmierblättern an Juden und Kommunisten. Der Umsatz lässt abrupt nach, weil sich die kleinbürgerliche Nachbarschaft und Stammkundschaft nicht dem Risiko des Verkehrs mit einer solcherlei durch die Nazis inkriminierten Trafik aussetzen möchte. Franz begibt sich nach einigen Tagen auf die Suche nach seinem „Chef“ in dem Gestapohauptquartier, wird aber aufgrund seiner insistierenden Nachhaltigkeit selbst zusammengeschlagen und mit Festnahme bedroht. Bei einem Versuch der erneuten Kontaktaufnahme zu Anevka nach langer Zeit in der Spelunke, in der Anevka die Gäste animierende Nackttänze vollführt, muss er konstatieren, dass sie sich einem SS-Offizier hingibt.Per Post erhält er die Nachricht und den Nachlass Otto Trasnjeks, der durch die Gestapo in den Tod getrieben wurde. Dann erfährt er durch den Briefträger, dass Professor Freud am nächsten Tag nach England emigrieren wird. Er besucht ihn ein letztes Mal, nimmt ihm nochmals die geliebten Zigarren mit, die sie zusammen in Freuds Behandlungszimmer auf der berühmten Couch sitzend rauchen. In diesem letzten Gespräch der beiden miteinander erkennt Franz, obwohl ihm die Zigarre Übelkeit verursacht, seinen weiteren Weg, ein Zeichen zu setzen, in den Worten Freuds, „manchmal ein Lichtlein aufflammen“ zu lassen, um der andauernden Dunkelheit, in der man herumtapst, „nur mit viel Mut und Beharrlichkeit oder Dummheit oder am besten mit allem zusammen“ für einen Moment zu entkommen. Freud verlässt mit seiner Tochter Wien, Franz schreitet zur Tat, mit der er ein deutlich wahrnehmbares Zeichen der Erinnerung an den Trafikbesitzer setzt. Er wird am nächsten Morgen festgenommen, nachdem er ein letztes Mal den Zettel mit dem handschriftlich notierten Traum an der Trafik befestigt hat.Im März 1945 sucht Anevka die Trafik auf, findet und liest den Zettel, löst ihn ab und flieht vor dem nächsten Luftangriff auf Wien.Mit der Einbeziehung des Begründers der Psychoanalyse in das Romangeschehen wird keine literarische Verarbeitung psychoanalytischer Grundlagen geleistet, wie das eventuell der eine oder andere erwarten könnte. Es wird daraus auch kein Schlüsselroman konstruiert. Die einfach und anschaulich geschilderte Menschwerdung des Franz Huchel wird in einem konventionell erzählenden Stil der linearen Chronologie dargeboten, der das Buch zu einem einfach und angenehm zu lesenden Roman werden lässt. Gerade aber der lakonische Ausdruck, der mit einer zentralen Wissenschaftspersönlichkeit bei weitem nicht Österreichs und dem Abrutschen dieses Landes in die brutale Herrschaft der Nazis verwoben wird, exemplifiziert Freuds Diktum: „Unterm dem dünnen Firnis der Zivilisation lauert die Barbarei.“Leicht und locker erzählt wächst gemächlich in der Gemütlichkeit Wiens das Grauen. Mit der Herrschaft der dumpfen Dunkelheit des nationalsozialistischen Terrors bekommt es klare Konturen. Das macht den Roman lesenswert, wichtig und aktuell.Erich Schleßmann
Caromio 27.03.2024 amazon.de
Man kann zu dem Autor stehen wie man will - da ist ihm ein wirklich lesenswerter Roman gelungen, der einen auch nicht mehr loslässt. Überzeugender Plot, gut verfilmbar, an Entwicklungsromanen angelehnt: „tumber Thor“ verlässt seinen hinterwäldlerisch-dörfliche Heimat, bildet sich in einem Zeitschriften- und Tabakladen mit Hilfe seines „Chefs“ heran, entwickelt Haltungen, Meinungen und Urteile, die handlungsleitend werden. Eine Vater-Sohn-Geschichte, auf eine verdeckt liebevolle Art und Weise. Eine angenehm beschreibende, wenig wertende Darstellung der Machtergreifung der Faschisten/Nationalsozialisten in Österreich, mit alle ihren gnadenlosen, Menschen zerstörenden und vernichtenden Auswirkungen. Nachdrücklicher Impuls für die Auseinandersetzung mit den eigenen möglichen Haltungen und Verhaltensweisen im Angesicht eines totalitären Regimes. Auch sprachlich ein paar ganz wunderbare Passagen, gerade auch die Naturbeschreibungen auf den ersten 20 Seiten und die ganz eigene, besondere Geschichte der Mutter des Protagonisten sind überzeugend gelungen. Nicht anfreunden konnte ich mich mit den Freud-Passagen. Die Idee, das Schicksal des Psychoanalytikers mit dem des Bauernbuben zu verknüpfen, damit über die Zeitungslektüren hinaus den Horizont des Protagonisten noch mehr zu weiten, birgt erst einmal die Anlage eines großen Wurfes. Die gedankliche und sprachliche Ausgestaltung bleibt dann aber blutleer; was denkt und sagt ein Freud denn so, wie seziert er, auch vor dem Hintergrund eines tiefenpsychologischen Modells, die Welt, sich und seinen Lebensweg, die Beziehung zu dem jungen Mann, auch: welcher „einfache“ Mensch mit einem „einfachen“ Schicksal, selbst von persönlichen Katastrophenzeiten und tödlicher Krankheit geschlagen, verbirgt sich hinter dem Ideenrevolutionär - das war dann doch eine Nummer zu groß. Den Diskursen fehlt die Substanz, der doppelte Boden, eine Abgründigkeit, die einem länger nachgehen kann - wie es dem Autor an anderen Stellen durch erzählerische Stärken gelingt.
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