Larry Ott alleinlebender Außenseiter der die abgelegene Autowerkstatt seines verstorbenen Vaters weiterführt, obwohl bei ihm nie Kunden halten, wird in seinem Haus angeschossen. Schwer verletzt, im Koma liegend schwebt er zwischen Leben und Tod. Silas Jones, Constable bei der Polizei in einer Kleinstadt im tiefen Süden der USA, in Mississippi, wird in diesen Fall verwickelt. Larry hatte bereits, wie schon oft, Besuch von der Polizei, denn ein Teenager wird vermisst. Larry war 25 Jahre zuvor bereits verdächtigt ein Mädchen entführt, vergewaltigt und ermordet zu haben. Nur konnte das nie bewiesen werden.Die Geschichte wird aus den wechselnden Perspektiven von Larry und Silas erzählt, dabei wechseln auch die Zeitebenen, wenn die Geschichte von Kindheit und Jugend der beiden sich mit den aktuellen Ereignissen abwechselt. Es ist die Geschichte von Außenseitern, Larry ein Weißer, Silas ein Schwarzer.Für einige wenige Monate ihrer Jugend waren die Zwei befreundet. Diese Erinnerung wird für Silas nun wieder lebendig, Larry hatte sie nie vergessen. Silas erfährt Dinge über Larry und sich selbst, die vieles ihrer Vergangenheit in ein andres Licht tauchen. Außerdem muss er sich unbequemen, schmerzhaften Wahrheiten stellen. Sein Verhalten in der Vergangenheit hat mehr mit Larrys Schicksal zu tun als er sich eingestehen möchte. Er muss sich seiner Vergangenheit stellen, denn er weiß Dinge über Larry, die niemand sonst kennt. So nähert er sich der Wahrheit im Fall des verschwundenen Mädchens und Larrys Schussverletzung.Tom Franklin beschwört die Stimmung des Südens herauf, des Lebens in einer wirtschaftlich abgehängten Region die einem steten Verfall zu unterliegen scheint. Ärmlicher „ White Trash“ lebt hier, Schwarze sind hier nicht besonders gut gelitten und Typen wie Larry Ott werden ausgegrenzt, schikaniert und bedroht. Die seelischen Grausamkeiten vom eigenen Vater, die Rücksichtslosigkeit und das Mobbing durch Gleichaltrige werden von Franklin überaus plastisch und nachvollziehbar geschildert. Das Verhalten der beiden Hauptfiguren, ihre Bemühungen das Richtige zu tun, irgendwo dazuzugehören, Freude und Freunde zu finden beschreibt Tom Franklin souverän und einfühlsam.Das Leben in dieser Gegend mit ihren Typen, deren Eigenheiten, ihren Einstellungen und der Landschaft, sind Teil der Geschichte. Franklin gelingen Formulierungen die wie beiläufig die Stimmung der Gegend vermitteln. Düstere Schilderungen, etwas das unter der Oberfläche zu brodeln scheint, wechseln sich ab mit gekonnten Dialogen. Die haben Wortwitz und wirken gänzlich ungekünstelt. Die Handlung ist spannend und offenbart in ihrem Verlauf Zusammenhänge die die Spannung hochhalten.Eine atmosphärisch dichte, plausible und spannende Geschichte, bevölkert mit gut charakterisierten Figuren in einer großartig, lebendig beschriebenen Umgebung. Wunderbarer Southern Noir mit literarischen Anspruch.
Das anfängliche Vorurteil: "Abiturlektüren können doch nicht interessant sein.", wurde mit diesem Roman widerlegt!Es hat ein paar Seiten gedauert bis man in das Geschehen eintauchen kann und die Sprache besser versteht, jedoch wurde das Buch mit zunehmenden Kapiteln immer spannender. Die Erzählstruktur mit zwei sich abwechselnden Erzählperspektiven ist anfänglich verwirrend, dennoch wird dadurch eine erfrischende Abwechselung in das Werk gebracht. Die Sprache ist im Vergleich zum British Standard English sehr umgangssprachlich gehalten und schwerer zu verstehen, aufgrund dessen sind in den Fußzeilen hilfreiche Vokabelangaben oder Worterklärungen zu finden. Die Kapitel mit durchschnittlich circa 30 Seiten sind sehr lang gehalten und werden gegen Ende immer kürzer. Alles in Allem kann ich 5 Sterne für dieses Buch geben!