Einen Riesenspaß hatte ich beim Lesen von Krabat, ganz besonders im Kontrast zum hochgelobten, aber enttäuschenden Tintenherz von Cornelia Funke, das ich kurz zuvor gelesen hatte. Um wenigstens den kleinsten Teil dazu beizutragen, dass mehr Menschen Krabat lesen statt zB Tintenherz, schreibe ich nun diese Rezension.Zuerst einmal: Wie ungemein erfrischend es doch ist, einen Text mit kleinen regionalen Eigenheiten in der Sprache zu lesen! Statt des ewigen Einheitshochdeutschs findet man in Krabat eine Umgangssprache (regional und eventuell auch historisch eingefärbt?), die perfekt getroffen ist: Hier und da eigene Wörter und abgewandelte Wortbedeutungen, ohne jedoch das Lesen für den Unkundigen zu erschweren. Krabat und die meisten anderen Figuren sprechen Wendisch (Sorbisch), aus dem auf den Buchseiten das oben geschilderte Deutsch wird.Ein Weiteres, dass mir überaus positiv aufgefallen ist, ist die elegante Einbindung des Geschehens in den historischen Rahmen durch zufällige Begegnungen mit zB Armeerekrutierern für die sächsische Armee im Krieg gegen die Schweden, und den Ausflug des Meisters an den Hof des Kurfürsten, und schließlich seine Erzählung von Krieg gegen die Türken. Durch diese kleinen, den Erzählfluss in keinster Weise behindernden Episoden wird der Welt, in der Krabat lebt, eine Art lebendige Tapete als Hintergrund gegeben, auf der die Haupthandlung stimmig eingebettet ist: als ein Teil einer großen, atmenden Welt. Man vergleiche hierzu die weiße Fläche, auf der Tintenherz spielt - außerhalb der Geschichte gibt es dort gar nichts, was bei mir zu einer sehr sterilen Atmosphäre und Vorstellungswelt geführt hat.Darüber hinaus für gelungen halte ich die Anspielungen auf die Geheimnisse hinter der Geschichte, die zum Ende teilweise aufgeklärt werden. Aber nicht alles wird enthüllt - was nun jeden Neumond dort im toten Mahlgang gemahlen wird, es wird nicht aufgelöst. Auch nicht, was die Intentionen des Meisters beim Kurfürsten waren. Von diesem sehr guten Umgang mit Wissen, und wieviel davon dem Leser vorenthalten, enthüllt, und angedeutet wird, kann sich so mancher Autor etwas abkucken. Auch mit der Zauberei wird vortrefflich umgegangen. Es gibt keinen simplen Zauber, der Menschen tot umfallen lässt wie bei Harry Potter, und es gibt auch keine Feuerbälle und Explosionen. Die Zauberei in Krabat ist eher subtil, es sei denn, der Meister lässt es krachen.Krabat ist gut und zielstrebig geschrieben oder gut lektoriert, oder beides. Es finden sich keine Handlungsstränge, die von der Haupthandlung allzuweit und unnötig verzweigen, und jede Episode hat eine fassbare Bedeutung für das Gesamtbild. Bei sehr vielen Anekdoten und kleineren Geschehnissen bemerkt man eine Relevanz für die Haupthandlung. Der Aufbau von Vertrauen und Abneigung zwischen Krabat und den anderen Gesellen, die (wenn auch oft im Dunkel gelassenen) Aktivitäten des Meisters, alles führt mit viel Zug zum Ende der Geschichte - Preußler hat einen starken Zug zum Tor, würde man im Fußball sagen.Wie wir auch gleich beim Ende wären - ein anderer Rezensent sagte, das Ende käme ihm sehr kkurz und hingeklatscht vor. Als sich mir beim Lesen das Ende näherte, war auch ich erstaunt, dass nur noch so wenige Seiten übrig waren, die große Konfrontation dennoch ausstand. Und dennoch: Das Ende ist vorzüglich geschrieben. Kein großer Kampf, nach dessen Ende beim Ausröcheln der letzten Worte des Bösewichts alles in Flammen aufgeht und die Guten sich gerade noch retten können. Sondern: auf eine unaufdringliche, unpathetische Weise gewinnt das Gute die Überhand über die Tricks des Bösen, und ohne langes Zutun, ohne langes schmalziges Gerede, mit einem einzigen Satz aus dem Mund des Mädchens, das Krabats (und ihr eigenes) Leben rettet, endet die Geschichte, während der Meister seine unausweichliche Strafe auf den ungeschriebenen, ungedruckten Seiten trifft.Alles in allem: ein angenehm zielstrebiges, gut geschriebenes und unterhaltsames Buch, von dem ich froh bin, es gelesen zu haben.
Krabat? Was soll das denn sein? So habe ich am Anfang auch reagiert, da das Buch aber von Otfried Preußler (1971) geschrieben wurde und wir es in der Schule als Lektüre hatten, habe ich es dann doch gelesen.Der Jugendroman handelt von dem 14-jährigen Waisenjungen Krabat, der eine mysteriöse Mühle aussucht und böse Kräfte mit der Liebe seines Lebens bekämpfen muss. Das Buch ist in drei Lehrjahre unterteilt, wo Krabat mehr über die Mühle und die schwarze Magie lernt. Von Anfang an schafft es der Autor, Spannung aufzubauen, und man will das Buch einfach nicht weglegen, da man mit rätselt und wissen will, wie zum Beispiel Krabat die Situation gegen den Antagonisten, den Meister, übersteht.Sehr gut gelungen ist im Autor auch das bombastische Ende, denn es ist einfach der Höhepunkt des Buches, da wo sich alles entscheidet und wo man mit den Charakteren mitfühlt.Allerdings finde ich, dass es ein bisschen schwer geschrieben ist, da Otfried Preußler altdeutsche Sprache verwendet und die Bezeichnungen für manche Figuren wechseln.Insgesamt finde ich aber, dass es ein sehr gelungenes Buch ist und das ist ein literarischer Bestseller ist, da Otfried Preußler das Geschehen aus einer unheimlichen Mühle schildert und sich mit der schwarzen und weißen Magie auseinandersetzt.Ich würde es, unter anderem wegen der obengenannten Aspekte, gerne weiterempfehlen. Es lässt sich gut in der siebten oder achten Klasse behandeln, da man sehr viel bei genauerem Lesen herausfinden kann.
Das Buch erzählt die Geschichte des Waisenjungen Krabat, den es zur Zeit des Nordischen Krieges Anfang des 18. Jahrhunderts zu einer Mühle zieht, wo er mit anderen Knappen neben dem Müllerhandwerk auch die Zauberkunst erlernt. Jedoch muss, als Bestandteil des Teufelspaktes, den der Müller- und Hexenmeister geschlossen hat, am Ende jeden Jahres ein Knappe sterben, der dann von einem Neuling ersetzt wird. Auch können die Knappen das Gebiet um die Mühle nicht aus eigener Kraft verlassen, sondern nur mit Erlaubnis des Meisters oder wenn ein Mädchen sie in Rabengestalt oder mit verbundenen Augen erkennt. Obwohl andernfalls beide sterben müssen und der Meister ihm anbietet, die Mühle zu übernehmen und schließlich höheren Zielen in der Welt nachzustreben, wie er es selbst vorhat, gehen Krabat und seine Angebetete das Risiko ein und bestehen die Prüfung, worauf an ihrer Stelle der Meister sterben muss, während Krabat zwar frei wird, aber auch seine Zauberkraft wieder verliert.Der Autor ist ein Dichter, kein Theoretiker. Er schreibt eine kunstvolle, bildhaft aufgeladene Prosa, aber Liebhaber von Geschichten mit philosophischem Tiefgang werden eher enttäuscht sein. Es gibt zwar auch einen guten Zaubermeister, Pumphutt (der allerdings in der Geschichte irgendwie seltsam unkontextualisiert bleibt, vergleichbar Tom Bombadil im Herrn der Ringe), und der Autor scheint durchaus seine Freude daran zu haben, wie die Zauberlehrlinge den Offizieren und reichen Händlern ihre Arroganz und Anmaßung heimzahlen. Groteskerweise lese ich hier auch einige 1 Sterne- Bewertungen von religiösen Hysterikern (die ich nicht gerade zu den intellektuellen Granaten der Menschheit zählen würde), die es schon skandalös finden, dass Magie und Okkultismus in einem Jugendbuch überhaupt thematisiert werden. Aber die eher einfache Message des Buches ist am Ende dann doch relativ deutlich, dass Magie des Teufels sei und man sein schweres Schicksal, auch als armer, einfacher Mensch, auch in schlimmen Zeiten, christlich-demütig akzeptieren solle, statt durch solches Teufelszeug dagegen aufzumucken. Auch das Nachwort bestätigt diesen Eindruck. Bumstis „Eisen, Blut und Feuer“ ist sozusagen die Antithese zu diesem Buch.Man kann es aber auch einfach als Geschichte lesen. Als solche ist es gut und spannend geschrieben, mit vielen berührenden Metaphern.