Gottfried Benn - Arzt und Dichter - lebte von 1886 - 1956. Er begann als Expressionist und bereits hier klang seine Stimme deutlich aus dem Chor der vielen hervor. Später fand Benn seinen eigenen Weg und Stil und wird so zu DEM Deutschen Dichter der Moderne, dessen Einfluss auf die Literatur weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein spürbar bleibt.Der vorliegende Band bieten einen Querschnitt durch Benns lyrisches Schaffen. Die Auswahl beginnt mit einigen von Benns berühmten "Morgue-Gedichten", die in ihrer lakonischen Art, dem Menschen seine eigene Materialität und Vergänglichkeit vor Augen zu führen, immer noch schockierend wirken, und enthält zahlreiche der berühmtesten Gedichte Benns, so z. B. "Astern", "Das Ganze" und "Chopin". Einge der Gedichte erschliessen sich dem Leser eher leicht, die meisten aber erfordern viel Überlegung und Hintergrundwissen - Benns Beschäftigung mit der Philosophie Nietzsches und mit den Naturwissenschaften hat Einfluss auf seine Lyrik, so dass es nicht einfach ist, Benns Horizont zu verstehen. Der Herausgeber lässt den Gedichten noch ein Benn-Vortrag aus dem Jahre 1955 folgen. Hier erklärt Benn wichtige Aspekte seiner Auffassung von Poesie. Dieser Text und ein umfangreiches Nachwort des Herausgebers Christoph Perels erhellen manche Zusammenhänge und machen die Beschäftigung mit Benns Gedichten noch interessanter.Weshalb nicht fünf Sterne? Der Herausgeber hat Benns lyrisches Schaffen in vier Zeitabschnitte eingeteilt: 1912 - 1921; 1922 - 1932, 1933 - 1946 und 1947 - 1955. Warum gerade diese Zeiteinteilung gewählt wurde, bleibt weitgehende unbegründet, aus dem Nachwort von Christoph Perels lässt sich einiges dazu erschliessen, aber man hätte sich doch gewünscht, sowohl Einteilung als auch Auswahl wären besser begründet worden. Auch sonst vermisst man genauere editorische Hinweise: So ist z. B. - mit wenigen Ausnahmen - nicht ersichtlich, wann genau und wo ein einzelnes Gedicht erstmals erschienen oder wann es entstanden ist. Auch könnte die Literaturhinweise einmal wieder auf den neuesten Stand gebracht werden.Insgesamt: empfehlenswert für alle, die sich ein Bild über das lyrische Schaffen Benns machen wollen.