Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Kommentierte Ausgabe: Rilke, Rainer Maria – Deutsch-Lektüre, Deutsche Klassiker der Literatur – 9626 (Reclams Universal-Bibliothek)
Malte Laurids Brigge zieht vom ländlichen Dänemark nach Paris, in eine der größten Metropolen um die Jahrhundertwende. Was er dort vorfindet, technischen Fortschritt, soziale Probleme und Anonymität, verunsichert den jungen Dichter zutiefst und führt ihn in eine existentielle Krise. In tagebuchartigen Notizen reflektiert er seine Kindheit, seine Unbehaustheit in der fremden Stadt und öffnet sich dabei zugleich für die Wahrnehmung der »vollzähligen« Wirklichkeit. Rilkes einziger Roman gilt als bahnbrechend für die literarische Moderne.
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Redaktion06.06.2026
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Ein faszinierendes und tiefgründiges Werk, das einen wunderbaren Einblick in die Zeit und die Erfahrung von Malte Laurids Brigge bietet, wenngleich die Lesart für manche Leser aufgrund der historischen Tiefe etwas anspruchsvoll sein kann.
Gibt es ein Leben in der Kunst? Kann das Leben im Ästhetischen gerechtfertigt werden? Oder ist sie der höchste Ausdruck des Lebens überhaupt oder seine größte Verfallsform? Rilkes Könnerschaft liegt in der besonderen Wahrnehmungskraft, Bildhaftigkeit, in einer Zeit, die immer mehr in sich zerrissen, immer mehr beschleunigt und endlosem Wandel unterlegen ist. Die in einem Sturm durch die Verhältnisse liegt, der alles in einen sozial-technischen Machbarkeitswahn hinein- und fortreißt. Rilke, einer der größten Jugendstil-Lyriker überhaupt, neben Stefan George, Hofmannsthal und anderen, die vielleicht hier zu nennen sind, schenkt zum Jahrhundertwechsel vom neunzehnten auf das zwanzigste der Lesewelt seinen einzigen Roman, der ein lyrischer ist, ein hymnischer, der ganz modern vom Leben und Tod erzählt, von existentiellem Ausgeliefertsein, innerem Zerklüftetsein spricht, noch im Wahrnehmen, im Sehen, Fühlen und Schmecken - und feststellt: ... dass so das Leben sein würde: voll lauter besonderer Dinge, die nur für Einen gemeint sind und die sich nicht sagen lassen." Weil die Welt nichts wirklich Sagbares mehr hergibt; weil sie in der Beschleunigung alle Bedeutung, alles Bedeutende zerreißt und Sprachlosigkeit oder gleich pures Entsetzen zurücklässt und Fragen wie: Was ist die moderne Welt? Wie fühlt sie sich an? Wie lebt man darin? Wo ist Geborgenheit im Ungeborgenen, im Ausgesetzten noch möglich? Rilkes Roman ist so gesehen sehr modern, noch heute verblüffend offen geschrieben, offen lassend bei aller Bildhaftigkeit, die er doch besitzt. Ein ganz großer Roman über die Ratlosigkeit in der Modernität. Ein junger Roman der Moderne.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.